Karl Jürgen Skrodzki

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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

[3]

Else Lasker-Schüler

Mein blaues Klavier

Neue Gedichte

Jerusalem 1943

[Einband:]

Mein blaues Klavier

[5] INHALT

Widmung [7]

An meine Freunde [8]

Meine Mutter [10]

Jerusalem [11]

An mein Kind [12]

Mein blaues Klavier [14]

Gebet [15]

Über glitzernden Kies [16]

Ouvertüre [17]

An Mill [18]

Es kommt der Abend [19]

Die Tänzerin Wally [20]

Abendzeit [21]

Ich liege wo am Wegrand [23]

Die Verscheuchte [24]

Ergraut kommt seine kleine Welt zurück [25]

Hingabe [26]

Ich weiss [27]

Herbst [28]

[6] Die Dämmerung naht [29]

Mein Herz ruht müde [30]

AN IHN

Abends [32]

Dem Verklärten [33]

Und [34]

So lange ist es her ..... [35]

Ein Liebeslied [36]

Ihm eine Hymne [37]

Ich liebe dich ..... [38]

In meinem Schosse [39]

Dem Holden [40]

Die Unvollendete [41]

Ich säume liebentlang [42]

An Apollon [43]

An mich [45]

[7]

Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in

den Städten Deutschlands – und denen, die wie ich

vertrieben und nun zerstreut in der Welt,

In Treue!

[8] An meine Freunde

Nicht die tote Ruhe –

Bin nach einer stillen Nacht schon ausgeruht.

Oh, ich atme Geschlafenes aus,

Den Mond noch wiegend

Zwischen meinen Lippen.

Nicht den Todesschlaf –

Schon im Gespräch mit euch

Himmlisch Konzert ......

Und neu Leben anstimmt

In meinem Herzen.

Nicht der Überlebenden schwarzer Schritt!

Zertretene Schlummer zersplittern den Morgen.

Hinter Wolken verschleierte Sterne

Über Mittag versteckt –

So immer wieder neu uns finden.

In meinem Elternhause nun

Wohnt der Engel Gabriel .....

Ich möchte innig dort mit euch

Selige Ruhe in einem Fest feiern –

Sich die Liebe mischt mit unserem Wort.

Aus mannigfaltigem Abschied

Steigen aneinandergeschmiegt die goldenen Staubfäden,

Und nicht ein Tag ungesüsst bleibt

Zwischen wehmütigem Kuss

Und Wiedersehn!

[9] Nicht die tote Ruhe –

So ich liebe im Odem sein .....!

Auf Erden mit euch im Himmel schon.

Allfarbig malen auf blauem Grund

Das ewige Leben.

[10] Meine Mutter

Es brennt die Kerze auf meinem Tisch

Für meine Mutter die ganze Nacht –

Für meine Mutter .....

Mein Herz brennt unter dem Schulterblatt

Die ganze Nacht

Für meine Mutter .....

[11] Jerusalem

Gott baute aus Seinem Rückgrat: Palästina

aus einem einzigen Knochen: Jerusalem.

Ich wandele wie durch Mausoleen –

Versteint ist unsere Heilige Stadt.

Es ruhen Steine in den Betten ihrer toten Seen

Statt Wasserseiden, die da spielten: kommen und vergehen.

Es starren Gründe hart den Wanderer an –

Und er versinkt in ihre starren Nächte.

Ich habe Angst, die ich nicht überwältigen kann.

Wenn du doch kämest .....

Im lichten Alpenmantel eingehüllt –

Und meines Tages Dämmerstunde nähmest –

Mein Arm umrahmte dich, ein hilfreich Heiligenbild.

Wie einst wenn ich im Dunkel meines Herzens litt –

Da deine Augen beide: blaue Wolken.

Sie nahmen mich aus meinem Trübsinn mit.

Wenn du doch kämest –

In das Land der Ahnen –

Du würdest wie ein Kindlein mich ermahnen:

Jerusalem – erfahre Auferstehen!

Es grüssen uns

Des »Einzigen Gotts« lebendige Fahnen,

Grünende Hände, die des Lebens Odem säen.

[12] An mein Kind

Immer wieder wirst du mir

Im scheidenden Jahre sterben, mein Kind,

Wenn das Laub zerfliesst

Und die Zweige schmal werden.

Mit den roten Rosen

Hast du den Tod bitter gekostet,

Nicht ein einziges welkendes Pochen

Blieb dir erspart.

Darum weine ich sehr, ewiglich .....

In der Nacht meines Herzens.

Noch seufzen aus mir die Schlummerlieder,

Die dich in den Todesschlaf schluchzten,

Und meine Augen wenden sich nicht mehr

Der Welt zu;

Das Grün des Laubes tut ihnen weh.

– Aber der Ewige wohnt in mir.

Die Liebe zu dir ist das Bildnis,

Das man sich von Gott machen darf.

Ich sah auch die Engel im Weinen,

Im Wind und im Schneeregen.

Sie schwebten ........

In einer himmlischen Luft.

Wenn der Mond in Blüte steht

Gleicht er deinem Leben, mein Kind.

[13] Und ich mag nicht hinsehen

Wie der lichtspendende Falter sorglos dahinschwebt.

Nie ahnte ich den Tod

– Spüren um dich, mein Kind –

Und ich liebe des Zimmers Wände,

Die ich bemale mit deinem Knabenantlitz.

Die Sterne, die in diesem Monat

So viele sprühend ins Leben fallen,

Tropfen schwer auf mein Herz.

[14] Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielen Sternenhände vier

– Die Mondfrau sang im Boote –

Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür .....

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

– Ich ass vom bitteren Brote –

Mir lebend schon die Himmelstür –

Auch wider dem Verbote.

[15] Gebet

Oh Gott ich bin voll Traurigkeit .....

Nimm mein Herz in deine Hände –

Bis der Abend geht zu Ende

In steter Wiederkehr der Zeit.

Oh Gott, ich bin so müd, oh, Gott,

Der Wolkenmann und seine Frau,

Sie spielen mit mir himmelblau

Im Sommer immer, lieber Gott.

Und glaube unserm Monde, Gott,

Denn er umhüllte mich mit Schein,

Als wär ich hilflos noch und klein,

– Ein Flämmchen Seele.

Oh, Gott und ist sie auch voll Fehle –

Nimm sie still in deine Hände .....

Damit sie leuchtend in dir ende.

[16] Über glitzernden Kies

Könnt ich nach Haus –

Die Lichte gehen aus –

Erlischt ihr letzter Gruss.

Wo soll ich hin?

Oh Mutter mein, weisst du’s?

Auch unser Garten ist gestorben! .....

Es liegt ein grauer Nelkenstrauss

Im Winkel wo im Elternhaus.

Er hatte grosse Sorgfalt sich erworben.

Umkränzte das Willkommen an den Toren

Und gab sich ganz in seiner Farbe aus.

Oh liebe Mutter! .....

Versprühte Abendrot

Am Morgen weiche Sehnsucht aus

Bevor die Welt in Schmach und Not.

Ich habe keine Schwestern mehr und keine Brüder.

Der Winter spielte mit dem Tode in den Nestern

Und Reif erstarrte alle Liebeslieder.

[17] Ouvertüre

Wir trennten uns im Vorspiele der Liebe .....

An meinem Herzen glitzerte noch hell dein Wort,

Und still verklangen wir im Stadtgetriebe,

Im Abendschleier der Septembertrübe

In einem schluchzenden Akkord.

Doch in der kurzen Liebesouvertüre

Entschwanden wir von dieser Erde fort

Durch Paradiese bis zur Himmelstüre –

Und es bedurfte nicht der ewigen Liebesschwüre

Und nicht der Küsse blauer Zaubermord.

Und meiden doch seitdem uns wie zwei Diebe!

Und nur geheim betreten wir den Ort,

Wo uns vergoldete die Liebe.

Bewahren wir sie, dass sie nicht erfriere

Oder im Alltag blinder Lust verdorrt.

Ich weinte bitterlich wenn ich es einst erführe –

[18] An Mill

Es tanzen Schatten in den dunkelgrünen Bäumen,

Die du so liebst, elf deiner guten Feen,

Die treu dein Haus und dich, du Rauschender, betreuen.

Wir leben lange schon im höheren Geschehen – –

Schneeweisser Damast liegt auf allen Seen

Aus Zauberseide wie in meinen Reimen.

Von einem jähen Hauche – kann der Vers verwehen.

Es gilt den Augenblick der Liebe zu vernehmen,

Da Heimat gegenseitig wir im Auge sehen.

Am Hange unserer Liebe süsses Schemen,

Erblüht die Königin der Nacht aus den Kakteen.

Schwer in den Wolkenbergen, die weich träumen,

Taumelt von Sternenrebenperlenüberschäumen

Der trunkne goldne Winzer und beleuchtet die Alleen.

[19] Es kommt der Abend

Es kommt der Abend und ich tauche in die Sterne

Dass ich den Weg zur Heimat im Gemüte nicht verlerne

Umflorte sich auch längst mein armes Land.

Es ruhen unsere Herzen liebverwandt,

Gepaart in einer Schale:

Weisse Mandelkerne

..... Ich weiss, du hältst wie früher meine Hand

Verwunschen in der Ewigkeit der Ferne .....

Ach meine Seele rauschte, als dein Mund es mir gestand.

[20] Die Tänzerin Wally

Sie wandelt an den Nachmittagen

Durch ihrer Gartengänge grüne Heiligensagen

Von frommer Dämmerung ins Himmelreich getragen.

Die Bibelfrauen: ihre Feen .....

Sie hört wie sie vom Leiden der Propheten klagen,

Die schon im Weltenanfang sahn die Welt verwehen.

Sie aber lernte auf den Spitzen ihrer Füsse stehen

Von den Zypressen, die das Weltenende überragen.

Zu einem sanften Tanze hebt sich leicht ihr Gehen.

Zwei weisse Schäferhunde folgen ihren Wagen,

Erzählen ihre Gliederweisen uns vom höheren Geschehen.

[21] Abendzeit

Erblasst ist meine Lebenslust – .....

Ich fiel so einsam auf die Erde,

Von wo ich kam hat nie ein Mensch gewusst,

– Nur du, da ich vereint einst mit dir werde.

Ich bin von Meeresbuchten weit umstellt,

Jedwedes Ding erlebe ich im Schaume.

Der Mensch, der feindlich mich ereilt, zerschellt!

Und ich weiss nur von ihm im Traume.

Und so erlebe ich die Schöpfung dieser Welt,

Auf Erden schon entkommen ihrer Schale.

Und du der Stern, der hoch vom Himmel fällt,

Vergräbt sich tief in meines Herzens Tale.

Die Abendzeit verdüstert sehr mein Blut –

Durchädert qualvoll meine müde Seele.

Nackt steigt sie wieder aus der vorweltlichen Flut

Und bangt, dass sie verkörpert hier auf Erden fehle.

Und was der Tag, noch ehe er erwacht,

Versäumte morgenrötlich zu erleben,

Reicht ihm das träumerische Bilderspiel der Nacht

In lauter bunterlei Geweben.

Es bringen ferne Hände mir nach Haus

Aus gelben Sicheln einen frommen Strauss.

Der Zeiger wandelt leise um das Zifferblatt

Der Sonnenuhr, die Gold von meinem Leben hat.

[22] Sie glüht vom Pochen überwacht

Und läutet zwischen Nacht und Mitternacht .....

Da wir uns sahen in der rätselhaften Stunde –

Dein Mund blüht tausendschön auf meinem Munde.

All meine Lebenslust entfloh

Im dunkelen Gewande mit der Abendzeit.

Ich suchte unaufhörlich einen Himmel wo .....

Nur in der Offenbarung ist der Weg zu ihm nicht weit.

[23] Ich liege wo am Wegrand

Ich liege wo am Wegrand übermattet –

Und über mir die finstere kalte Nacht –

Und zähl schon zu den Toten längst bestattet.

Wo soll ich auch noch hin – von Grauen überschattet –

Die ich vom Monde euch mit Liedern still bedacht

Und weite Himmel blauvertausendfacht.

Die heilige Liebe, die ihr blind zertratet,

Ist Gottes Ebenbild ....!

Fahrlässig umgebracht.

Darum auch lebten du und ich in einem Schacht!

Und – doch im Paradiese trunken blumumblattet.

[24] Die Verscheuchte

Es ist der Tag im Nebel völlig eingehüllt,

Entseelt begegnen alle Welten sich –

Kaum hingezeichnet wie auf einem Schattenbild.

Wie lange war kein Herz zu meinem mild .....

Die Welt erkaltete, der Mensch verblich.

– Komm bete mit mir – denn Gott tröstet mich

Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich?

Ich streife heimatlos zusammen mit dem Wild

Durch bleiche Zeiten träumend – ja ich liebte dich .....

Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt?

– Die scheuen Tiere aus der Landschaft wagen sich

Und ich vor deine Tür, ein Bündel Wegerich.

Bald haben Tränen alle Himmel weggespült,

An deren Kelchen Dichter ihren Durst gestillt –

Auch du und ich.

[25] Ergraut kommt seine kleine Welt zurück

In meinem Herzen spielen Paradiese .....

Ich aber kehre aus versunkenem Glück

In eine Welt trostlosester Entblätterung zurück.

Ein Grübchen lächelt ahnungslos aus einer Wiese,

Ein Bach, doch auf dem Grunde dürstet sein Geschick.

Ich leide sehr um sein verflüchtend Glück –

Darum ich mich des Tauchens heller Lust verschliesse.

Aus meinem Herzen fallen letzte Grüsse

Vom Lebensfaden ab – dir schenk ich diese.

Die Sonne heftet im Kristall der Kiese,

Noch scheidend ihren goldenen Augenblick.

Gott weint ..... ergraut kommt seine kleine Welt zurück,

Die Er in Seiner Schöpfung schnitt aus himmlischem Türkise.

Es lehren Flügelmenschen, die des Wegs ein Stück

Mich, meines Amtes wegen, stärken und begiessen –

Und wieder jenseits in die Lüfte fliessen:

Dass ich für – unerfüllte Gottesweisung – büsse.

[26] Hingabe

Ich sehe mir die Bilderreihen der Wolken an

Bis sie zerfliessen und enthüllen ihre blaue Bahn.

Ich schwebte einsamlich die Welten all hinan,

Entzifferte die Sternoglyphen und die Mondeszeichen um den Mann.

Und fragte selbst mich scheu, ob oder wann

Ich einst geboren wurde und gestorben dann?

Mit einem Kleid aus Zweifel war ich angetan,

Das greises Leid geweiht für mich am Zeitrad spann.

Und jedes Bild, das ich von dieser Welt gewann,

Verlor ich doppelt, und auch das was ich ersann.

[27] Ich weiss

Ich weiss, dass ich bald sterben muss

Es leuchten doch alle Bäume

Nach langersehntem Julikuss –

Fahl werden meine Träume –

Nie dichtete ich einen trüberen Schluss

In den Büchern meiner Reime.

Eine Blume brichst du mir zum Gruss –

Ich liebte sie schon im Keime.

Doch ich weiss, dass ich bald sterben muss.

Mein Odem schwebt über Gottes Fluss –

Ich setze leise meinen Fuss

Auf den Pfad zum ewigen Heime.

[28] Herbst

Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön .....

Es kam ein Engel mir mein Totenkleid zu nähen –

Denn ich muss andere Welten weiter tragen.

Das ewige Leben – »dem«, der viel von Liebe weiss zu sagen.

Ein Mensch der »Liebe« kann nur auferstehen!

Hass schachtelt ein! wie hoch die Fackel auch mag schlagen.

Ich will dir viel viel Liebe sagen –

Wenn auch schon kühle Winde wehen,

In Wirbeln sich um Bäume drehen,

Um Herzen, die in ihren Wiegen lagen.

Mir ist auf Erden weh geschehen .....

Der Mond gibt Antwort dir auf deine Fragen.

Er sah verhängt mich auch an Tagen,

Die zaghaft ich beging auf Zehen.

[29] Die Dämmerung naht

Die Dämmerung naht – im Sterben liegt der Tag .....

Sein Schatten deckt mich zu, der kühl auf einem Blatte lag,

Auf seinen roten Beeren.

Ich baute uns ein Himmelreich, dir unantastbar zu gehören

– Das an den Riffen deiner Herzensnacht zerbrach.

Die Vögel singen, und vom Nachtigallenschlag

Erzittert noch mein Bild am Wald im Bach.

Dir will ich es verehren –

Die Dämmerung naht, im Sterben liegt der Tag.

[30] Mein Herz ruht müde

Mein Herz ruht müde

Auf dem Samt der Nacht

Und Sterne legen sich auf meine Augenlide .....

Ich fliesse Silbertöne der Etüde – – –

Und bin nicht mehr und doch vertausendfacht.

Und breite über unsere Erde: Friede.

Ich habe meines Lebens Schlussakkord vollbracht –

Bin still verschieden – wie es Gott in mir erdacht:

Ein Psalm erlösender – damit die Welt ihn übe.

[31]

AN IHN

[32] Abends

Auf einmal musste ich singen –

Und ich wusste nicht warum?

– Doch abends weinte ich bitterlich.

Es stieg aus allen Dingen

Ein Schmerz, und der ging um

– Und legte sich auf mich.

[33] Dem Verklärten

Ach bitter und karg war mein Brot,

Verblichen –

Das Gold meiner Wangen Bernstein.

In die Höhlen schleiche ich

Mit den Pantern

In der Nacht.

So bange mir in der Dämmerungweh .....

Legen sich auch schlafen

Die Sterne auf meine Hand.

Du staunst über ihr Leuchten –

Doch fremd dir die Not

Meiner Einsamkeit.

Es erbarmen sich auf den Gassen

Die wilden Tiere meiner.

Ihr Heulen endet in Liebesklängen.

Du aber wandelst entkommen dem Irdischen

Um den Sinai lächelnd verklärt –

Fremdfern vorüber meiner Welt.

[34] Und

Und hast mein Herz verschmäht –

In die Himmel wärs geschwebt

Selig aus dem engen Zimmer!

Wenn der Mond spazieren geht,

Hör ichs pochen immer

Oft bis spät.

Aus Silberfäden zart gedreht

Mein weiss Gerät –

Trüb nun sein Schimmer.

[35] So lange ist es her .....

Ich träume so fern dieser Erde

Als ob ich gestorben wär

Und nicht mehr verkörpert werde.

Im Marmor deiner Gebärde

Erinnert mein Leben sich näher.

Doch ich weiss die Wege nicht mehr.

Nun hüllt die glitzernde Sphäre

Im Demantkleide mich schwer.

Ich aber greife ins Leere.

[36] Ein Liebeslied

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen engverschlungen.

Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.

Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,

Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen

Und färben sich mit deiner Augen Immortellen .....

Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen

Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.

Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.

Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen

Im hohen Rohre hinter dieser Welt.

[37] Ihm eine Hymne

Ich lausche seiner Lehre,

Als ob ich vom Jenseits höre

Sprechen die Abendröte.

Es kommen Dichter mit Gaben

Zu ihm aus ihren Sternen

Vom »Alleinigen Gott« zu lernen.

Aus ihren Marmorbrüchen,

Schenkten ihm die Griechen

Das Lächeln des Apolls.

Die Körper, die ihrer Seele

Die Pforte geöffnet haben,

Werden Engel aus Rosenholz.

Ich erinnere mich meiner näher

In seinem heiligen Schwang.

Hört mich der holde Seher –

..... Schluchzen in seinem Gesang

Im Ewigen Jerusalemeden,

Tröstet sein Wort Jedweden

Fern überhebendem Stolz.

Im Tempelschall seiner Gebete,

Zwischen leuchtendem Kerzengeräte,

Schlürft meine Seele seinen Gesang.

..... Doch oben im Dämmermoose

Welkt ergeben die Himmelsrose

– Da er ihr Herz verschmähte.

[38] Ich liebe dich .....

Ich liebe dich

Und finde dich

Wenn auch der Tag ganz dunkel wird.

Mein Lebelang

Und immer noch

Bin suchend ich umhergeirrt.

Ich liebe dich!

Ich liebe dich!

Ich liebe dich!

Es öffnen deine Lippen sich .....

Die Welt ist taub,

Die Welt ist blind

Und auch die Wolke

Und das Laub –

– Nur wir, der goldene Staub

Aus dem wir zwei bereitet:

– Sind!

[39] In meinem Schosse

In meinem Schosse

Schlafen die dunkelen Wolken –

Darum bin ich so traurig, du Holdester.

Ich muss deinen Namen rufen

Mit der Stimme des Paradiesvogels

Wenn sich meine Lippen bunt färben.

Es schlafen schon alle Bäume im Garten –

Auch der nimmermüde

Vor meinem Fenster –

Es rauscht der Flügel des Geiers

Und trägt mich durch die Lüfte

Bis über dein Haus.

Meine Arme legen sich um deine Hüften,

Mich zu spiegeln

In deines Leibes Verklärtheit.

Lösche mein Herz nicht aus –

Du den Weg findest –

Immerdar.

[40] Dem Holden

Ich taumele über deines Leibes goldene Wiese,

Es glitzern auf dem Liebespfade hin die Demantkiese

Und auch zu meinem Schosse

Führen bunterlei Türkise.

Ich suchte ewig dich – es bluten meine Füsse –

Ich löschte meinen Durst mit deines Lächelns Süsse.

Und fürchte doch, dass sich das Tor

Des Traumes schliesse.

Ich sende dir, eh ich ein Tropfen frühes Licht geniesse,

In blauer Wolke eingehüllte Grüsse

Und von der Lippe abgepflückte eben erst erblühte Küsse.

Bevor ich schwärmend in den Morgen fliesse.

[41] Die Unvollendete

Es ist so dunkel heut am Heiligen Himmel .....

Ich und die Abendwolken suchen nach dem Mond –

Wo beide wir einst vor dem Erdenleben,

Schon nahe seiner Leuchtewelt gewohnt.

Darum möcht ich mit dir mich unlösbar verweben –

Ich hab so Angst um Mitternacht!

Es schreckt ein Traum mich aus vergangenem Leben

An den ich gar nicht mehr gedacht.

Ich pflückte mir so gern nach banger Nacht

Vom Berg der Frühe lichtgefüllte Reben.

Doch hat die Finsternis mich umgebracht –

Geopfert deinem Wunderleben.

Und es verblutet, was du mir,

Ich dir gegeben,

Und auch das bunte Sternenzeichen

Unserer engverknüpften Hand,

Das Pfand!!

Und neben mir und dein –

Auf meinem Herzen süssgemalt enthobnem Sein

– Tröstet mich ein Fremder übermannt.

Ihm mangelt an der Ouvertüre süssem Tand

Streichelnder Flüsterspiele seiner Triebe,

Verherrlichend den keuschen Liebeskelch der Liebe.

[42] Ich säume liebentlang

Ich säume liebentlang durchs Morgenlicht,

Längst lebe ich vergessen – im Gedicht.

Du hast es einmal mir gesprochen.

Ich weiss den Anfang –

Weiter weiss ich von mir nicht.

Doch hörte ich mich schluchzen im Gesang.

Es lächelten die Immortellen hold in deinem Angesicht,

Als du im Liebespsalme unserer Melodie,

Die Völker tauchtest und erhobest sie.

[43] An Apollon

Es ist am Abend im April.

Der Käfer kriecht ins dichte Moos.

Er hat »so« Angst – die Welt »so« gross!

Die Wirbelwinde hadern mit dem Leben,

Ich halte meine Hände still ergeben

Auf meinem frommbezwungenen Schoss.

Ein Engel spielte sanft auf blauen Tasten,

Langher verklungene Phantasie.

Und alle Bürde meiner Lasten,

Verklärte und entschwerte sie.

Jäh tut mein sehr verwaistes Herz mir weh –

Blutige Fäden spalten seine Stille.

Zwei Augen blicken wund durch ihre Marmorhülle

In meines pochenden Granates See.

Er legte Brand an meines Herzens Lande –

Nicht mal sein Götterlächeln

Liess er mir zum Pfande.

[45] An mich

Meine Dichtungen, deklamiert, verstimmen die Klaviatür meines Herzens. Wenn es noch Kinder wären, die auf meinen Reimen tastend meinetwegen klimperten. (Bitte nicht weitersagen!) ich sitze noch heute sitzengeblieben auf der untersten Bank der Schulklasse, wie einst ... Doch mit spätem versunkenen Herzen: 1000 und 2-jährig, dem Märchen über den Kopf gewachsen.

Ich schweife umher! Mein Kopf fliegt fort wie ein Vogel, liebe Mutter. Meine Freiheit soll mir niemand rauben, – sterb ich am Wegrand wo, liebe Mutter, kommst du und trägst mich hinauf zum blauen Himmel. Ich weiss, dich rührte mein einsames Schweben und das spielende Ticktack meines und meines teuren Kindes Herzen.

[47]

This is a limited edition of 330 numbered copies, printed by the Jerusalem Press Ltd., Jerusalem, in June 1943. Nos. 1 to 25 contain a special print of the cover design by the author, hand-painted and signed by her. This is copy number [Nummer]