Karl Jürgen Skrodzki

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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

Klabund: Das Herz der Lasker

Else Lasker-Schülers Kunst ist sehr verwandt mit der ihres Freundes, des blauen Reiters Franz Marc. Fabelhaft gefärbt sind alle ihre Gedanken und schleichen wie bunte Tiere. Zuweilen treten sie aus dem Wald in die Lichtung: wie zarte rote Rehe. Sie äsen ruhig und heben verwundert die schlanken Hälse, wenn jemand durchs Dickicht bricht. Sie laufen nie davon. Sie geben sich ganz preis in ihrer Körperlichkeit.

Else Lasker-Schüler trägt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne Scham: jeder darf es betrachten. (Aber sie fühlt nicht, wenn es wer betrachtet. Und es ist ihr gleichgültig.) Sie liebt nur sich, weiß nur von sich. Die Objekte ihres Herzens … sind Bleisoldaten, mit denen sie spielt. Aber sie leidet an diesen Bleisoldaten; und wenn sie von ihnen spricht, bluten die Worte aus ihr heraus.

* * *

Aus: Revolution (München). Nr. 1 vom 15. Oktober 1913.

Klabund (eigentlich: Alfred Henschke) (1890–1928), Schriftsteller. Klabund litt seit der Jugend an einer schweren tuberkulösen Erkrankung und führte ein unstetes Vagantenleben: Er hielt sich teils in Berlin oder München, teils in der Schweiz oder Italien auf, wo er auf Genesung von seinem Lungenleiden hoffte. Mit seinem umfangreichen Werk genoß er zu Lebzeiten große Popularität, geriet aber nach seinem frühen Tod schon bald in Vergessenheit. – Quellen: Neue Deutsche Biographie, Historisches Lexikon der Schweiz, Wikipedia.