Karl Jürgen Skrodzki

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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

INHALTSÜBERSICHT

Meine Wunder (1911) [*]

Inhalt [*]

[I]

Meine Wunder

Gedichte

von Else Lasker-Schüler

Karlsruhe und Leipzig

Dreililien-Verlag 1911

[II]

Meiner teuren Mutter

[Titelblatt:]

Meine Wunder

[1] Nun schlummert meine Seele –

Der Sturm hat ihre Stämme gefällt

O, meine Seele war ein Wald.

Hast du mich weinen gehört?

Weil deine Augen bang geöffnet stehn.

Sterne streuen Nacht

In mein vergossenes Blut.

Nun schlummert meine Seele

Zagend auf Zehen.

O, meine Seele war ein Wald;

Palmen schatteten,

An den Ästen hing die Liebe.

Tröste meine Seele im Schlummer.

[2] Ankunft

Ich bin am Ziel meines Herzens angelangt

Weiter führt kein Strahl.

Hinter mir laß ich die Welt

Fliegen die Sterne auf: Goldene Vögel.

Hißt der Mondturm die Dunkelheit –

... O, wie mich leise eine süße Weise betönt ...

Aber meine Schultern heben sich, hochmütige Kuppeln.

[3] Versöhnung

Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen ..

Wir wollen wachen die Nacht,

In den Sprachen beten

Die wie Harfen eingeschnitten sind.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht –

So viel Gott strömt über.

Kinder sind unsere Herzen,

Die möchten ruhen müdesüß.

Und unsere Lippen wollen sich küssen,

Was zagst du?

Grenzt nicht mein Herz an deins –

Immer färbt dein Blut meine Wangen rot.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht,

Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht.

Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen.

[4] Die Stimme Edens

Wilder, Eva, bekenne schweifender

Deine Sehnsucht war die Schlange,

Ihre Stimme wand sich über deine Lippe,

Und biß in den Saum deiner Wange.

Wilder, Eva, bekenne reißender,

Den Tag, den du Gott abrangst,

Da du zu früh das Licht sahst

Und in den blinden Kelch der Scham sankst

Riesengroß

Steigt aus deinem Schoß

Zuerst wie Erfüllung zagend,

Dann sich ungestüm raffend,

Sich selbst schaffend,

Gottseele ...

Und sie wächst

Über die Welt hinaus,

Ihren Anfang verlierend,

Über alle Zeit hinaus,

Und zurück um dein Tausendherz,

Ende überragend ...

Singe, Eva, dein banges Lied einsam,

Einsamer, tropfenschwer wie dein Herz schlägt,

[5] Löse die düstere Tränenschnur,

Die sich um den Nacken der Welt legt.

Wie das Mondlicht wandle dein Antlitz

Du bist schön ...

Singe, singe, horch den Rauscheton

Spielt die Nacht und weiß nichts vom Geschehn.

Überall das taube Getöse –

Deine Angst rollt über die Erdstufen

Den Rücken Gottes herab.

Kaum rastet eine Spanne zwischen ihm und dir.

Birg dich tief in das Auge der Nacht,

Daß dein Tag nachtdunkel trage.

Himmel ersticken, die sich nach Sternen bücken –

Eva, Hirtin, es gurren

Die blauen Tauben in Eden.

Eva, kehre um vor der letzten Hecke noch!

Wirf nicht Schatten mit dir,

Blühe aus, Verführerin.

Eva, du heiße Lauscherin,

O du schaumweiße Traube

Flüchte um vor der Spitze deiner schmalsten Wimper noch!

[6] In deinen Augen ...

Blau wird es in deinen Augen –

Aber warum zittert all mein Herz

Vor deinen Himmeln.

Nebel liegt auf meiner Wange

Und mein Herz beugt sich zum Untergange.

[7] Von weit

Dein Herz ist wie die Nacht so hell,

Ich kann es sehn

– Du denkst an mich – es bleiben alle Sterne stehn.

Und wie der Mond von Gold dein Leib

Dahin so schnell

Von weit er scheint.

[8] Mein Sterbelied

Die Nacht ist weich von Rosensanftmut;

Komm gib mir deine beiden Hände her,

Mein Herz pocht spät

Und durch mein Blut

Wandert die letzte Nacht und geht

Und naht so weit und ewig wie ein Meer.

Und hast du mich so sehr geliebt,

So nimm das Jubelndste von deinem Tag,

Gib mir das Gold, das keine Wolke trübt.

Es wallen Harmonien aus der Nachtlandferne –

Ich ziehe ein

Und werde Leben sein

Und Leben mich an Leben schmiegen,

Wenn über mir Paradiessterne

Ihre ersten Menschen wiegen.

[9] Die Liebe

Immer tragen wir Herz vom Herzen uns zu,

Pochende Naht

Hält unsere Schwellen vereint.

Wo mag der Tod mein Herz lassen?

In einem Brunnen der fremd rauscht –

In einem Garten der steinern steht –

Er wird es in einen reißenden Fluß werfen.

Mir bangt vor der Nacht,

Daran kein Stern hängt.

Denn unzählige Sterne meines Herzens

Vergolden deinen Blutspiegel.

Liebe ist aus unserer Liebe vielfältig erblüht.

Wo mag der Tod mein Herz lassen?

[10] Ein Liebeslied

Aus goldenem Odem

Erschufen uns Himmel.

O, wie wir uns lieben ...

Vögel werden Knospen an den Ästen,

Und Rosen flattern auf.

Immer suche ich nach deinen Lippen

Hinter tausend Küssen.

Eine Nacht aus Gold,

Sterne aus Nacht ...

Niemand sieht uns.

Kommt das Licht mit dem Grün,

Schlummern wir;

Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.

[11] Siehst du mich

Zwischen Erde und Himmel?

Nie ging einer über meinen Pfad.

Aber dein Antlitz wärmt meine Welt,

Von dir geht alles Blühen aus.

Wenn du mich ansiehst,

Wird mein Herz süß.

Ich liege unter deinem Lächeln

Und lerne Tag und Nacht bereiten.

Dich hinzaubern und vergehen lassen,

Immer spiele ich das eine Spiel.

[12] Pharao und Joseph

Pharao verstößt seine blühenden Weiber,

Sie duften nach den Gärten Amons.

Sein Königskopf ruht auf meiner Schulter,

Die strömt Korngeruch aus.

Pharao ist von Gold.

Seine Augen gehen und kommen

Wie schillernde Nilwellen.

Sein Herz aber liegt in meinem Blut.

Zehn Wölfe gingen an meine Tränke.

Immer denkt Pharao

An meine Brüder,

Die mich in die Grube warfen.

Säulen werden im Schlaf seine Arme

Und drohen.

Aber sein träumerisch Herz

Rauscht auf meinem Grund.

Darum dichten meine Lippen

Große Süßigkeiten

Im Weizen unseres Morgens.

[13] David und Jonathan

In der Bibel stehn wir geschrieben

Buntumschlungen.

Aber unsere Knabenspiele

Leben weiter im Stern.

Ich bin David,

Du mein Spielgefährte.

O, wir färbten

Unsere weißen Widderherzen rot;

Wie die Knospen an den Liebespsalmen

Unter Feiertagshimmel.

Deine Abschiedsaugen aber –

Immer nimmst du still im Kusse Abschied.

Und was soll dein Herz

Noch ohne meines –

Deine Süßnacht

Ohne meine Lieder.

[14] Leise sagen –

Du nahmst dir alle Sterne

Über meinem Herzen.

Meine Gedanken kräuseln sich

Ich muß tanzen.

Immer tust du das, was mich aufschauen läßt,

Mein Leben zu müden.

Ich kann den Abend nicht mehr

Über die Hecken tragen.

Im Spiegel der Bäche

Finde ich mein Bild nicht mehr.

Dem Erzengel hast du

Die schwebenden Augen gestohlen.

Aber ich nasche vom Seim

Ihrer Bläue.

Mein Herz geht langsam unter

Ich weiß nicht wo –

Vielleicht in deiner Hand.

Überall greift sie an mein Gewebe.

[15] Ein alter Tibetteppich

Deine Seele, die die meine liebet,

Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.

Strahl in Strahl, verliebte Farben,

Sterne, die sich himmellang umwarben.

Unsere Füße ruhen auf der Kostbarkeit

Maschentausendabertausendweit.

Süßer Lamasohn auf Moschuspflanzenthron

Wie lange küßt dein Mund den meinen wohl

Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon?

[16] Ich bin traurig ...

Deine Küsse dunkeln auf meinem Mund;

Du hast mich nicht mehr lieb.

Und wie du kamst –!

Blau vor Paradies,

Um deinen süßesten Brunnen

Gaukelte mein Herz.

Nun will ich es schminken,

Wie die Freudenmädchen

Die welke Rose ihrer Lenden röten.

Unsere Augen sind halbgeschlossen,

Wie sterbende Himmel –

Alt ist der Mond geworden.

Die Nacht wird nicht mehr wach.

Du erinnerst dich meiner kaum.

Wo soll ich mit meinem Herzen hin?

[17] Liebesflug

Drei Stürme liebt ich ihn eh’r wie er mich,

Jäh schrien seine Lippen,

Wie der geöffnete Erdmund!

Und Gärten berauschten an Mairegen sich.

Und wir griffen unsere Hände,

Die verlöteten wie Ringe sich.

Und er sprang mit mir auf die Lüfte

Gotthin, bis der Atem verstrich.

Dann kam ein leuchtender Sommertag,

Wie eine glückselige Mutter.

Und die Mädchen blickten schwärmerisch,

Nur meine Seele lag müd und zag.

[18] Wir Beide

Der Abend weht Sehnen aus Blütensüße,

Und auf den Bergen brennt wie Silberdiamant der Reif,

Und Engelköpfchen gucken überm Himmelstreif,

Und wir beide sind im Paradiese.

Und uns gehört das ganze bunte Leben,

Das blaue, große Bilderbuch mit Sternen!

Mit Wolkentieren, die sich jagen in den Fernen

Und hei! die Kreiselwinde, die uns drehn und heben!

Der liebe Gott träumt seinen Kindertraum

Vom Paradies – von seinen zwei Gespielen,

Und große Blumen sehn uns an von Dornenstielen ...

Die düstre Erde hing noch grün am Baum.

[19] Die Liebe

Es rauscht durch unseren Schlaf

Ein feines Wehen wie Seide,

Wie pochendes Erblühen

Über uns Beide.

Und ich werde heimwärts

Von deinem Atem getragen,

Durch verzauberte Märchen,

Durch verschüttete Sagen.

Und mein Dornenlächeln spielt

Mit deinen urtiefen Zügen,

Und es kommen die Erden

Sich an uns zu schmiegen.

Es rauscht durch unseren Schlaf

Ein feines Wehen wie Seide –

Der weltalte Traum

Segnet uns beide.

[20] Traum

Der Schlaf entführte mich in deine Gärten,

In deinen Traum – die Nacht war wolkenschwarz umwunden –

Wie düstere Erden starrten deine Augenrunden,

Und deine Blicke waren Härten –

Und zwischen uns lag eine weite, steife

Tonlose Ebene ...

Und meine Sehnsucht hingegebene,

Küßt deinen Mund, die blassen Lippenstreife.

[21] Meiner Schwester Kind

Der Morgen ist bleich von Traurigkeit.

Es sind so viel junge Blumen gestorben.

Und du, o du bist gestorben,

Und mein Herz klagt eine Sehnsucht weit

Über die ziellose Flut

Der blaublühenden Meere,

Und deine Mutter höre

Ich weinen in meinem Blut.

Muß immer träumen

Von deinen tiefen Lenzaugen,

Die blickten wie wilde Knospen

Von gottalten Bäumen.

[22] »Täubchen das in seinem eigenen Blute schwimmt«

Als ich also diese Worte an mich las,

Erinnerte ich mich

Tausend Jahre meiner.

Eisige Zeiten verschollen – Leben vom Leben

Wo liegt mein Leben –

Und träumt nach meinem Leben.

Ich lag allen Tälern im Schoß,

Umklammerte alle Berge,

Aber nie meine Seele wärmte mich.

Mein Herz ist die tote Mutter,

Und meine Augen sind traurige Kinder,

Die über die Lande gehen.

»Täubchen, das in seinem eigenen Blute schwimmt« ...

Ja, diese Worte an mich sind heiße Tropfen,

Sind mein stilles Aufsterben

»Täubchen, das in seinem eigenen Blute schwimmt« ...

In den Nächten sitzen sieben weinende Stimmen

Auf der Stufe des dunklen Tors

Und harren.

[23] Auf den Hecken sitzen sie

Um meine Träume

Und tönen

Und mein braunes Auge blüht

Halberschlossen vor meinem Fenster

Und zirpt. –

»Täubchen, das in seinem eigenen Blute schwimmt« ...

[24] Eva

Du hast deinen Kopf tief über mich gesenkt,

Deinen Kopf mit den goldenen Lenzhaaren,

Und deine Lippen sind von rosiger Seidenweichheit,

Wie die Blüten der Bäume Edens waren.

Und die keimende Liebe ist meine Seele.

O, meine Seele ist das vertriebene Sehnen,

Du zitterst vor Ahnungen

Und weißt nicht, warum deine Träume stöhnen.

Immer liege ich auf deinem Leben,

Eine tausendstämmige Erinnerung.

Und du bist so blutjung, so adamjung ....

Du hast deinen Kopf tief über mich gesenkt –.

[25] Unser stolzes Lied

Aber fremde Tage hängen

Über uns mit kühlen Bläuen,

Und weiße Wolkenschollen dräuen,

Das goldene Strahleneiland zu verdrängen –

Auch wir beide sind besiegte Siegerinnen,

Und Kronen steigen uns vom Blut der Ceder,

Propheten waren unsere Väter,

Unsere Mütter Königinnen.

Und süße Schwermutwolken ranken

Sich über ihre Gräber lilaheiß in Liebeszeilen.

Unsere Leiber ragen stolz, zwei goldene Säulen,

Über das Abendland, wie östliche Gedanken.

[26] Unser Liebeslied

Laß die kleinen Sterne stehn,

Lenzseits winken junge Matten

Meiner Welten, die nichts wissen vom Geschehn.

Und wir wollen unter Pinien

Heimlich beide umschlungen gehn,

In die blaue Allmacht sehn.

Zwischen Garben

Und Schilfrohrruten

Steigen Schlummer auf aus Farben.

Und von roten Abendlinien

Blicken Marmorwolkenfresken

Uns verzückte Arabesken.

[27] Unser Kriegslied

Unsere Arme schlingen sich entgegen

Durch das Leben in runden Schwingen,

Durch das Spiel von Feuerringen,

Wie zwei Äste sich durch Bogenwegen.

Unsere Seelen tragen scharfe Blüten

Und aus ihren Kelchen steigen

Weihedüfte ... und die Himmel neigen

Ihre Häupter mit den blauen Güten.

Unsere Willen sind zwei harte Degen

Und sie haben nie verfehlt gestritten,

Und wir dringen bis zum Erzkreis vor, in seiner Mitten

Fällt nach dürren Ewigkeiten Freudenregen,

Alles Sehnen nieder, und vor unserm Schilde

Stürzt das blinde Dämmergraugebilde.

Unsere Adern schmettern wie Posaunen!

Unsere Augen blicken sich in Blicken,

Wie zwei Siege sich erblicken –

Und die Nacht des Tages voll in Lichterstaunen.

[28] Erfüllung

Wir sitzen traurig Hand in Hand,

Die gelbe Sonnenrose,

Die strahlende Braut Gottes,

Leuchtet erdenabgewandt ...

Und wie golden ihr Blick war!

Und unsere Augen weiten

Sich fragend wie Kinderaugen,

Weiß liegt die Sehnsucht schon auf unserm Haar.

Und zwischen den kahlen Buchen

Steigen ruhelose Dunkelheiten,

Auferstandene Nächte,

Die ihre weinenden Tage suchen.

Und es schließen sich wie Rosen

Unsere Hände. Du, wir wollen

Wie junge Himmel uns lieben

Im Kranz von grauen Grenzenlosen.

Ein tiefer Sommer wird schweben

Auf laubigen Flügeln zur Erde,

Und eine rauschende Süße

Strömt durch das schwermütige Leben.

[29] Und was werden wir beide spielen ...

Wir halten uns jauchzend umschlungen

Und kugeln uns über die Erde,

Über die Erde.

[30] Ruth

Und du suchst mich vor den Hecken.

Ich höre deine Schritte seufzen

Und meine Augen sind schwere dunkle Tropfen.

In meiner Seele blühen süß deine Blicke

Und füllen sich,

Wenn meine Augen in den Schlaf wandeln.

Am Brunnen meiner Heimat

Steht ein Engel,

Der singt das Lied meiner Liebe,

Der singt das Lied Ruths.

[31] Schulzeit

Unter süßem Veilchenhimmel

Ist unsere Liebe aufgegangen,

Und ich suche allerwegen

Nach dir und deinen Morgenwangen.

Und den Ringelrangelhaaren

Rötlichblonden Rosenlocken,

Und den frühlingshellen Augen

Die so frischfreifrohfrohlocken.

Zwischen dicken Gummipflanzen

Lauern hinter Irdentöpfen

Strickpicknadelspitze Augen

Tücksch aus bitteren Frauenköpfen.

Daß die beiden alten Damen

Hinter unsere Liebe kamen

Und dich in Gewahrsam nahmen,

Sind die Dramen unserer Herzen.

[32] Groteske

Seine Ehehälfte sucht der Mond,

Da sonst das Leben sich nicht lohnt.

Der Lenzschalk springt mit grünen Füßen

Blühheilala über die Wiesen.

Steif steht im Teich die Schmackeduzie,

Es sehnt und dehnt sich Fräulein Luzie.

[33] Das Geheimnis

Die runde Ampel hängt wie eine Süßfrucht in der Nische,

Des Fensters beide Glasgestalten regen sich,

Der Paradiesbaum hinter ihnen bläht sich,

Und meine Hände fallen bleich vom Marmortische.

Und aus dem Abend tritt ein schwerer Duft,

Und unsere Heiterkeiten klingen ferne

Hellhin ..... wir sind auf einem greisen Sterne –

Wir Vier – und schwanken in der Luft.

Dein Auge füllt sich ... und ich ahne, wer ich bin –

Die zärtlich Glatte schlingt den Arm um deinen Leib und wittert,

Und der im Lichtschein beugt den Kopf, das Schweigen über uns gewittert,

Es blickt sich unser Blut um, hin zum Anbeginn.

Und siegeslockend schwingt der runde Odem uns ums Leben

Am Rand vorbei, der stille Kreis umkrampft uns.

Und Nähe sucht in Nähe zu verkriechen ...

Mein Arm hebt wie ein Schwert sich auf vor uns,

Versteinte Zeichen reißen sich aus Urgeweben.

Und draußen fällt ein bleicher, blinder Regen

Und tastet auf in hohlen, toten Fragen.

Wir sind von der Schlange noch nicht ausgetragen

Und finden das Ziel nicht in ihrem dunklen Bewegen.

[34] Nachklänge

Auf den harten Linien

Meiner Siege

Laß ich meine späte Liebe tanzen.

Herzauf, seelehin,

Tanze, tanze meine späte Liebe,

Und ich lächele schwervergessene Lieder.

Und mein Blut beginnt zu wittern

Sich zu sehnen

Und zu flattern.

Schon vor Sternzeiten

Wünschte ich mir diese blaue

Helle, leuchteblaue Liebe.

Deine Augen singen

Schönheit,

Duftende ....

Auf den harten Linien

Meiner Siege

Laß ich meine späte Liebe tanzen.

Und ich schwinge sie –

»Fangt auf Ihr Rosenhimmel,

Auf und nieder!«

[35] Tanze, tanze meine späte Liebe.

Herzab, seelehin –

Arglos über stille Tiefen ....

Über mein bezwungenes Leben.

[36] Evas Lied

Die Luft ist von gährender Erde herb,

Und der nackte Märzwald sehnt sich

Wie du – o, ich wollte, ich würde der Frühling,

Mit lauter Märchen umblühte ich dich.

Wäre meine Kraft nicht tot!

Ich hab all das Nachleid tragen müssen,

Und mein tagendes Herzrot

Ist von grollenden Himmeln zerrissen.

Und deine Sinne sind kühl,

Und deine Augen sind zwei Morgenfrühen,

Und das Blondgewirr auf deiner Stirn

Glüht, als ob Sonnen sie besprühen.

Aber du bist vertrieben wie ich,

Weil du auf das Land meiner Seele sankst,

Als das Glück des Erkenntnistags aus mir schrie

Und seines Genießens Todangst.

[37] Maienregen

Du hast deine warme Seele

Um mein verwittertes Herz geschlungen,

Und all seine dunklen Töne

Sind wie ferne Donner verklungen.

Aber es kann nicht mehr jauchzen

Mit seiner wilden Wunde,

Und wunschlos in deinem Arme

Liegt mein Mund auf deinem Munde.

Und ich höre dich leise weinen,

Und es ist – die Nacht bewegt sich kaum –

Als fiele ein Maienregen

Auf meinen greisen Traum.

[38] Mein stilles Lied

Mein Herz ist eine traurige Zeit,

Die tonlos tickt.

Meine Mutter hatte goldne Flügel,

Die keine Welt fanden.

Horcht, mich sucht meine Mutter,

Lichte sind ihre Finger und ihre Füße wandernde Träume.

Und süße Wetter mit blauen Wehen

Wärmen meine Schlummer

Immer in den Nächten,

Deren Tage meiner Mutter Krone tragen.

Und ich trinke aus dem Monde stillen Wein,

Wenn die Nacht einsam kommt.

Meine Lieder trugen des Sommers Bläue

Und kehrten düster heim.

Verhöhnt habt ihr mir meine Lippe

Und redet mit ihr.

Doch ich griff nach euren Händen,

Denn meine Liebe ist ein Kind und wollte spielen.

[39] Einen nahm ich von euch und den zweiten

Und küßte ihn,

Aber meine Blicke blieben rückwärts gerichtet

Meiner Seele zu.

Arm bin ich geworden

An eurer bettelnden Wohltat.

Und ich wußte nichts vom Kranksein,

Und bin krank von euch,

Und nichts ist diebischer als Kränke,

Sie bricht dem Leben die Füße,

Stiehlt dem Grabweg das Licht,

Und verleumdet den Tod.

Aber mein Auge

Ist der Gipfel der Zeit,

Sein Leuchten küßt

Gottes Saum.

Und ich will euch noch mehr sagen,

Bevor es finster wird zwischen uns.

[40] Bist du der Jüngste von euch,

So solltest du mein Ältestes wissen.

Auf deiner Seele werden es fortan

Alle Welten spielen.

Und die Nacht wird es wehklagen

Dem Tag.

Ich bin der Hieroglyph

Der unter der Schöpfung steht.

Und ich artete mich nach euch,

Der Sehnsucht nach dem Menschen wegen.

Ich riß die ewigen Blicke von meinen Augen,

Das siegende Licht von meinen Lippen –

Weißt du einen schwereren Gefangenen,

Einen böseren Zauberer, denn ich.

Und meine Arme, die sich heben wollen

Sinken ...

[41] Mein Volk

Der Fels wird morsch,

Dem ich entspringe

Und meine Gotteslieder singe ...

Jäh stürz ich vom Weg

Und riesele ganz in mir

Fernab, allein über Klagegestein

Dem Meer zu.

Hab mich so abgeströmt

Von meines Blutes

Mostvergorenheit.

Und immer, immer noch der Widerhall

In mir,

Wenn schauerlich gen Ost

Das morsche Felsgebein

Mein Volk,

Zu Gott schreit.

[42] Zebaoth

Gott ich liebe dich in deinem Rosenkleide,

Wenn du aus deinen Gärten trittst, Zebaoth.

O, du Gottjüngling,

Du Dichter,

Ich trinke einsam von deinen Düften.

Meine erste Blüte Blut sehnte sich nach dir,

So komme doch,

Du süßer Gott,

Du Gespiele Gott,

Deines Tores Gold schmilzt an meiner Sehnsucht.

[43] Wir Drei

Unsere Seelen hingen an den Morgenträumen,

Wie die Herzkirschen,

Wie lachendes Blut an den Bäumen.

Kinder waren unsere Seelen,

Als sie mit dem Leben spielten.

Wie die Märchen sich erzählen.

Und von weißen Azaleen

Sangen die Spätsommerhimmel

Über uns im Südwindwehen.

Und ein Kuß und ein Glauben

Waren unsere Seelen eins,

Wie drei Tauben.

[44] Mein Wanderlied

Zwölf Morgenhellen weit

Verschallt der Geist der Mitternacht,

Und meine Lippen haben ausgedacht

In stolzer Linie mit der Ewigkeit.

Torabwärts schreitet das Verflossene,

Indessen meine Seele sich im Glanz der Lösung bricht,

Ihr tausendheißes, weißes Licht

Scheint mir voran ins Ungegossene –

Und ich wachse über all Erinnern weit

So ferne Musik – und zwischen Kampf und Frieden

Steigen meine Blicke hoch wie Pyramiden,

Und sind die Ziele hinter aller Zeit.

[45] O, meine schmerzliche Lust ...

Mein Traum ist eine junge, wilde Weide

Und schmachtet in der Dürre.

Wie die Kleider um den Tag brennen ...

Alle Lande bäumen sich.

Soll ich dich locken mit dem Liede der Lerche

Oder soll ich dich rufen wie der Feldvogel

Tuuh! Tuuh!

Wie die Silberähren

Um meine Füße sieden – – –

O, meine schmerzliche Lust

Weint wie ein Kind.

[46] Der letzte Stern

Mein silbernes Blicken rieselt durch die Leere,

Nie ahnte ich, daß das Leben hohl sei.

Auf meinem leichtesten Strahl

Gleite ich wie über Gewebe von Luft

Die Zeit rundauf, kugelab,

Unermüdlicher tanzte nie der Tanz.

Schlangenkühl steigt der Atem der Winde,

Wie Säulen aus blassen Ringen

Und fallen wieder.

Was soll das klanglose Luftgelüste –

Dieses Schwanken unter mir,

Wenn ich über die Lende der Zeit mich drehe,

– – Wie eine sanfte Farbe ist mein Bewegen –

Und doch küßte nie das frische Auftagen,

Nicht das jubelnde Blühen eines Morgen mich.

Es naht der siebente Tag –

Und noch ist das Ende nicht erschaffen.

Tropfen an Tropfen erlöschen

Und reiben sich wieder,

In den Tiefen taumeln die Wasser

Und drängen hin und stürzen erdenab.

Wilde, schimmernde Rauscharme

Schäumen auf und verlieren sich,

Und wie alles drängt und sich engt

Ins letzte Bewegen.

[47] Kürzer atmet die Zeit im Schoß der Zeitlosen –

Hohle Lüfte schleichen

Und erreichen das Ende nicht,

Und ein Punkt wird mein Tanz

In der Blindnis ......

[48] Heim

Unsere Zimmer haben blaue Wände,

Und wir wandeln leisehin durch Himmelweiten,

Und am Abend legen Innigkeiten

Mit Engelaugen ineinander unsere Hände.

Und wir erzählen uns Geschichten,

Bis der Morgen kommt in Silberglocken

Und dem Dämmersteine in den Locken,

Der Sonne winkt durchs Tor von Wolkenschichten.

Und wie sie tanzt auf unseren wiesenhellen

Teppichen; leicht über sanftverschlungene Blumenstiele!

Zum Liebeslauschen laden unsere Stühle,

Und von den Pfeilern fallen Seidenquellen.

[49] Sphinx

Sie sitzt an meinem Bette in der Abendzeit

Und meine Seele tut nach ihrem Willen,

Und in dem Dämmerscheine, traumesstillen,

Engen wie Fäden dünn sich ihre Glanzpupillen

Um ihrer Sinne schläfrige Geschmeidigkeit.

Und auf dem Nebenbette an den Leinennähten

Knistern die Spitzenranken von Narzissen,

Und ihre Hände dehnen breit sich nach den Kissen

Auf dem noch Träume blühn aus seinen Küssen,

Wie süßer Duft auf weißen Beeten.

Und lächelnd taucht die Mondfrau in die Wolkenwellen

Und meine bleichen, leidenden Psychen

Erstarken neu im Kampf mit Widersprüchen.

[50] Weltende

Es ist ein Weinen in der Welt,

Als ob der liebe Gott gestorben wär,

Und der bleierne Schatten, der niederfällt,

Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen ...

Das Leben liegt in aller Herzen

Wie in Särgen.

Du! wir wollen uns tief küssen –

Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,

An der wir sterben müssen.

[51] Abend

Hauche über den Frost meines Herzens

Und wenn du es zwitschern hörst

Fürchte dich nicht vor seinem schwarzen Lenz.

Immer dachte das kalte Wundergespenst an mich

Und säete unter meinen Füßen – Schierling.

Nun prägt in Sternen auf meine Leibessäule

Ein weinender Engel die Inschrift.

[52] Ein Lied der Liebe

Seit du nicht da bist

Ist die Stadt dunkel.

Ich sammle die Schatten

Der Palmen auf,

Darunter du wandeltest.

Immer muß ich eine Melodie summen

Die hängt lächelnd an den Ästen.

Du liebst mich wieder –

Wem soll ich mein Entzücken sagen?

Einer Waise oder einem Hochzeitler,

Der im Widerhall das Glück hört.

Ich weiß immer

Wann du an mich denkst.

Dann wird mein Herz ein Kind

Und schreit.

An jedem Tor der Straße

Verweile ich und träume;

Ich helfe der Sonne deine Schönheit malen

An allen Wänden der Häuser.

[53] Aber ich magere

An deinem Bilde.

Um schlanke Säulen schlinge ich mich

Bis sie schwanken.

Überall steht Wildedel,

Die Blüten unseres Blutes.

Wir tauchen in heilige Moose,

Die aus der Wolle goldener Lämmer sind.

Wenn doch ein Tiger

Seinen Leib streckte

Über die Ferne, die uns trennt

Wie zu einem nahen Stern.

Auf meinem Angesicht

Liegt früh dein Hauch.

[54] Und suche Gott

Ich habe immer vor dem Rauschen meines Herzens gelegen

Und nie den Morgen gesehen

Nie Gott gesucht.

Nun aber wandle ich um meines Kindes

Goldgedichtete Glieder

Und suche Gott.

Ich bin müde vom Schlummer,

Weiß nur vom Antlitz der Nacht.

Ich fürchte mich vor der Frühe,

Sie hat ein Gesicht

Wie die Menschen, die fragen.

Ich habe immer vor dem Rauschen meines Herzens gelegen

Nun aber taste ich um meines Kindes

Gottgelichtete Glieder.

[55] Mein Liebeslied

Auf deinen Wangen liegen

Goldene Tauben.

Aber dein Herz ist ein Wirbelwind,

Dein Blut rauscht, wie mein Blut –

Süß

An Himbeersträuchern vorbei.

O, ich denke an dich –

Die Nacht frage nur.

Niemand kann so schön

Mit deinen Händen spielen,

Schlösser bauen, wie ich

Aus Goldfinger

Burgen mit hohen Türmen!

Strandräuber sind wir dann.

Wenn du da bist,

Bin ich immer reich.

Du nimmst mich so zu dir,

Ich sehe dein Herz sternen.

[56] Schillernde Eidechsen

Sind deine Geweide.

Du bist ganz aus Gold –

Alle Lippen halten den Atem an.

[57] Heimweh

Ich kann die Sprache

Dieses kühlen Landes nicht,

Und seinen Schritt nicht gehn.

Auch die Wolken, die vorbeiziehn,

Weiß ich nicht zu deuten.

Die Nacht ist eine Stiefkönigin.

Immer muß ich an die Pharaonenwälder denken

Und küsse die Bilder meiner Sterne.

Meine Lippen leuchten schon

Und sprechen Fernes,

Und bin ein buntes Bilderbuch

Auf deinem Schoß.

Aber dein Antlitz spinnt

Einen Schleier aus Weinen.

Meinen schillernden Vögeln

Sind die Korallen ausgestochen,

An den Hecken der Gärten

Versteinern sich ihre weichen Nester.

Wer salbt meine toten Paläste –

Sie trugen die Kronen meiner Väter,

Ihre Gebete versanken im heiligen Fluß.

[58] Mein Liebeslied

Wie ein heimlicher Brunnen

Murmelt mein Blut,

Immer von dir, immer von mir.

Unter dem taumelnden Mond

Tanzen meine nackten, suchenden Träume,

Nachtwandelnde Kinder,

Leise über düstere Hecken.

O, deine Lippen sind sonnig ...

Diese Rauschedüfte deiner Lippen ...

Und aus blauen Dolden silberumringt

Lächelst du ... du, du.

Immer das schlängelnde Geriesel

Auf meiner Haut

Über die Schulter hinweg –

Ich lausche ...

Wie ein heimlicher Brunnen

Murmelt mein Blut.

[59] Streiter

Und deine hellen Augen heben sich im Zorn,

Schwarz wie die lange Nacht und morgenlose,

Des Eitlen Stimme brüllt in toter Pose,

Wie durch ein enggebogenes Horn.

Und durch das übermütige Tausendlachen

Der Einen und der Zweiten und der Vielen

Zerbersten Wort an Worten sich aus Wetterschwielen

Wie reife Härten auf den lauten Schwachen.

Und Abendwinde, die von her und dort sich trafen

Und schrill in Kreiseleile sich beschielen,

Aufpfiffen fröstelnd über die gebohnten Dielen –

Ich konnte nachts vor Träumerei nicht schlafen.

Und meine Seele liegt wie eine bleiche Weite

Und hört das Leben mahlen in der Mühle,

Es löst sich auf in schwere Kühle,

Und ballt sich wieder heiß zum Streite.

[60] Meine Mutter

War sie der große Engel,

Der neben mir ging?

Oder liegt meine Mutter begraben

Unter dem Himmel von Rauch –

Nie blüht es blau über ihrem Tode.

Wenn meine Augen doch hell schienen

Und ihr Licht brächten.

Wäre mein Lächeln nicht versunken im Antlitz,

Ich würde es über ihr Grab hängen.

Aber ich weiß einen Stern,

Auf dem immer Tag ist;

Den will ich über ihre Erde tragen.

Ich werde jetzt immer ganz allein sein

Wie der große Engel,

Der neben mir ging.

[61] Rast

Mit einem stillen Menschen will ich wandern

Über die Berge meiner Heimat

Schluchzend über Schluchten,

Über hingestreckte Lüfte.

Überall beugen sich die Zedern

Und streuen Blüten.

Aber meine Schulter hängt herab

Von der Last des Flügels.

Suche ewige, stille Hände:

Mit meiner Heimat will ich wandern.

[62] Ein Trauerlied

Eine schwarze Taube ist die Nacht

... Du denkst so sanft an mich.

Ich weiß, dein Herz ist still,

Mein Name steht auf seinem Saum.

Die Leiden, die dir gehören

Kommen zu mir.

Die Seligkeiten, die dich suchen

Sammle ich unberührt.

So trage ich die Blüten deines Lebens

Weiter fort.

Und möchte doch mit dir stille stehn;

Zwei Zeiger auf dem Zifferblatt.

O, alle Küsse sollen schweigen

Auf beschienenen Lippen liebentlang.

Niemehr soll es früh werden,

Da man deine Jugend brach.

In deiner Schläfe

Starb ein Paradies.

[63] Mögen sich die Traurigen

Die Sonne in den Tag malen,

Und die Trauernden

Schimmer auf ihre Wangen legen.

Im schwarzen Wolkenkelche

Steht die Mondknospe.

... Du denkst so sanft an mich.

[64] An Gott

Du wehrst den guten und den bösen Sternen nicht;

All ihre Launen strömen.

In meiner Stirne schmerzt die Furche,

Die tiefe Krone mit dem düsteren Licht.

Und meine Welt ist still –

Du wehrtest meiner Laune nicht.

Gott, wo bist du?

Ich möchte nah an deinem Herzen lauschen,

Mit deiner fernsten Nähe mich vertauschen,

Wenn goldverklärt in deinem Reich

Aus tausendseligem Licht

Alle die guten und die bösen Brunnen rauschen.

[65] Der Letzte

Ich lehne am geschlossenen Lid der Nacht

Und horche in die Ruhe.

Alle Sterne träumen von mir,

Und ihre Strahlen werden goldener,

Und meine Ferne undurchdringlicher.

Wie mich der Mond umwandelt,

Immer blindes Geschimmer murmelnd,

Ein Derwisch ist er in seinem Wandeltanz.

Weißgelbenjung hing sein Schein

Schaumleicht an der Nacht,

Und jäh über die Wolken sein Lawinengedröhn

Immer grauab,

Mir zur Seite streifte sein Gold.

Mein Heimatmeer lauscht still in meinem Schoß,

Helles Schlafen – dunkles Wachen ...

In meiner Hand liegt schwer mein Volk begraben,

Und Wetter ziehen schüchtern über mich.

Ich lehne am geschlossenen Lid der Nacht

Und horche in die Ruhe.

[66] Maria

Träume, säume, Marienmädchen –

Überall löscht der Rosenwind

Die schwarzen Sterne aus.

Wiege im Arme dein Seelchen.

Alle Kinder kommen auf Lämmern

Zottehotte geritten

Gottlingchen sehen –

Und die vielen Schimmerblumen

An den Hecken –

Und den großen Himmel da

Im kurzen Blaukleide!

[67] Die Königin

Für Kete Parsenow

Du bist das Wunder im Land,

Rosenöl fließt unter deiner Haut.

Vom Gegold deiner Haare

Nippen Träume;

Ihre Deutungen verkünden Dichter.

Du bist dunkel vor Gold –

Auf deinem Antlitz erwachen

Die Nächte der Liebenden.

Ein Lied bist du

Gestickt auf Blondgrund,

Du stehst im Mond ...

Immer wiegen dich

Die Bambusweiden.

[68] Vollmond

Leise schwimmt der Mond durch mein Blut ...

Schlummernde Töne sind die Augen des Tages

Wandelhin – taumelher –

Ich kann deine Lippen nicht finden ...

Wo bist du ferne Stadt

Mit den segnenden Düften?

Immer senken sich meine Lider

Über die Welt – alles schläft.

INHALT

Nun schlummert meine Seele – [1]

Ankunft [2]

Versöhnung [3]

Die Stimme Edens [4]

In deinen Augen ... [6]

Von weit [7]

Mein Sterbelied [8]

Die Liebe [9]

Ein Liebeslied [10]

Siehst du mich [11]

Pharao und Joseph [12]

David und Jonathan [13]

Leise sagen – [14]

Ein alter Tibetteppich [15]

Ich bin traurig ... [16]

Liebesflug [17]

Wir Beide [18]

Die Liebe [19]

Traum [20]

Meiner Schwester Kind [21]

»Täubchen das in seinem eigenen Blute schwimmt« [22]

Eva [24]

Unser stolzes Lied [25]

Unser Liebeslied [26]

Unser Kriegslied [27]

Erfüllung [28]

Ruth [30]

Schulzeit [31]

Groteske [32]

Das Geheimnis [33]

Nachklänge [34]

Evas Lied [36]

Maienregen [37]

Mein stilles Lied [38]

Mein Volk [41]

Zebaoth [42]

Wir Drei [43]

Mein Wanderlied [44]

O, meine schmerzliche Lust ... [45]

Der letzte Stern [46]

Heim [48]

Sphinx [49]

Weltende [50]

Abend [51]

Ein Lied der Liebe [52]

Und suche Gott [54]

Mein Liebeslied [55]

Heimweh [57]

Mein Liebeslied [58]

Streiter [59]

Meine Mutter [60]

Rast [61]

Ein Trauerlied [62]

An Gott [64]

Der Letzte [65]

Maria [66]

Die Königin [67]

Vollmond [68]