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Die Vortragsreihe »Der Kraal«

Jerusalem 1942–1944

Aktualisiert: 6. September 2020

Als Kraal bezeichnet Else Lasker-Schüler ihre im Herbst 1941 in Jerusalem gegründete Vortragsvereinigung. Zu einer ersten Besprechung traf sie sich am Abend des 6. Oktober 1941 mit Jerusalemer Freunden in ihrem Zimmer. Am Tag darauf schildert sie in einem Brief an Ernst Simon den Verlauf des Gesprächs: »Gestern Abend haben wir uns schön und friedlich in meinem Zimmer unterhalten: Werner Kraft, Andreas Meyer, Mortimer Wassermann Leopold Krakauer. Gerson Stern (aus meiner Heimat) ist krank und konnte nicht kommen. Ich glaube wir haben so etwas wie einen Kraal gegründet, – er kann so einer werden. Wir müssen ein ganzes Indianerdorf ausmachen schließlich. nächste Woche treffen wir uns alle mit den Gewereths bei Färberoff, weiter zu überlegen. Ich hätte Sie so gern gestern unter uns gewußt, aber ich fühle Sie mögen nicht. Und wir wollen doch nur – Zusammenhang von lieben Menschen herstellen – unserer Blume Wein – wie ehemals. Sind alle wieder gegangen, ist man wieder allein auf der Welt, oft nur noch wie ein stiller trüber Schatten.« (Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Im Auftrag des Franz Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar hg. von Andreas B. Kilcher [ab Bd. 9], Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedletzky. Bd. 11: Briefe. 1941–1945. Nachträge. Bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher. Berlin 2010. S. 65.) Eröffnet wurde der Kraal mit einem Vortrag Martin Bubers am 10. Januar 1942. Else Lasker-Schüler hoffte, dass der Kraal alle zwei Wochen stattfinden könne. Für die Abende schrieb sie jeweils etwa 70 handschriftliche Einladungen, die sie zum Teil selbst austrug und zum Teil (etwa nach Talpiot) mit der Post versandte. Ferner trug sie Sorge, dass die Abende in den Veranstaltungsankündigungen der Tageszeitungen genannt wurden. Der letzte Kraal-Abend war eine Gedenkfeier für Max Reinhardt, zu der Else Lasker-Schüler zunächst für den 2. April 1944 einlud und die sie dann auf den 26. April verschob. Am 22. November 1944 schreibt sie an Ernst Simon, dass sie einen »letzten Kraalabend« (Bd. 11. S. 352) für Uriel Mayer plane. Am 12. Januar 1945, wenige Tage vor ihrem Zusammenbruch, teilt sie Friedrich Sally Grosshut mit: »Ich lese blaues Klavier, am 5. Februar Montag wieder Kraal.« (Bd. 11. S. 354.) Im Einzelnen fanden folgende Kraal-Abende statt:

1942

10. Januar (ursprünglich für den 27. Dezember 1941 geplant) • Centre de Culture Française, Ben-Jehuda-Straße 3. – Martin Buber liest »Geschichten vom Berditschewer Rabbi«.

24. Januar • Centre de Culture Française. – Gershon Swet spricht über das Thema »Die Juden in Sowjetrußland«.

7. Februar • Saal der »Dritten Mädchenschule« (»Beit-sefer le-banot gimmel«), Seitengasse der Ben-Jehuda-Straße. – Werner Kraft liest aus seinen »Dichtungen«.

1. März (ursprünglich für den 21., dann für den 28. Februar geplant) • Synagoge »Emet we’Emuna« (»Wahrheit und Glaube«), Narkiss-Straße 5. – Nehemia Cymbalist spricht über das Thema »Der Kibbuz Tel-Josef«.

8. März • Pension Brieger, Beit Hakerem. – Klavier- und Gesangsvortrag: Emil Stein trägt aus »Madame l’Archiduc« von Jacques Offenbach vor.

15. März • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Julius Simon spricht über das Thema »Der Jude als Patient«.

28. März (ursprünglich für den 21. Februar, dann für den 22. März geplant) • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Walter Turnowsky spricht über das Thema »Wanderung durch den Nahen Osten im Krieg«.

11. April (ursprünglich für den 28. März geplant) • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Ernst Simon spricht über das Thema »Der Prophet Jeremias«.

18. April (ursprünglich für den 14. Februar geplant) • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Awraham Werber spricht über die beiden Themen »Das Inkareich und das Nazireich« und »Die Tragödie eines großen Ingenieurs«.

Einladung:

Der Kraal

(The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 12:3]: »Der Kraal / Am 18. April ½ 9 Uhr / Sonnabend – spricht / Dr. Ing. A. Werber / 1. Über das Inkas-Reich und das Nazi-Reich / 2. Über die Tragödie eines großen Ingenieurs«.)

* * *

6. Mai (ursprünglich für den 28. März geplant) • Saal der »Dritten Mädchenschule«. – Gespräch zwischen Friedrich Ollendorff und Kurt Wilhelm über das Thema »Organisation und Menschlichkeit in der Wohlfahrtspflege«.

30. Mai • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Vortrag von Ismar Freund, das genaue Thema ist nicht bekannt.

Einladung:

Der Kraal

(The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 12:3]: »Der Kraal / Dr. Ismar Freund / spricht am 30. Mai / 8 ½ Sonnabend über / ? ? ? – / Im Raum der Kurt / Wilhelmsynagoge: 5.«)

* * *

2. August (ursprünglich für den 5. Juli geplant) • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Else Lasker-Schüler liest aus ihren »Dichtungen«.

The Palestine Post (Jerusalem). Jg. 17 [18], Nr. 4934 vom 28. Juli 1942. S. 2 (»Social & Personal«). – »Miss Else Lasker-Schueler will read selections from her poetry at the Emet Veemuna Synagogue in Gan Rehavia, Jerusalem, at 8.30 on Sunday evening.«

Frango [d. i. Franz Goldstein]: Prose and Fantasy. Mrs. Lasker-Schueler Reads Her Works. In: The Palestine Post. Jg. 18, Nr. 4942 vom 6. August 1942. S. 2. – »Deep down in the vault-like chambers of the Emeth V’Emuna Synagogue in Jerusalem, Mrs. Else Lasker-Schueler read a collection of her own old, new, published and unpublished works. Recognized in Germany for many years as one of the true lyrical poets of her generation, she is known also, though scarcely enough, for the magically-imaginative drawings that she produced in the intervals of writing her 23 books and dramas. / It is a remarkable tribute to Mrs. Lasker-Schueler’s vitality that, after a life-time of creative work, she should now have a group known as ›the Kraal‹, which has been meeting at intervals to hear talks and lectures by a circle of the poetess’ friends among artists and critics. She has also recently completed ›Tiberias‹, the second volume of a work entitled ›Land of the Hebrews‹. / ›Esther‹ and ›David and Jonathan‹ from the cycle of ›Hebrew Ballads‹ opened the reading, followed by ›My Blue Piano‹, a fantasy of entrancing lightness and delicacy. After this came some prose passages, whose curious title, so infinitely removed from present-day topics, invested them with a new and burning interest. The title was ›Of Love, Friendship and Goodness‹: some of her observations under this head were the rare fruits of a great heart and personality. / Mrs. Lasker-Schueler has the unusual gift of being the ideal interpreter of her own works, many of which do not seem to take on their full grace and meaning until she herself reads them.«

6. September • Synagoge »Emet we’Emuna«. – Alex Bein spricht über »Theodor Herzl«.

Schalom Ben-Chorin schenkt Else Lasker-Schüler ein Exemplar seiner Gedichtsammlung »In dieser Zeit. Gedichte aus neun Jahren« (Jerusalem: Romema-Edition, 1942). Die Widmung lautet: »Der Dichterin / Else Lasker-Schüler / in grosser Verehrung / im Kraal überreicht / in Jerusalem / am 6. September 1942 / Schalom BenChorin« (Exemplar im Nachlass Else Lasker-Schülers: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 11-A:6]).

5. Oktober • »Alfred Berger Club« im Haus der HOGOA (Hitachdut Olej Germania we-Olej Austria / Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Österreich), Mamillastraße (später umbenannt in Gershon-Agron-Straße), Ecke King-George-Straße. – Georg Landauer spricht über das Thema »Deutsche Juden in Palästina«.

The Palestine Post (Jerusalem). Jg. 17 [18], Nr. 4991 vom 5. Oktober 1942. S. 2 (»Where to Go«). – »8.30: ›German Jews in Palestine‹, talk, Dr. Georg Landauer, Berger Club.«

19. Oktober • Luftschutzraum Ben-Jehuda-Straße 7. – Ulrich Salingré spricht über das Thema »Du und der Luftschutz«.

22. November • Saal der HOGOA (Hitachdut Olej Germania we-Olej Austria / Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Österreich), Mamillastraße (später umbenannt in Gershon-Agron-Straße), Ecke King-George-Straße. – Gespräch zwischen Heinz Kappes und Gerson Stern über Sterns Roman »Weg ohne Ende« (Berlin: Erich Reiss) von 1934 (digitalisierte Ausgabe: Deutsche Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main).

Einladung:

Der Kraal

(The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 12:3]: »Der Kraal / ›Weg ohne Ende?‹ / Ein Gespräch / zwischen / Heinz Kappes und Gerson Stern. / Sonntag 22. Nov. ½ 9 Uhr / in der Ohle Germania.«)

* * *

Press-Echo (Tel Aviv) (Jg. 6) vom 20. November 1942. Ausgabe Jerusalem. S. 7. – »Der Kraal, ›Weg ohne Ende?‹ ein Gespräch zwischen Heinz Kappes und Gerson Stern, Sonntag 22. Nov. 8.30 Uhr in der HOGOA.«

6. Dezember • Saal der HOGOA. – »Spoken Paper« mit Kurt Wilhelm, Recha Freier, Franz Goldstein (»Frango«), Else Lasker-Schüler und Erich Gottgetreu.

Einladung:

Der Kraal

(The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 12:3]: »Der Kraal / ›Spoken Paper!‹ / Mitwirkende: / Dr. Kurt Wilhelm / Recha Freyer / Frango / Else Lasker-Schüler / Dr. Erich Gottgetreu. / 6. Dezember Sonntag ½ 9 Uhr Ohle Germania (Hanukaabend.)«.)

* * *

[Anonym:] Gesprochene Zeitung im Kraal. In: Orient (Haifa). Jg. 3, Nr. 36 vom 11. Dezember 1942. S. 26. – »Prinz Jussuf von Theben ist nicht nur ein wahrhaft begnadeter Dichter – am vergangenen Sonntag promovierte er überdies zum Chefredakteur: Else Lasker-Schüler als Hausherr veranstaltete im ›Kraal‹ eine Gesprochene Zeitung. Mit Bedauern vermissten wir den Leitartikel des Chefs, der sich diskret im Hintergrund hielt. Einleitend lenkte Kurt Wilhelm die Aufmerksamkeit auf ein soeben erschienenes, orientalische Reisebriefe aus dem vorigen Jahrhundert bergendes Buch. Im Anschluss daran sprach Erich Gottgetreu sehr anschaulich über Albert Schweitzer. Als Abschluss gab es Tagesglossen, psychologisch wunderbar eingefangen und lebendig wie im Rampenlicht vorgetragen von Frango. Das waren kleine, in sich abgeschlossene, hinter einem Schleier von Esprit gesellschaftskritische Stücke, die mit ihren Pointen ins Schwarze trafen und manche ›Originale‹ unserer Umgebung entlarvten.«

20. Dezember • Saal der HOGOA. – Friedrich Ollendorff spricht über das Thema »Drei Frauen«.

The Palestine Post (Jerusalem). Jg. 17 [18], Nr. 5056 vom 20. Dezember 1942. S. 2 (»Where to Go«). – »8.30 p. m.: ›Three Women‹, talk, Dr. F. Ollendorff, ›Der Kraal‹, Hitachdut Olei Germania.«

* * *

1943

11. Januar • Saal der HOGOA. – Ernst Simon spricht über das Thema »Martin Buber, der Mann und sein Werk«.

9. Februar • Saal der HOGOA. – Kurt Wilhelm liest »Aus heiligen Büchern«.

21. Februar • Bezalel-Museum, Shmuel-Hanagid-Straße, Ecke Bezalelstraße. – Hugo Nothmann spricht über das Thema »Traum im Talmud«.

Press-Echo (Tel Aviv) (Jg. 7) vom 19. Februar 1943. S. 7. – Ankündigung.

8. März • Bezalel-Museum. – Werner Kraft liest »Gedichte und Prosa«.

Jedioth Chadaschoth (Neuste Nachrichten) (Tel Aviv). Jg. 7, Nr. 1826 vom 5. März 1943. S. 5. – Ankündigung.

30. März • Bezalel-Museum. – Else Lasker-Schüler liest Gedichte und »Der Wunderrabbiner von Barcelona«.

Einladung:

Der Kraal

(The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501, 12:3]: »Der Kraal / Am 30. März, Dienstag ½ 9 Uhr liest: / Else Lasker-Schüler / ihr preisgekröntes kleines Buch: / Der Wunderrabbiner von Barcelona / In der New Bezalelschule / im Bezalelmuseumshaus. / 4 Piaster«.)

* * *

Stern, Gerson: Else Lasker-Schüler. In: Mitteilungsblatt (Tel Aviv). Jg. 7, Nr. 18 vom 30. April 1943. S. 8.

11. Mai • Bezalel-Museum. – Friedrich Sally Grosshut liest seine Erzählung »Napoleon in Potsdam« (Typoskript im Nachlass Grosshuts: University of New Hampshire Library).

Press-Echo (Tel Aviv) (Jg. 7) vom 7. Mai 1943. S. 7. – Ankündigung.

Jedioth Chadaschoth (Neuste Nachrichten) (Tel Aviv). Jg. 7, Nr. 1880 vom 10. Mai 1943. – Ankündigung.

25. Mai (ursprünglich für den 25. April geplant) • Bezalel-Museum. – Walter Jablonski liest seine Übersetzung »Gedichte des Kavaphis«, Hans Zeuger sein Schauspiel »Judas, der Mann aus Kariot«.

22. Juni • Bezalel-Museum. – Schalom Ben-Chorin liest sein unveröffentlichtes Schauspiel »Söhne«: »Söhne (Deutschland 1938) / Schauspiel in drei Akten / von / Schalom Ben-Chorin / […] / Das Stück spielt am 10. November 1938 in einer deutschen Stadt / Geschrieben: Jerusalem, März 1942« (Vortragsexemplar im Nachlass Ben-Chorins: Deutsches Literaturarchiv Marbach).

The Palestine Post (Jerusalem). Jg. 18, Nr. 5207 vom 17. Juni 1943. S. 2 (»Social & Personal«). – »There will be a reading of ›Sons‹, a play in three acts by Shalom Ben Chorin at the Bezalel School next Tuesday evening.«

Benafar [d. i. Erwin Grau]: »Söhne«, Schauspiel von Ben-Chorin. In: Neuste Nachrichten (Tel Aviv). Jg. 7, Nr. 1924 vom 1. Juli 1943. – »Ben Chorin beweist mit diesem Werk seine starke dramatische Begabung. Er versteht Milieu und Situationen scharf zu zeichnen; Menschentypen verschiedener Prägung, die schon aus dieser Wurzel heraus miteinander in Konflikt kommen müssen, lebensvoll gegenüberzustellen.«

* * *

1944

26. April (ursprünglich für den 2. April geplant) • »Alfred Berger Club«. Gedenkfeier für Max Reinhardt: Es sprechen Else Lasker-Schüler, Gershon Swet und Hermann Vallentin.

The Palestine Post (Jerusalem). Jg. 19, Nr. 5471 vom 26. April 1944. S. 2 (»Where to Go«). – »8.30 p. m.: Reinhardt Evening; Berger Club (Mamillah Road).«

u.: Max Reinhardt-Erinnerungen. In: Neuste Nachrichten (Tel Aviv). Jg. 7, Nr. 2169 vom 5. Mai 1944. S. 9.