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[220] Else Lasker-Schüler an Emil Raas

Zürich, Samstag, 15. Oktober 1938

Aktualisiert: 26. März 2026

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Emil Raas
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15. Okt. 38

Lieber Mill

Warum wollen Sie eine halbe Stunde kommen. Machen Sie lieber einen Ausflug. Ich habe hier [2] schon in Bureaux Leute, die mich beraten. Mir war es wichtig, ob Herr Bundesrat mein Geschenk bekommen? Bitte nur unter uns. Ich wäre schon fort, aber ich bin doch jäh ausgebürgert und muß [3] Schweizer (Schein?) haben, der noch besser wie deutscher Pass. Ich habe hier im Stadthaus schon bezahlen müssen und Bogen ausfüllen für Bern vor etwa 7 Tagen. Ich möchte zu Hore Bellisha später (meine Familie vom spanischen Großvater die auch erst nach England zog [4] her. Ich male ihm ein Hebräerland. Ich will englischen Pass später, da kann ich überall sein und hin. Ich bitte Sie ruhig einen Ausflug zu machen, auch teleph. morgen viel zu teuer. Ich habe auch viel bezahlen müssen. Ich habe nun 40 Pfund 840 Fr. davon sende ich 100 Frc. Berlin. Das andere sehr nötig Reise etc. Ich muß hin!

Dank. Jussuf.

[1] Ich kenne 1. arabischen Comissar – und Dr. Werber will mit ihm sprechen Jerusalem.

Bitte unter uns!

Anmerkungen

Quelle: The National Library of Israel, Jerusalem, Emil Raas Collection (Arc. 4* 1821 01 51). Druck: Else Lasker-Schüler, Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Im Auftrag des Franz Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar hg. von Andreas B. Kilcher [ab Bd. 9], Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedletzky. Bd. 10: Briefe. 1937–1940, bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2009, S. 175.

mein Geschenk • Else Lasker-Schüler hatte Albert Meyer ein Leporellobuch mit elf handschriftlichen Gedichten geschenkt (Zentralbibliothek Zürich [Ms. Z VI 687]): »Dem feinen Herrn Bundesrat meine letzten Gedichte«. Das Leporello enthält die Gedichte »Ich suche allerlanden eine Stadt –« (= »Gebet«), »Ergraut kommt Seine kleine Welt zurück«, »Ich weiss .....«, »Die Erkenntniß«, »Mein blaues Klavier«, »Herbst« (»Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön«), »Der Tibetteppich« (= »Ein alter Tibetteppich«), »Hingabe«, »Die Verscheuchte«, »Es kommt der Abend – – –« und »Ein Lied an Gott«. Faksimile mit Transkription und einem ausführlichen Nachwort: Else Lasker-Schüler, Elf Gedichte für Bundesrat Albert Meyer, hg. von Martin Bircher (63. Kranich-Druck), Zürich: Kranich-Verlag, 1996. Vgl. Else Lasker-Schüler, Werke und Briefe [...]. Bd. 1.1: Gedichte, bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki unter Mitarbeit von Norbert Oellers, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1996, S. 190, 263 f., 266, 258, 267, 271 f. 130, 263, 262, 265 und 246 f. – Meyer bedankte sich in einem Brief vom 19. Oktober 1938 und drückte sein »Bedauern« darüber aus, dass Else Lasker-Schülers »Schicksal eine so unfreundliche Wendung genommen« habe: »Ich wünsche Ihnen für Ihre fernere Zukunft alles Gute.« (The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501 5 203]). – ausgebürgert • Vgl. zu [Brief 216] (»ausgebürgert in Deutschland«). – Hore Bellisha • Leslie Hore-Belisha. Vgl. zu [Brief 207] (»Hore Belissha«). – vom spanischen Großvater • Jakob Kissing. Vgl. zu [Brief 207] (»mein Urgrossvater«). – ein Hebräerland • Vgl. zu [Brief 146] (»Mein Buch«).