Karl Jürgen Skrodzki

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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

Else Lasker-Schüler

Prosa aus dem Nachlass. Kleinere Schriften

Nachtregen. [1]

Wenn ich morgen die Augen öffne, werden sie eine ganz andere Welt sehen. Ich liege zwischen meinen blauen Gedanken, die entspringen in der Furche meiner Stirn. Und wie zwei Meere bereiten sie sich und überströmen meinen Körper, der ist eine Landzunge aus Bernstein aus Muschelgestein. Meine Wunderstunde vor dem Schlaf. – Seidengekleidete – o, Du leise Prinzessinstunde, in Deinem Arme blühen Lauschegärten. Es vertönt bange eine Glocke in mir, es ist die Glocke der Erde und ich bin zu müde, um zu läuten und doch hängt sie im Turm meiner Seele. Ich möchte niederknieen, aber meine Kniee bluten und sie würden einen grausamen Schatten über die Welt werfen. Aber wenn ich morgen die Augen öffne, ist der alte Himmel tot und die verrunzelte Erde fressen die Geizigen und Lichte fallen in meinen Schoß und erlöst werde ich sein aus Tausendschwere. Ich fühle schon den Keimschmerz meiner Flügel – auf! Eine Möve bin ich, schwingen werde ich mich. Wie die Lüfte rauschen .... Ich glaube an Dich, Du kommender Himmel – ich bin nackt – schon flattert mein Atem, wie wildes Lenzwehn hin und her.

[Else Lasker-Schüler bittet die geehrte Redaktion ...] [2]

Else Lasker-Schüler bittet die geehrte Redaktion folgendes zu berichten:

Am Dienstag sprach ich als Gast der literarischen Gesellschaft im Kaisersaal der Stadthalle. Eine geschulte Zuhörerschaft erwartet nur der Dichter, der noch nicht zum zweiten Mal zu der Menge gesprochen hat. (Ich spreche vom Dichter – nicht vom Dilettant.) Selten geschieht das Wunder, daß Wort und Aufnahme eins werden, daß – Publikum, »Orchester« dem Redenden wird. Es gehört zu jedem Kunstgenuß ein frommes Ohr – denn wahre Kunst ist ewig, ob sie von heute oder von damals ist. Welcher Dilettant hat das Wort modern erfunden! Was wertvoll ist – bleibt bestehn. Dem liter. Verein des Herrn Kerst mangelt es an Seele, mit der Neugier – allein – faßt man keine Kunst, dem liter. Verein des Herrn Kerst fehlt es am ersten – an Takt, dem liter. Verein des Herrn Kerst fehlt es am allergeringsten – an Gastfreundschaft. Herr Kerst der Vater des liter Verein, macht sich schnell aus dem Staub wird ihm die Sache zu – hoch – (wie er sagt.) Herrn Kerst rate ich seinen liter Verein als Filiale seiner Schule umzuwandeln und bei seiner Fibel zu bleiben und seine erwachsenen, unerzogenen Kinder zu erziehen zu Menschen bevor er sie in die »Literatur« einführt.

Ich habe in den Hauptstädten der Welt solch einen Beifall geerntet, daß ich diese Katastrophe wie eine Groteske betrachten würde, hätte sie sich nicht in meiner Heimat begeben, die ich in meiner Erinnerung verherrlichte. Ich machte meiner Heimat mein Schauspiel Wupper zum Geschenk. Ihre Bewohner sollen sich ferner ihre Dilettanten herholen lassen von ihrem leitenden Volksschullehrer; denn zu Spießern gehören nun einmal Dilettanten. »Sehen Sie« meinte der liter. Leiter Herr Kerst zu meinem Freund, »nun hab ich eine wirkliche Dichterin kommen lassen, aber Sie sehen doch wie das Publikum sie aufnimmt.« Er mußte doch die Schuld von sich abladen und verlor sich in die Büsche.

Else Lasker-Schüler.

[Ich grüße die wundervollen Frankf. Freunde ...] [3]

Ich grüße die wundervollen Frankf. Freunde im Namen des großen Dichterpropheten.

Ich werde zwei der kleinsten Gedichte von Peter Hille vortragen, da es außerordentlich verantwortlich ist, den Vers eines anderen Dichters wiederzugeben. Ich gehöre ja nicht zu den Interprälaten und Interprälatinnen, wie ich die allzueifrigen Deklamatoren zu nennen pflege, die sich (noch meist ungefragt) tollkühn in die rauschende Flut der Dichtung stürzen.

Der Weihnachtsbaum. [4]

Später kommen sie alle in den Keller – oder man wirft sie kurz und bündig auf den Schutthaufen. Und ich kannte Jemand, dem genügte es nicht – die erlesene Tanne mit einem Silberkleide zu schmücken, sie zu behängen mit Näschereien für seine Weihnachtsbraut; er sog alsbald des liebreichen Baumes grünes Blut aus den Zweigen, da er sie in seine Wanne warf mit ihrem Stern und dem schimmernden Wachsengel in der Krone; seine Glieder zu stärken im Weihrauch des Extraktes frommer Nadel. Später holte der Müllkutscher den also geschändeten Baum der Bäume ab. Ähnlich wie ihm, ergehts des öfteren dem Menschen. Und der Weihnachtbaum ist des Menschen schimmerndes Symbol; und – sein tragisches. Denn nur von den Sonntagskindern stehen einige angezündet auf dem blauen Tisch der Ewigkeit. Noch – es sich gar – um eine mit Chokoladenherzen und vielviel Spielzeug behangenden Mama handelt inmitten ihrer glücklichglühenden Kinderlein. Eine Weihnachtsmama ist ja da – geplündert zu werden! Ihre Lichte brennen ewiglich ..... Der Mutter Liebe brennt noch im Erdreich gebettet, aber auch vom Himmel hoch für ihr Kind .... Amen. – Wohl jeder Mensch steht einmal im Licht der Liebe: Weihnacht; sie nur vermag die Menschen wie die duftenden Äste des sich immer wieder sehnenden Baumes verklärend anzuzünden.

Ach, wenn doch nur ein Zweiglein wieder an mir brennen würde ...

Denn trauervoll zerbröckelt meines Schmuckes Liebeszierde.

So ganz im Zauber des Lichtes stehen – mit glitzernden Wundern behangen vermag nur die reine Zauberhand der Liebe zu ermöglichen. Die Liebe will ja immer Weihnachten feiern, bescheeren und beschenkt werden. Gross aufgetan sind die Augen der Liebe, o, die Liebe ist ein in dein Herz gefallenes Vermächtniss. Man sollte es andächtig aufschlagen, und sich schmücken füreinander. »Störe Liebende nicht«! So oft erlischt das Licht des Weihnachtherzens hinsterbend, traumseliges Flämmchen – oder noch lächelnd wie das faltergelbe Lichtchen oder wie die schlanke weisse Kerze am Baume, die noch vor einer Weile strahlte. Allzufrüh erlischen die Lichte der Weihnacht am Hang des Herzens, pietätlos am holden Baum der Liebesewigkeit. Immer neigt er seine glitzernden Zweige und erwartet dich und mich. Er möchte uns das ewige Leben schenken und noch himmelhochjauchzende Flügel dazu ...... Wer wäre nicht einmal im Traum über einen Platz behutsam getragen worden – wie wir beide zur Weihnachtszeit?? Und geben es »arme« Menschen in der Welt, die nie im erhellten Leben standen?? So ganz im Gefunkel der Liebe .... säumerisch, schwerbehangen von versilberten, melancholischen Himmelchen und schaumgoldenen? Immer liegt versteckt in einem himmelblauen Ringelrangelkörbchen hoch in der Krone – ja – ungeduldig:

Die Auferstehung der Liebe.

Wir stehen längst geknickt wo angelehnt

Am grauen Steine einer alten Mauer.

So ausgelöscht und haben uns gesehnt,

Nach einem einzigen Lichtchen in der Weltentrauer.

Wie nie auf einmal standen wir im Glanz .......

Und unsere feierlichen Zweige – hingegeben –

Verklangen ineinander: Flittergrünertanz.

Was soll ich weiter – und auch du mit deinem Leben –

Lichtlosen Dasein, das hell über Nacht – und – umgebracht –!

Mit meinem funkelte noch eben.

Gottfried Keller. [5]

Man kann sich so Vieles erklären, aber vieles das man sich nicht zu erklären vermag, nimmt Tage Wochen ja oft Jahre von Einem Besitz, steigt immer wieder ins Gedächtniss, erklärt zu werden, zurück. Am ersten Tage meines Hierseins in der schönen Stadt Zürich begegnete ich ihrem grössten Dichter Gottfried Keller, und seitdem fast alle Woche einmal in der Bahnhofstrasse oder irgend steht er im Türeingang eines der alten Häuser aber auch auf dem Lindenhof auf der Bank gerade am Brunnen den Kopf auf den Knopf seines Spazierstocks wiegend, sitzt er der grosse Demant der wasserdemantensprudelnden Stadt der Schweiz. Immer schaut er mürrisch zur Erde oder gar zu den Bäumen auf oder selbst in das Mittagblau des Himmels. Aber Ich habe Gottfried Kellers Phantom in mein einsames Herz geschlossen. Er kommt mir immer gerade wenn ich getröstet sein möchte und ich les dann von seinem weiten Gesichte die zweite Stimme zu meiner ernsten Klage längst vergilbten ersten Supran. Dichter begleiten sich noch im Tode in Lied und Wort und Schritt. Davon bin ich nun überzeugt. Ich habe nie gefragt nie in Kallendern nachgeschlagen wann der grösste schweizer Dichter gestorben ist ich wusste nur dass er gestorben ist und mir doch begegnet so oft am lichten Tage aber auch am Abend irgend wo unter dem Laub eines Platzes.

Die Flamme [6]

Wenn man schon durch einen Ast einen Docht ziehen könnte, würde er brennen wie die Kerze, aber auch mit ihr gemeinsam versengen, ähnlich wie der Wachs des Lichtes das so oft meinen Tisch heiligt und den Raum verklärt. Nun aber, wenn man erst einen Docht ziehen könnte durch einen Körper aus Fleisch und Blut und ihn stelle auf dem Altar der Welt. Und der Körper verkohle, der als Kind geliebte und behütete vor dem Frost der Kälte wie vor dem Strahl der Glut. Das sind die Opfer des täglichen Lebens. Die Körper die bis zur Neige verbrennen, den Mordstrahl durch das Herz gezogen, heiligen die entheiligte Erde wieder, ihr Licht brennt ewiglich im Jenseits weiter. Ja es zündet die Himmel an und die Engel versammeln sich in den klaren Räumen und rufen Gott und die Gerechten auf der Welt, 36 – Engelmenschen leben immer unter uns nach der unumstößlichen Weisheit und göttlichen Eingebung offenbart, erheben sich im Willen des lieben Herrn der Welt. In ihnen sammelt sich die Kraft, die den Menschen verloren ging den guten und den bösen – denn Haß legte sich Ohnmacht um den verzerrten Sinn – und an des guten Menschen Tür pocht der Dämon unentwegt. Die Flamme der Kerze ist das Symbol, das Bild der reinen Flamme im Geschöpf. – Nicht, daß durch die Seele des Menschen ein Docht gezogen wäre oder durch das Gemüt des Tieres oder gar durch den Duft der Pflanze dem Grün des Baums, ja durch dem Glänzen des Edelsteins im rauhen Gestein.

Die Seele ist im Stande, sich zu entzünden, und dann leuchtet der ganze Mensch und so erlebte ich auch einmal wie ein Pferd in seinem Reitschmuck wirklich zu leuchten begann, durch die Thränen seiner großen Augen strömte goldener Dunst. So bezeichnete es mein Junge, der mit mir dieses wunderbare Erlebniß im Cirkus teilte. Ebenfalls ergriffen wurde, wie uns sein Schulreiter Renz gestand, jedes Mal er, bevor er das Pferd bestieg. Vorahnend vielleicht hatte er den entzückenden Rappen: Flamme getauft. Auch erzählte mir auch unser größter Tiermaler Franz Marc so oft von der Heiligkeit, besonders die der Pferde. Nun aber – wer hätte nicht schon leuchtende Menschen gesehen – wenn auch nur aufleuchtende vom Glück des Augenblicks angezündet. Ihre Stimme unter dem Einfluß des Lichts erklang heller, schl[xxxxx]loser, ihr Wort seelischer im Lichtraum getaucht und ewig jung. Ich spreche von dem Licht der Seele, der Flamme des innersten Menschen, von dem Licht der Gläubigen, vom Licht das auf die Pfade zur Gottheit scheint. Es entspricht dem körperlichen Sonnenlicht und ihm wieder dem weißen Kirchenlicht das man anzündet an den Tagen der Weihe. Manchmal, sehe ich dem Glühen des Dochtes zu, gestaltet der sich zu einer kleinen Feuerrose oder zu einem brennenden Herzlein und meine Augen werden nicht müde und geblendet zuzuschauen wie Farben entstehen sich mischen in der zur Höhe strebenden Flamme. Eine Blüte entsprießt der Kerze. Auch entkommt man den Gedanken des Alltags, Dunkles wird hell und Helles spielt mit mir um die selige Flamme. Die knieenden Pfingstenjünger betrachtete ich lange in bemalten Stein gehauen in einem Dom in Griechenland. Vom Licht des heiligen Geistes angezündet und erleuchtet – zwischen Erde und Himmel an der Grenze des Jenseits. Sie sahen hell, ihre Augen gewendet dem Gotte verschleiert zu. Oder die Glanz beschienene Gestaltung Buddhas in Nirwana gehüllt dem leuchtenden ewigen beseeligenden Nichts. Oder der gewaltige Prophet Moses beschämte durch seinen Glanz herabsteigend vom Berge, sein verblendetes Volk. In Wolken gehüllt so blickte er zu Gott auf, so erlebte so konnte er, ein Mensch nur das Licht Gottes erleben und ertragen. Im Anfang der Welt gab es nur Licht und kein Licht. Licht erkennen wir symbolisch wenigstens kein Licht – wer sagt das, dass das Dunkelheit bedeutet. Kein Licht kennzeichnet man das Böse. Das Böse ist eine Unwissenheit darin man sich verirrt, das Böse hat das Prinzip aus dem Gleichgewicht der von Gott geschaffenen Idee zu bringen, [xxxx]zu[xx]ten. Wenn man so allein ist wie ich gesellen sich tröstende Gedanken Gefühle ja vielleicht zärtliche Engel um einen, Menschen, die gestorben sind um in den Himmeln zu wirken. Ich wäre undankbar wenn ich mich je beklagen wollte der Einsamkeit – ich spreche von dem innern Alleinsein, es stellte sich keine Wand vor mir – die mich verhinderte ein Geschenk aus anderen Welten zu ergreifen. »Platz machen für Gott« – so wandelt man ihm hingebend entgegen. Ich habe darum immer die Menschen gemieden, die Versammlungen wo Extrakt der Frömmigkeit zum Zeitvertreib zum Beleibverzeit gebraut wird. Oder den Menschen der im Winter der indischen religiösen Cultur huldigt, die Gäste zudringlich belehrt, im Sommer sich die Kirchen und Synagogen und Tempel beschaut, Hieroglyphen auf die Tapete malt um sie im Lenz zu reinigen im Hausputz. Literarische Weiber, die plötzlich den kleinen Buddhaglauben empfangen und ein langweiliges Buch zur Welt bringen. Oder schöngeistige Professoren die sich Schüler von Freud und Abraham nennen, mit der Psychoanalyse die leuchtende Venus oben an den Wolken analysieren. Den Mond mit dem Dichter zu befeinden suchen, indem sie ihn auf ein Geschehniß noch in den Weltenwindeln liegend, mit dem Dichter Nebel verirren und beirren. Die Psychoanalyse mit meiner Liebe zu der Flamme zu verbinden wird wohl so leicht nicht gelingen – Die Flamme wäre ich im Stande, auszublasen.

Aber ich möchte die kleine Begebenheit mit der heiligen Flamme aus meinem Leben persönlich erzählen. An einem Freitagabend am Schabbath –

Das Licht der Seele [7]

Wenn man durch einen Ast oder gar durch einen Blumenstengel einen Docht ziehen könnte, wäre der Mensch im stande, ihn nach Belieben anzuzünden und wieder auszublasen. Den dochtdurchzogenen Blumenstengel und den dochtdurchzogenen Ast wie eine Kerze niederbrennen zu lassen. Und erst wenn man durch einen Tierkörper gar durch einen Menschenleib den Docht zu führen vermöchte, ihn leuchten zu lassen bis er dahin schmilze heilig tropfenweise eine leuchtende, beseligende Idee. Sollte etwa schon nach des Schöpfers Plan durch jeden Stamm ja durch jedes Blatt die Schnur der Leuchte gezogen sein durch alles Geschöpf durch alle seine Geschöpfe? Die brennende Ader die anzündbare die anzündbare Schnur die heilige. Gott will dass wir im Lichte wandeln. Das Licht der Paradieswelt zu hüten legte Er Seinem ersten Menschenpaar sorglich ans Herz. Und verbot ihnen die dunkle Frucht. Die ewige Schnur die die Mutter und Kind verbindet schon vor der Geburt und unsichtbar noch nach der Geburt, ja – noch nach dem Tode, ist der Docht, den die jede Mutter unbewusst durch den zarten Leib ihres noch im Weltenraum ihres Körpers wachsenden Kindes reiht. Es zugleicher Zeit an sich befestigt und eins mit ihm wird. Denkt man tief darüber nach, ist die ganze Menschheit im Grund oder von Grund auf – ein Mensch. Die Schnur die jede Mutter an die ihre knüpft, ist der Docht der Seele an der die Gottseele eines ihrer unzähligen Lichte anzündet. Eine werdende Flamme, die in der Leibesschaale des beschenkten Menschen sich entfalten soll. Wer hätte nicht einen Baum schon leuchten sehen unter dem Firmament einen von Sternen geschmückten Baum. Ein pflanzliches Symbol der Liebe. Und dem Menschen sollte nicht also geschehn? Und oft sagt man so: Ach wenn nur noch ein Lichtchen an mir brennen würde! Die Geschöpfe der Welt schon stehen angelehnt an kalten Wänden lichtlosen Kellern der Welt. Manche noch bevor die Blüte ihres Lichtes aufgegangen war. In ihnen ging nie Gottes Liebe auf eine Flamme Seiner Flamme. Ich hörte einmal Gott sei tot. Nicht doch – aber Seine Menschen sehnsüchtet es nicht mehr zu leuchten. Das Ebenbild Gottes ist am erblassen. Sie bliesen sich gegenseitig fahrlässig aus. Die Schnur von Mutter und Kind riss. Und die Bandschnur unzeitliche, das die Völker und ihre Menschen vereinte, von Gott Selbst geknotet, umwunden um einen Straus klar und farbig liebreich geordnet, vom Gottgärtner löste sich. Die Sehnsucht sich liebreich zu vereinigen, erfüllt sich kaum mehr man findet sich selbst, ich – dich, du mich nicht mehr im fahlen Lichtzerfall der Welt. Es drängt der Mensch den zweiten zu ergreifen, aber nicht zu schirmen oder gar zu umarmen. Eine Todesschwärmerei bemächtigt sich der Menschen der verzweifelt Verirrten die noch einen Funken ihrer Seele retten möchten. Ihre blütengetragene Seele das Licht in sich zu retten. Der finstere aber stolpert über Mensch und Tier und Blume und rücksichtslos und gewissenlos über die Liebe der Welt und entweiht und reisst an Mutter und Kind und erstickt im Keime schon aufglimmendes Licht. Stampfende Füsse und bedrohende Arme sind keine Leuchter die auf dem Altar das Licht des Lebens halten. Wo nicht Flamme sich heben möchte wo nicht Licht ist, ist Erkaltung des Sternes die Welt beginnt unter zu gehen. Alles ist Stern alles ist Welt. Ohne Geschöpf fehlte der anmutige und hehre Geschmack im Mannah der Schöpfung. Der Mensch also gedacht als Gottes feinstes Licht. Die Liebe heisst dieses feinste Schöpfergewürz und Zugabe mit dem Er die Welt süsste. Der Mensch ist tot das Paradies seines innersten Wesens verfinstert. Vor der Flamme des Lichtes habe ich mich immer gebeugt. Vor der Liebe! Ob sie leuchtete zwischen Mutter und Kind oder zwischen Geschwister oder zwischen Spielgefährten oder zwischen deinem und meinem Herzen. Die Kerze auf meinem Tisch bedeutet nimmermehr die Seele; Unangezündet gleicht sie einer Kerze die nicht brennt. Und tot ist da der Mensch und dunkel sein Gemüt, dessen Seele nicht nach dem Licht eifert unangezündet bleibt. Den grössten Schatz des Lebens verschmäht. Das Licht ist nimmermehr Gottselbst und man verwechsele nicht die strahlende Leuchte in Ihm und um Ihn mit dem Ewigen Selbst. Das was der Mensch und das Tier und die Pflanze ja der Stein angezündet mit brennender Seele empfindet ist Religion. Man nimmt ihr den Himmelsstaub den Hauch die Religion vielleicht in eine Formel zu hüllen. Ich verstehe heute den Indier, der beleidigt sich aus unserem Kreis verabschiedete weil ihn natürlich ohne ihn beleidigen zu wollen, einer meiner Freunde fragte, ob er zu Buddha oder zu Confuzius oder zu Mohamed bekenne? Religion schwebt eine zarte Lichtwolke in und über den Menschen, Man blicke in ihm und auf zu ihm und man weiss welcher Glaube seine Religion incarniert beherbergt. Wie der Leib die Seele ob sie angezündet oder nicht angezündet so umhüllt der Glauben jedes Menschen seine Religion und man soll an das Innere seines Tempels nicht rühren. Selbst an den Kindlichen noch lallenden Religion des Ursprünglichen Heiden noch im Universum verschmolzen drechseln. Man gefährdet ihn man bringt Voreiliges in sein Leben und diese fremde Wind löscht den Ursprung seiner Flamme. Der seelische Eingriff im Menschen bleibt Gottes Sache! Gott entdunkelte Sich bevor Er die Welt erschuf. Das lehrte einer der heiligsten Menschen. Gott erschuf also aus Finsterniss Licht an – sich Selbst. Es ist sicher keine Uebertretung wenn ich sage Er vollzog die Urchemie an Sich Selbst. Er ist der Quell des Lichtes und der Flamme. Er verwandelte Tod in Leben. Aus Ihm schöpfen alle Welten und ihre Geschöpfe das Leben um es wieder in Ihn zu giessen. Das Licht die Seele die auf Erden zur Blüte sich entfalten sollte und duftend zum Leben erwacht den Tod Trotzend. Ein anderer gottlicher Prophet sagte zu einem Fischer der ihn folgen sollte, der aber bat seinen Vater vorher zu begraben: Lass die Toten die Toten begraben, Philippus und folge mir. Tod ist alles undurchlichtete ... Er sollte dem Lichte folgen und nicht der Dunkelheit dem ewigen Leben und nicht dem Tod.

Niemand ist vereinter, nichts verbundener wie die Pflanzen untereinander. Der kleine Ableger der Lindenmutter oder die Palme im Morgenlande mit ihrem Kind. Schon vor dem Aufspriessen eines Baumes verknüpfen sich schon inniglich seine Fasern mit den Wurzelnbändern den starken seiner Mama unsichtbar für die anderen Baumbewohner der Erde. Der Mensch der ahnungslos über den unendlichen Vorgang schreitet oder das Tier das munter oder gejagt über diese Zärtliche Erdfleck springt weiss nichts vom lächelnden Geheimniss der Baummutter und ihrem Bäumlein. Ein Liebespaar zwei brennende Menschen setzen sich hellseherisch nieder ins Moos und Strauch und küssen sich. Denn der begnadete Baum leuchtet so mürrisch auch die graue Wolke die letzte Aprilwolke über ihn dahin zieht. Das Tier und die Pflanze und das Gestein noch nicht völlig abgetrennt vom Ganzen von der Schöpfung, folgen noch der unverirrbaren Erinnerung der Schöpfung und dem Plane. Was wir im Pflanzentum nicht begreifen können das Schweigen ist noch die grenzenlose Bewunderung das stille wortlose Amen vor der Erschaffung der Welt. Und die Ungezähmtheit und Unfügbarkeit ein Werden des Tieres im kreisenden brausenden Lassospiel der Stürme und Gewitter. In ihnen flammt aber doch wie im Menschen noch flehend der Funke des Paradieslichts. Was bedeuten alle Lichte und Lichter hienieden, ist ausgeblasen das Paradieslicht am Docht seiner Seele? Wie soll Gott der Seele edles Licht wieder entzünden da die sich ihm verschliesst. Nicht Gott ist tot aber das Paradies ihres innersten Wesens ist tot. Der Mensch verlernte vom Licht getragen zu schweben und er verhindert seine Engelwerdung. Die wuchtigen künstlichen Engel die lärmend durch die Wolken [xxxxxx] und mutig auch ihr Flug den Fliegenden noch so sehr auch begeistert so wird er die letzte Reise die beseeligende die Himmelfahrt nicht reisen können die zwei Liebende auf den [xx...xx] entrückt. Die Kerze brennt auf meinem Tisch ich weiss nicht zu sagen, hat sie mein Herz oder hat mein Herz sie angezündet zur Erinnerung an meine Mutter an meinen Vater, an mein Kind? .. Es spielt noch auf dem Wiesenhang unter meinem Abendherzen. Die Kerze brennt für aller Menschen Heil mit meinem Feuerblute angezündet. Vom Lichte sprachen alle Heiligen Der Welt. Sie erlebten alle das Licht der Schöpfung das Erstlicht. Wenn ich schon als sündhafter Mensch das Licht einmal erlebte von Gott mir credenzt in seiner weissweissesten Blume wie mag das Licht erst gewesen sein, das den Heiligen begegnete und erstarkte. Dieses Geschmeide des Geschöpfes des Menschen liegt im Kehrricht seiner Fahrlässigkeit. Sie können mit dem Kopf durch die Wand indem sie aus dem Lichte zurück in die Dunkelheit versinken immerwieder beginnt sich die Welt zu lichten und ihre Seelen zu glimmen und es will nimmer wieder Paradies werden. Paradies ist der tugendhafte holde lichte Zustand der Schöpfung Gottes. Es giebt ein altes Volkslied: Freut Euch des Lebens wenn noch ein Lämpchen glüht. Wissen wir ob nicht das Tier und die Pflanze der Stein Gott erkennen? Indem man Licht in Sein Inneres Dasein bringt beleuchtet man die Enden und die Anfänge der Welt. »Ich bin der ich sein Werde.« Sagt Gott von Sich. Voraussichselbst durchblickt der ewige entdunkelte Erzheilige die Zukunft seines Geschehens. Darum giebt es weder Zeit aber auch nicht Raum im Zustand des Paradieslichtes. Finsterniss erschuf erst aus Verzweiflung diese menschlichen Berechnungen sich im Caro des Weltbildes leichter zurechtfindend. Ebenso Sünde und Un[...]

Die Seele und ihr Licht. [8]

Wenn man durch einen Ast oder durch einen Blumenstengel einen Docht ziehen könnte, wäre der Mensch im Stande, ihn nach Belieben anzuzünden und wieder auszublasen. Und erst wenn man einen Docht durch einen Tierkörper, gar durch einen Menschenkörper wie durch eine Kerze leiten könnte, ihn leuchten zu lassen – methodisch, bis er dahinschmölze, tropfenweise, leise in Wohlgefallen. Allerdings eine besessene Idee. Aber sollte etwa schon nach des Schöpfers Plan weise und nicht auf Kosten des Leibes durch jeden Stamm, durch jedes Blatt ein unsichtbarer Docht der Leuchte gereiht sein? Die ewige Ader der erleuchtender Liebe, die Mutter und Kind verbindet? Volk und Volk, Land und Land, die frischen Meere, die Erde mit dem Himmel. Gott will, dass Seine Schöpfung im Lichte kreist! Er verbot die dunkle Frucht. Immer wieder strebt der göttliche Wunsch dem Licht entgegen. Gott schenkte seinem ersten Menschenpaar eine durchlichtete liebende Welt: Das Paradies.

Das ewige Feuer der Liebe, das Mutter und Kind schon vor der Geburt des Kindes verbindet, ja noch nach dem Erdenleben, ist der Docht des liebenden Lichtes, den jede Mutter – unbewusst durch den zarten Leib ihres noch im tiefsten Körperraum wachsenden Kindes befestigt – und eins mit ihm wird. Liebe geknüpft an Liebe ergiebt: Licht.

Liebende – wissen! Liebende sind erleuchtet und nimmermehr blind. Die Liebe ist nicht blind wie es sprichtwörtlich heisst. Der Erleuchtete beleuchtet sein und des anderen Dasein und klärt die Finsterniss der Welt. Das Licht der Liebe soll sich entfalten, zur Flamme werden, die Seele des Menschen in seiner Hülle anzünden. Unangezündete Seele ist dem starren Aste gleich, der nicht blüht, totes zwischen blütenjubelnden Zweigen. Die ganze Natur drängt sich allsommerlich durch einen Smaragd zu schauen, ihre Seele duften zu lassen, sich duftend zu verklären. Und nichts geht dem Naturinnern so – contre coeur, als die von Menschenhand planmässigen angelegten Parkanlagen frisierter Wiesen und wohlerzogener Bäume zwischen hochmütigen kühlen Göttinnen und scherzenden Marmoramoretten. Es sind die steifen grün tapezierten Empfangssäle und avanzierte Stiefschwestern der holden Gärten und ihren Brüdern noch urwüchsiger, unberührter Erstnatur.

Wild rauscht ihr Verlangen nach Erleuchtung und wird ihr Opfer, legt flammend der dröhnende Donner um die Rinde seine glühende Zackenhand. Nur wenige Menschen erinnern sich noch an das Paradies, an unsere durchlichtete Welt, durch jeden Tautropfen grünte die Erleuchtung. Nun verweilen wir im dunkelgewordenem Paradies die meisten der Menschen in den Kellern ihrer Herzen. Und vielen vielen unter ihnen, geht nie ein Funke auf, auch nur die blasseste Liebe zu Gott und ihren Nebenmenschen. Und nicht beschämt sie die Morgenröte, die ihren Glanz verschwenderisch über die Erde breitet. Diesen Menschen entspringt von Geschlecht zu Geschlecht, der »arme« Mensch der Unwelt, der beiträgt das immer wieder neues Aufglimmen des paradiesischen Zustands, zu verhindern, er verübt Lichtknospenraub an der eben wieder auferweckten Schöpfung. Er betreibt Selbstmord am – Zweiten. Denn erselbst ist tot. Ich hörte einmal Gott sei tot. Aber nun weiss ich, der Mensch in seiner Umnachtung erkennt Ihn nicht.

Ich träumte und sah viele Menschen auf einem Erdfleck, auch treue Tiere und andächtige Bäume und einen kleinen durchsichtigen Kiesel der herabrollte vom Fels, und sich mit Mensch und Tier und Baum vereinte und mit ihnen nach Gott ausschaute. Aber der unsichtbare Schnur, der leuchtende Docht der Uns mit dem Herrn der Welt verbindet, lockerte sich, die unzeitliche Bandschnur, die die Völker und ihre Menschen vereinte, von Gott geknotet. Der Sehnsucht innige Verschmelzung erfüllt sich nur noch trübe im fahlen Lichtverfall. Und stark und stand hielt nur der durchleuchtende Lichtparagraph, das Gesetz der Seele, ihm zu gehorchen heisst: Ewiges Leben.

In unserer Finsterniss gelüstet es den Menschen den Nebenmenschen zu ergreifen, nicht etwa zu schirmen oder zu umarmen. Totschlag und Todesschwärmerei werden Leib und Seele. Kaum Jemand der den Funken seines Lebens noch vor Verdunkelung retten möchte. Er stolpert über Mensch Tier und Blume, rücksichtslos und verständnisslos über das Herz der Welt. Ueber Mutter und Kindesliebe, über den Frieden der Völker und ihrer Lande; erstickt im Keim schon und entweiht spriessendes Licht. Drohende Arme sind keine Leuchter auf dem Altar das liebende Licht des Lebens zu halten. Wo sich das nicht erhebt, erkaltet der Erdfleck. Vergebens suche ich nach einem einzigem erhaltenen Paradiesbeet. Ach ja die Welt geht unter, kein [...]

Die Seele und ihr Licht. [9]

Wenn man durch einen Ast oder durch einen Blumenstengel einen Docht ziehen könnte, wäre der Mensch im Stande, ihn nach Belieben anzuzünden und wieder auszublasen. Und erst wenn man einen Docht durch einen Tierkörper, gar durch einen Menschenkörper wie durch eine Kerze führen könnte, ihn leuchten zu lassen – methodisch, bis er dahinschmölze, tropfenweise in Wohlgefallen. Allerdings eine besessene Idee! Sollte etwa schon nach des Schöpfers Plan, durch jeden Stamm, durch jedes Blatt ein unsichtbarer Docht der Leuchte gereiht sein? Die ewige Ader der Liebe? Der Docht der Liebe, der Mutter und Kind verbindet? Volk und Volk, Land und Land, die frischen Meere und die Erde mit dem Himmel. Gott will, dass Seine Schöpfung im Lichte kreist! Er verbot die dunkle Frucht. Immer wieder strebt der göttliche Wunsch dem Licht entgegen. Gott schenkte Seinem ersten Menschenpaar eine durchlichtete, liebende Welt: Das Paradies!

Das ewige Feuer der Liebe, das Mutter und Kind schon vor der Geburt des Kindes verbindet, ja, noch nach dem Erdenleben, ist der Docht des liebenden Lichtes, den jede Mutter – unbewusst durch den zarten Leib ihres noch im tiefsten Körperraum wachsenden Kindes befestigt und eins mit ihm wird. Liebe geknüpft an Liebe, ergiebt Licht. Liebende – wissen!! Liebende sind erleuchtet im höheren Sinne und nimmermehr – blind. Die Liebe ist nicht blind wie es sprichwörtlich heisst. Und das Licht der Liebe soll zur Flamme werden, sich entfalten und die Seele des Menschen in seiner Hülle anzünden. Unangezündete Seele ist dem Zweige gleich, der nicht blüht. Und wer hätte nicht einen Baum schon blütenleuchten sehen, von Sonnenstrahlen geschmückt. Die ganze Natur drängt sich allsommerlich durch einen Smaragd zu schauen. Flammend legt der dröhnende Blitz an die Rinde seine glühende Zackenhand. Giebt es einen gewaltigeren Ausdruck der Liebe? Nur die Menschen die der Erleuchtung fliehen, erinnern sich noch spöttelnd oder gar nicht mehr an das Paradies, an unsere durchlichtete Welt. An die Welt, als sie im Zeichen erleuchteter Liebe stand.

Sie verweilen in den Kellergewölben des Erdpalastes. Vielen unter ihnen ging nie ein Funke, auch nur die blasseste Liebe zu Gott und Nebenmenschen auf. Und nicht einmal beschämt sie die Morgenröte, die ihren Glanz verschwenderisch über die Erde breitet. Aus diesen Menschen entspringt der arme Mensch der Welt. Er betreibt Selbstmord am Zweiten. Denn wo noch Liebe ist, die ihn erleuchten könnte, bläst er sie fahrlässig aus. Ich hörte einmal – Gott sei tot. Nicht doch, der Mensch erkennt Ihn nur nicht in seiner Verfinsterung.

Die fromme unsichtbare Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, lockert sich, die unzeitliche Bandschnur, die die Völker und ihre Menschen vereinte, von Gott geknotet; der starke Strauss klar und liebreich geordnet, zerfällt. Der Sehnsucht innige Verschmelzung erfüllt sich nur noch trübe im fahlen Lichtverfall. Und stark und Stand hält nur der ewige Lichtparagraph, der das Dunkel durchleuchtet. In unserer Finsterniss gelüstet es den Menschen den Nebenmenschen zu ergreifen, nicht etwa zu schirmen oder gar zu umarmen. Todschlag und Todesschwärmerei werden Leib und Seele. Kaum jemand, der den Funken seines Lebens noch vor Verdunkelung retten möchte. Es stolpert der Mensch über Mensch, Tier und Blume, rücksichtslos und verständnisslos über das Herz der Welt. Über Mutter und Kindesliebe, über den Frieden der Völker und ihrer Lande; ja und erstickt im Keim schon und entweiht aufglimmendes Licht. Stampfende Füsse und drohende Arme sind keine Leuchter auf dem Altar, das ewige Licht des Lebens zu halten. Wo sich nicht Flamme heben möchte, erkaltet der Erdfleck; vergebens suche ich nach einem einzigen, erhaltenen Paradiesbeet. Ich verbreite keinen Spuk, da ich behaupte, die Welt geht unter! Auch wir sind Welt, wir Menschen hienieden, erschaffen mit der Welt, das Licht zu schützen. Einmal waren wir das Licht selbst und ohne den Menschen fehlte der holde, aber auch hehre Geschmack im leuchtendem Mannah der Schöpfung. Licht heisst das Schöpferische Gewürz mit dem Gott die Welt süsste. Aus Paradies bestand das innerste Wesen des ersten Menschenpaars, dessen Kinder und Kindeskinder, wir, in allen Ländern uns sammelten.

Wir blicken all zu Einem Himmel auf .........

Missgönnen uns das Land??

Vor der Flamme des Lichts habe ich mich immer gebeugt, vor der Liebe! Ob sie leuchtete zwischen Mutter und Kind oder zwischen Geschwistern, zwischen Spielgefährten oder zwischen deinem und meinem Leben. Tot ist die Seele und ihr Mensch, bleibt sie unangezündet. Sie gleicht der Kerze auf meinem Tisch, bevor ich sie andächtig entflamme.

Undurchleuchtet ist der Mensch tot. Das Licht bewegt ihn und er schädigt sich, den kostbaren leuchtenden Schatz zu vernachlässigen. Nimmermehr bedeutet das Licht Gott Selbst, und man verwechsele nicht die strahlende Glorie in Ihm und um Ihn mit dem Ewigenselbst. Sein leuchtender Odem aber ist nicht in eine Formel zu fassen, aber nach Ihm dürstet edelster Durst. »Gott entdunkelte sich, bevor Er die Welt erschuf.« So erzählt ein heiliges alttestamentarisches Buch. Also vollzog Er Urchemie an Sich, indem Er Finsterniss in Licht verwandelte. Er im Eigenem Urquell des Lichtes, durchflammte die Welt und alle Seine Geschöpfe, vergass nicht das Weizenkorn zwischen dem Staube, aber auch nicht im rauhen Körper des Fels geborgen, den Rubin; im süssen Geschmeid’ den Hyazinth und den Amethisten, von dessen Leuchtkraft und Heilkraft schon die Erzmenschen zu rühmen wussten. Das Licht der Seele ist auserlesen, sich ganz in Liebe zu entfalten. Ich sagte einmal in einem Gedicht: Wenn wir uns küssen, – sterben wir nicht. Ich verstehe heute erst selbst des Verses unendlichen Sinn. Verständniss will auch ausgegraben sein; und das Licht der Seele will immer wieder erweckt werden.

Nach dem Erdenleben sind nicht die Menschen tot, aber unzählige schon im Leben. Es sind diejenigen, die sich vom Licht abwandten und mit der Finsterniss verdunkelten. Liebende Menschen schreiten den lebendigen belichteten Weg ewiglich. »Lass die Toten die Toten begraben, Philippus, und folge mir.«

Nie war ein Mensch mit anderen Menschen vereinter und verbundener wie es die Pflanzen untereinander sind. Die Lindenmutter mit ihrem kleinen Ableger oder die Palme des Morgenlandes mit ihrem Kinde. Schon vor dem Aufschiessen eines Baumes, verknüpfen sich inniglich seine Fasern mit den Wurzelbändern den starken sichtbaren und unsichtbaren der säuselnden Baummama. Es schreitet der Mensch ahnungslos über den unendlichen Vorgang. Munter springt das spielende Tier, leider oft gejagt über den zärtlichen Erdfleck. Weiss es vom lächelnden Geheimniss des Baums und seinem Bäumlein? Zwei Liebende, zwei Brennende setzen sich ins Gesträuch unter den schattigen Aesten und – küssen sich. Zieht auch mürrisch die letzte Aprilwolke über den begnadeten, leuchtenden Baum dahin. Sie folgt dem unverirrbarem Wegweiser der Schöpfung Hand wie es auch die Winde noch zu tun pflegen, selbst der tanzlustige Wirbelwind, der draufgängerische Vetter des soliden sich in Fugen haltenden Sturmes. Doch auch das schöne Tier hängt am Gängelband auf dem Plan der Erschaffung. Und lebt wie alle Elemente noch lose hangend, träumend wie das Blatt am Baume, aber auch wie der Baum selbst träumend am Halbdunkel des Universums. Darum trägt das Tier keine Verantwortung für seine Taten. Und aus selbigen höherem Grunde, die Pflanze, der Stein und die wetternde Wolke nicht. Berge speien Feuer in der Hefe der Gärung, überschütten spielend Städte und ihre Einwohner. Unselbstständige Schöpfung und selbstständige Schöpfung sind die beiden Urgegenpole der Welt. Und doch weiss ich von einer altklugen kleinen Fichte: Das heilige Schweigen im Wald und in den Bergen bedeute die grenzenlose Bewunderung, das stille wortlose Amen vor Gott dem Herrn.

Aus der Ungezähmtheit im kreisenden brausenden Lassospiel der Stürme und Gewitter, flammt flehend der Funke hoch des Paradieslichtes.

Ich wollte ein Schmerzen rege sich

Und stürze mich grausam nieder –

Und riss mich je an mich!

So mag sich alles wieder fügen. Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Nicht Er ist tot, aber das Paradies deines innersten Wesens verfinsterte sich. Ein altes Volkslied singt: »Freut euch des Lebens, so lang noch ein Lämpchen glüht.« Jedem Geschöpf dem winzigsten Wesen zittert noch der paradiesische Funke der Erleuchtung nach.

Hör’ Gott wenn du nur etwas lieb mich hast,

Send mir aus deinen lichten Reichen,

Das Licht der Liebe mir zu Gast.

Bei meiner weissen Kerze glaubt ich fast

Die Grenze der Erleuchtung zu erreichen.

Es wachsen alle Sterne hoch am Wolkenast

Und wurden strahlende Geschwister, Gott, in deinem Zeichen.

Nur unsere Erde ist erblasst,

Und welkt dahin, verlorenes Paradies, am Wolkenalabast.

Die Seele und ihr Licht. [10]

Dem lieben großen Rabbuni Dr. Kurt Wilhelm in Jerusalem.

Wenn man durch einen Ast oder durch einen Blumenstengel einen Docht leiten könnte, wäre der Mensch im Stande, ihn nach Belieben anzuzünden und wieder auszublasen. Und erst wenn man einen Docht durch einen Tierkörper, gar durch einen Menschenleib, wie durch eine Kerze zu ziehen vermöchte, ihn leuchten lassen könnte – methodisch – bis er dahin schmölze – heilig, tropfenweise, eine beseeligende Idee. Sollte etwa schon nach des Schöpfers Plan, durch jeden Stamm, ja durch jedes Blatt, die Schnur der Leuchte gereiht sein? Die ewige brennende Ader, der leuchtbare Docht, die Schnur, die Mutter und Kind verbindet? Volk und Volk, Land und Land, die frischen Meere und die Erde mit dem Himmel! Gott will, dass seine Schöpfung im Lichte kreist! Er verbot die dunkle Frucht .... Immer wieder strebt der göttliche Wunsch dem Licht entgegen. Gott schenkte Seinem ersten Menschenpaar eine durchlichtete Welt: Das Paradies.

Das ewige Feuer, von der Schnur umhüllt, das Mutter und Kind schon vor der Geburt des Kindes mit der Mutter verbindet, noch – nach dem Geborensein, noch – nach dem Tod, ist der Docht, den jede Mutter – unbewusst durch den zarten Leib und der Seele ihres noch im tiefsten Körperraum wachsenden Kindes befestigt und Eins mit ihm wird. Die Schnur ihres Kindes, die jede Mutter an die ihre knüpft, birgt den geheiligsten Docht der Seele, an den Gott eine seiner unzähligen Lichte anzündet. Die werdende Flamme, die in der Leibesschale jedes beschenkten Menschen sich entfalten soll. Wer hätte nicht schon einen Baum leuchten sehen unter dem Firmament? Einen von Sternenstrahlen geschmückten Baum? Denn es begehrt die Natur zu leuchten; selbst im Sterben legt der Blitz dröhnend an ihres Baumes Stamm seine Zackenhand. Das gewaltigste Symbol pflanzlicher Liebe. Nur die Menschen der Welt drängen sich in dunklen Kellergewölben der Welt, fast kein Mensch erinnert sich noch an das – Paradies. Manch Einem ist nie ein Funke, auch nur die kleinste Blüte des Lichtes aufgegangen. Es beschämt ihn nicht einmal das Aufleuchten des Morgenrots. In verfinsterten Menschen ging nie Gottes Liebe auf und sie sind die Armen der Welt. Ich hörte einmal: Gott sei tot. Nicht doch, die Menschen erkennen Ihn in ihrer Paradiesarmut Erinnerung nicht mehr, begehen am Heiligen Original, an Gott – Selbstmord. Das heißt: je dunkler die Menschheit einen Schatten breitet zwischen sich und Ihn, desto schwärzer fällt er auf die Menschheit zurück. Und wo noch Liebe ist, bläst der Mensch sie fahrlässig aus. – Die fromme Schnur von Mutter und Kind lockert sich, die unzeitliche Bandschnur, die die Völker und ihre Menschen vereint, von Gott geknotet; der starke Strauss klar und liebreich geordnet, lockerte sich. Die Sehnsucht sich innig zu verschmelzen, erfüllt sich nur noch trübe im fahlen Lichtverfall. Und doch nur hält stand der ewige Lichtparagraph, der das Dunkel durchleuchtet. In dieser Finsternis drängt es den Menschen den Nebenmenschen zu ergreifen, nicht etwa zu schirmen oder gar zu umarmen. Totschlag und Todesschwärmerei werden Leib und Seele. Kaum jemand, der den Funken seines Lebens noch vor Verdunkelung retten möchte. Es stolpert der Mensch über Mensch, Tier und Blume; rücksichtslos und gewissenlos über das Herz der Welt, über Mutter und Kind, über Völker und Länder, über Erdteile. Erstickt im Keim schon und entweiht aufglimmendes Licht. Stampfende Füsse und drohende Arme sind keine Leuchter auf dem Altar, die das Licht des Lebens halten. Wo sich nicht Flamme heben möchte, erkaltet der Fleck Erde. Vergebens suche ich nach einem einzigen erhaltenen Paradiesbeet – und ich verbreite keinen Spuk, da ich behaupte, die Welt geht unter. Wir Geschöpfe sind auch Welt, erschaffen mit der Welt, das Licht zu erhalten. Wir waren einmal das Licht selbst und ohne den Menschen fehlte der holde, aber auch hehre Geschmack im leuchtenden Mannâh der Schöpfung. Licht heisst das Schöpfergewürz, mit dem Gott die Welt süsste. Aus Paradies bestand das innerste Wesen des ersten Menschenpaares, dessen Kinder und Kindeskinder – wir in allen Landen uns sammelten.

Wir blicken all zu »einem« Himmel auf! ......

Missgönnen uns das Land??

Vor der Flamme des Lichts habe ich mich immer gebeugt, vor der Liebe! Ob sie leuchtete zwischen Mutter und Kind oder zwischen Geschwistern, zwischen Spielgefährten oder zwischen deinem und meinem Herzen. Tod ist die Seele und ihr Mensch, bleibt sie unangezündet. Sie gleicht der Kerze auf meinem Tisch, bevor ich sie andächtig entflamme. Tot ist der Mensch undurchleuchtet, der den kostbaren leuchtenden Schatz des Lebens vernachlässigt. Nimmermehr bedeutet das Licht Gott Selbst, und man verwechsle nicht die strahlende Glorie in Ihm und um Ihn mit dem Ewigenselbst. Sein leuchtender Odem ist nicht in eine Formel zu fassen; aber nach ihm dürstet die uredelste Sehnsucht. Denn Gott entdunkelte sich bevor er die Welt erschuf, so erzählt die Kabalâh. Also vollzog Er Urchemie an Sich, indem er Finsternis in Licht verwandelte in Liebe. Er, der Urquell des Lichtes, das zur Flamme werden sollte, in Seinem Menschen und in all Seinen Geschöpfen, aber auch im Herzen des Baumes und der Blume. Ebenso im Edelgestein des Smaragden und Grysolits, im süssen Geschmeide des Hyazinths und Ametisten, von denen schon die Erzmenschen ihr Leuchten rühmten und ihren Seelenglanz im rauhen Körper des Fels geborgen. Das Licht der Seele ist auserlesen sich auf Erden ganz in Liebe zu entfalten. Ich sagte einmal in einem Gedicht: Wenn wir uns küssen – sterben wir nicht .... Ich verstehe heute selbst erst den unendlichen Sinn. Denn auch er will ausgegraben werden. Und das Licht der Seele will immer wieder erweckt werden, ihr Haus zu durchstrahlen. Nach dem Tode sind nicht erst die meisten der Menschen tot; sie sind es schon im Leben. Es sind diejenigen, die sich vom Lichte abwandten und mit der Finsternis verdunkelten. »Lass die Toten die Toten begraben Phillipus und folge mir.«

Nie war ein Mensch mit dem anderen Menschen vereinter und verbundener, wie die Pflanzen untereinander es sind. Die Lindenmutter mit ihrem kleinen Ableger oder die Palme des Morgenlands mit ihrem Kinde. Schon vor dem Aufschiessen eines Baumes, verknüpfen sich inniglich seine Fasern mit den Wurzelbändern den starken seiner säuselnden Baummama. Es schreitet der Mensch ahnungslos über den unendlichen Vorgang. Munter springt das Tier, leider oft gehetzt, über den zärtlichen Erdfleck – weiss es vom lächelnden Geheimnis des Baums und seinem Bäumlein? – Zwei Liebende, zwei Brennende, setzen sich ins Gesträuch unter den schattigen Aesten und – küssen sich. Der Begnadete Baum, erleuchtet – zieht auch mürrisch die letzte Septemberwolke über sein Laubhaupt dahin. Sie folgt dem unbeirrbaren Wegweiser der Schöpfung wie auch die Winde und auch der tanzlustige Wirbelwind, ein Vetter des Windes, nur draufgängerischer wie der. Doch auch das schöne Tier steht noch verzeichnet auf dem Plan der Erschaffung; und lebt, nicht ganz abgelöst, im Weltenraum noch hangend, an der Dochtschnur des Universums. Darum trägt es keine Verantwortung an den Geschehnissen auf Erden, wie die Pflanze und der Stein ebenfalls nicht. Aber eines möchte ich verraten, das heilge Schweigen im Pflanzenreiche und seinen Bergen bedeutet: grenzenlose Bewunderung, stilles, wortloses Amen vor Gott dem Vater. Die Ungezähmtheit im kreisenden Brausen Lassospiel der Stürme und Gewitter flammt flehend der Funke hoch des Paradieslichts.

Ich wollte ein Schmerzen rege sich,

und stürze mich grausam nieder,

und riss mich jäh an mich!

Wie soll Gott das Licht der Welt wieder entzünden im Schacht und Niederungen der Ueberhebung Seiner Menschen? Nicht Er ist tot, aber das Paradies deines innersten Wesens verfinsterte sich. Ein altes Volkslied beginnt: »Freut euch des Lebens wenn noch ein Lämpchen glüht« ..... In jedem Menschen, ja in jedem Geschöpf, Baum und Blatt und Blume, in jedem Ding zittert der Funke nach Erleuchtung, nach Paradies und Liebe. Wehe dem, der den Funken höhnend zertritt.

Höre Gott, wenn du nur etwas lieb mich hast,

Send mir aus deinen lichten Reichen,

Das Licht der Liebe mir zu Gast.

Bei meiner weissen Kerze glaubt ich fast,

Die Grenze deines Lichtes zu erreichen.

Es wachsen alle Sterne hoch am blauen Liebesast

Und wurden strahlende Geschwister hoch in deinem Zeichen.

Nur unsere Erde ist verblasst,

und welkt dahin, verlorenes Paradies, am Wolkenalabast.

[Aber uns, die wir uns über Nacht verwandelten ...] [11]

Aber uns, die wir uns über Nacht verwandelten in Engel, wuchsen Flügel. Wir schwebten über Pfade, die uns bis dahin – mühsame Wege bedeuteten. Unsere strahlenden Seelen hoben sich bis an die Pforte der Himmel ..... Darum verwundet auch der Tod der Liebe, das Erkalten der Liebe, ihn oder die Fallengelassene, den bis dahin geliebten jäh verschmähten Menschen! Welch schwere, oft tötliche Operation! ..... Ich liebe dich .... I love you .....

Die Liebe füllt das Herz mit himmlischen Duft mit ewigem Odem. Wenn wir uns herzen sterben wir nicht –

Ich liebe dich – aus diesen drei Worten aus diesen drei Wunderbeeren – brauten blaue Hände die Liebe.

[Haß, Stillstand, Trübung ...] [12]

Haß, Stillstand, Trübung überzieht wie nie heute das erhabene Gottesgemälde die Erde. Aus totem Stein beten die Völker einen Götzen an. H. H!! Das

[Vor vier Jahren inscenierte das Schauspiel ...] [13]

Vor vier Jahren inscenierte das Schauspiel Arthur Aronymus Intendant Leopold Jessner. Es sollte seine Premiere erleben im Staatstheater in Berlin. Sie stand schon in den Zeitungen angezeigt. Wurde auf staatlichen Befehl abgesetzt. Jessner äusserte, »mein Kater der Peter und der Arthur Aronymus liebe ich am meisten neben meiner Tochter auf der Welt.« Es gelang den Intendanten niemand zu trösten, dass das Schauspiel der Else L. Sch. nicht zur Aufführung kam. Jessner hatte vor etwa neun Jahren im Staatstheater das erste Schauspiel: Die Wupper glänzend aufgeführt.

Direktor Karl Heinz Martin schrieb nach der Lektüre Arthur Aronymus und seine Väter: Liebste hochverehrte Dichterin ihre himmlische Dichtung lasse ich mir nicht nehmen.

Intendant Gustav Hartung erbat sich sofort nach der Lekture des Schauspiels die Uraufführung in Darmstadt vom Verlag S. Fischer. Berlin

Dir. Prof. Reinhardt telegraphierte aus Rom folgendes: Danke Ihnen von Herzen für ihre beglückende Dichtung werde bei neuer Direktion für ihr schönes Werk eintreten. Ihr Max Reinhardt

Max Reinhardt führte in den Kriegsjahren ebenfalls (zuerst) die Wupper der Dichterin im deutschen Theater auf Regie Max Reinhardt und Regisseur Herald.

In Rotterdam Victor van Vriesland schrieb als er gelesen das Schauspiel Art. Ar. und s. Väter eine begeisterte Kritik. Ebenfalls der bedeutende Kritiker Ihering.

Dass die Dichterin E. L. Sch. 1932 den Kleistpreis für das Schauspiel bekam, kündete das Schauspielhaus schon in den Voranzeigen an.

Zweimal zeichnete der Duce die Dichterin in der letzten Zeit aus und liess ihr sagen, wie herrlich ihre Dichtungen seien. Mussolini sandte E. L. Sch. ein Geschenk. Die Dichterin aber verschwieg diese Auszeichnung sich noch in dieser Zeit ihrer Emigration sich hervorzutun.

[Hochverehrtestes Publikum. / Ich soll was schreiben ...] [14]

Hochverehrtestes Publikum.

Ich soll was schreiben – wahrscheinlich damit Sie so lange der Vorhang geschlossen bleibt, sich schon vorher etwas von meinem Schauspiel Arthur [Davidstern] Aronymus u. s. V. zu beschäftigen im Stande sind. Mein kleiner 10jähr Papa ist der kleine A. A. noch in seinem weiten Elternhause in dem großen Gutsgarten, in dem himmelhohe Kastanien und Eichelbäume und Tannen und Pappeln standen, aber auch auf den Wiesen das Ginster – reiche Obstbäume und Zwetschkenbäume auf denen besonders mein kleiner Papa mit Geschick vor dem Schulgang zu klettern pflegte. Ich dichtete mein Schauspiel in sechs Wochen, eine viel größere (räumlich gemeint) Welt wie meine Wupper mein erstes Schauspiel, die auf ein sichereres Bett wartet. Die Wupper dichtete ich in einer Nacht mir halfen unermüdlich die Geister der Färber die einst ihre Wolle auswuschen im Wasser des Flusses und die Leute der Knopffabriken und Suttachdreher. Ich wär im Leben, ja schon technisch nicht fertig geworden in einer Nacht – mit meinen zwei Händen und dem einen Halter und dem Fläschchen Tinte. Bei diesem Schauspiel aber half mir nur der Geist meines Urgroßvaters [Davidstern] der Oberpriester war von Rheinland und Westfalen. Wieso ich das weiß? Er erschien mir, als ich mit der Dichtung schon fertig war, ja er verwandelte meinen Körper in ein mir unfaßbares Gebild. Blies und blies meine Seele aus und ihr und meinem Geist blieb nur noch eine winzig kleine Zelle, aus der ich das Notwendigste zu denken vermochte. So saß ich von mir angestaunt eine Zeitlang die [xxx xxxx] nur durch das selbst Beschauen festzustellen ist. Und hinter meinen Armen erblickte ich zu meinem immer tieferen Erstaunen die Arme und Hände – Ich habe diese himmlische Bescheerung erlebt, anders weiß ich keinen Namen zu geben für das Glück eines solchen tiefen jenseitigen [Davidstern] Erlebnisses.

Darum glaube ich an die Bestimmniß dieser Dichtung.

E LSch.

[Hochzuverehrende Feuilletonredaktion, / Ich wäre Ihnen ...] [15]

Zürich, Donnerstag 28. Januar 1937

Hochzuverehrende Feuilletonredaktion,

Ich wäre Ihnen so sehr verbunden, und Sie würden mir grosse Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn Sie die ernsten inliegenden Zeilen, eine Erwiderung auf die irrtümlichen Angriffe in der Presse gegen mein Schauspiel: »Arthur Aronymus und seine Väter« bringen wollten?

Täglich soll ich mehrmals die gleiche Frage beantworten, wann mein Schauspiel: »Arthur Aronymus und seine Väter« wieder aufgeführt wird? Ob mein Schauspiel vom Spielplan des Zürcher Schauspielhauses abgesetzt? Der Publikumerfolg sei doch ein mächtiger gewesen. Ich bin dann immer in grosser Verlegenheit und – räuspere mich. Das ist ja auch eine Antwort.

Die lobende, zugleich dichterische Kritik eines bekannten Schweizerdichter vermochte dennoch nicht, die mir bitter kredenzten Besprechungen der Zürcherpresse zu versüssen. Es erboten sich ritterliche Künstler, die der Weihe meiner Dichtung beiwohnten, für mein frommes Schauspiel zu streiten. Doch es genügt mir, die kurze Erklärung meiner eigenen Hand. Und ich bitte die Feuilletonredaktion meine Zeilen zu veröffentlichen.

In der Kriegszeit erlebte ich schon einmal eine Aufführung eines meiner Theaterstücke, meines ersten Dramas: Die Wupper. Im Deutschen Theater in Berlin; insceniert vom liebverehrten Professor Max Reinhardt. Etliche Jahre später im Staats-Theater dasselbe Schauspiel, in Scene gesetzt vom Intendanten Leopold Jessner. Vor etwa 4 ½ Jahren übernahm der begabte Direktor auch die Regie meiner ebenvollendeten Dichtung – um Arthur Aronymus und seine Väter – in die Emigration zu schicken auf höhere Weisung. Bei der Wupper-Premiere brachten mir Besprechungen ein die sich wohl hören liessen, aber auch die mässigen Kritiken enthielten sich des persönlichen Angriffs.

Borniert dünkt es mich, vom Kritiker zu erwarten, dass gerade meine Dichtungen in ihm Interesse erwecken oder in ihm zu erwecken vemögen. Und wie mich, die ich keineswegs abgeklärt, ein Lob noch erfreut, so weiss ich auch taktvoll ein mir würdigen Tadel hinzunehmen ohne zu murren. Begreife aber nicht, wie ein Kritiker mein Schauspiel weissgedeckt, ein aufrührerisches Tafeltuch zu unterlegen vermag.

Fern liegt es mir, mich etwas zu rühmen, mich nie politisch betätigt zu haben, weiss ich auch gewiss, hätte ich statt eine Dichterin, eine Politikerin das Licht der Welt erblickt, nie wäre es mir eingefallen, mich im Gastlande politisch zu betätigen; weder in der Tat noch in Worten noch durch die Blume der Dichtung. Die Kritik hat mich überschätzt. Ich bin nur eine Dichterin, vielmehr – es wird in mir gedichtet, es dichtet in mir. Im Dichter wird gedichtet!! er kann sich selbst nichts vornehmen zu dichten, sich nicht einmal den Stoff seiner Dichtung aussuchen wie man sich die Seide zum Kleide wählt. Im Dichter wächst der Stoff; der fertige Vers ob rauh wie eine Nuss oder süss ein Paradiesapfel fällt ihm in den Schoss genau wie die Birne reif vom Zweige seines Baums in den Rasen fällt. Ja plötzlich streift ein wetternder Vers, ein feuriger oder ein sanftschmeichelnder des Dichtersleben. Genau wie es dem Baum oder dem Strauch ergeht, erlebt der Dichter Blütezeit und Herbst geplündert von den launigen Stürmen der Welt. Die Verantwortung dem Dichter gegenüber sollte sich erstrecken bis in die Himmel, da er das Gefäss seines Duftes ist. Warum griff man mein weisses Schauspiel an und mich in meinem Schauspiel? Die Folgen bekam ich allüberall zu spüren. Das Theater selbst blieb mein Freund.

Ich liebe Zürich ich bin verliebt in seine Klettergassen, im Edelweiss seiner Höhen, in seine rauschenden Wasser, in die Möwen, in die wilde Lotusschar die mein kleines Fensterchen im Seehof am Limmatquai bestürmt. Dass ich gerade in dieser mir lieben gastlichen Stadt den ungeheuren seelischen – Unfall erlitt, ja ein Unfall von dem ich mich heute noch nicht erholen kann.

Ich habe mein Schauspiel: Arthur Aronymus und seine Väter im Jahre 32 mit einem üblichen Bleistift geschrieben auf meinem mir sympathischen noch unpolierten Tisch, der eines Tages vom Walde zu mir in die Stube spaziert kam. Ich habe mein Schauspiel mit einem einfachen Farberstift geschrieben und nicht mit einem: »Holzschlägel«. Im Jahre 1932 lebte noch friedliche Welt, auch die, in der ich mich befand. Auf ihrem Programm stand weder Krieg noch Revolution vermerkt, auch nicht Rassenhass und sein übliches Pogrom verzeichnet.

Ich schrieb mein Schauspiel mit einem Bleistift, nicht mit einem Menschenfresserknochen, doch – nimmermehr wie gestanden, mit einem »Holzschlägel«. Ich schrieb mein Schauspiel auch nicht mit einer lichten Schulterfeder – oder etwa doch? Ganz sicher nicht mit der Anmassung einen Friedensengel zu spielen. Immer ergab ich mich blind der starken Führung der Eingebung, – wie der Biedermeier meines Schauspiels sich ausdrücken würde an der Seite der Muse. Sie weiss genau in welchem Herzen sie grossen Platz hat.

Es gestaltete sich stets ohne mein Dazutun in mir meine Dichtung wie auch mein letztes Schauspiel; hier in Zürich am 19. Dezember im Schauspielhause aufgeführt. Ich lebte in meinem Schauspiel wie in einer kleinen Welt die dann golden aufstieg um schuldlos an der abnormen Lage der realen Welt zu zerbersten.

Es dichtet immer weiter im Dichter, und die Zeit in der es nicht in ihm dichtet erstarrt ihn. Wie ein Feld abgemäht und ohne Mohn gleicht mein Herz oder einem geplünderten Busch, leblos von Reif bedeckt verschallt die ewige Melodie der Dichtung in mir jäh. Der Dichter lebt nur wenn es dichtet in ihm.

Ich beichte, mir liegen die Achtzigerjahre der Biedermeierzeiten mit den weiten Reifenröcken und poetischen Gepflogenheiten ganz und gar nicht. Aber wie ich schon bemerkte, sucht sich der Dichter selbst nicht den Stoff des Inhalts aus zu seiner Dichtung. Im Dichter wird gedichtet und gelichtet; seine unumschränkte Hingebung und sein tiefes Vertrauen erhöhen den Wert seiner dichterischen Gabe. Ich schrieb das mir ans Herz gewachsene Schauspiel, von Herz zu Herz gewachsene Dichtung, von meines Vatersherzen in mein Herz geratene, beiseele nicht mit einem spitzfindigen Vorsatz, mit einer politischen Tendenz, mahnenden oder lehrreichen gar drohendem Zweck. Da irrte sich die Kritik gewaltig!

Ich habe eigentlich nie etwas mit meinen Dichtungen gewollt. Auch nicht mit meinem Schauspiel: Arthur Aronymus und seine Väter. Und doch ruht es nicht in mir bis ich den kleinsten Vers der sich formte in mir verewigte. Er bietet ebenso wie der längste Roman oder das dauerndste Theaterstück dem Dichter eine kleine Weile Heimat. Die Dichtung ist ja die betreuende Liebe selbst man kann nicht genug von ihr pflücken. Und doch hätte ich am liebsten nur für einen einzigen Menschen meine Bücher geschrieben, wie ich auch am liebsten ein alleiniger Zuschauer am Abend der Erstaufführung meines Schauspiels alleine im Zuschauerraum des schönen Zürcher-Schauspielhauses gesessen hätte und zugeschaut.

Darüber bin ich nun anderer Meinung geworden. Zwischen den vielen andächtig lauschenden Zuschauern applaudierte ich selbst den grossartigsten Schauspielern und Schauspielerinnen die ich spielen sah in meinem Schauspiele dankend und fragte mich selbst nach jedem Bilde der vielen was wohl noch kommen mag und wie der Schluss sein würde – ob sie sich kriegen oder nicht – denn bei der Else Lasker-Schüler weiss man das nie.

Mit Liebe spielten die Schauspieler und Schauspielerinnen meine Dichtung und erweckten sie zu neuem Leben. Zauberhaft malte der grosse Theatermaler mein Heimatfreund Teo Otto auf die Schauspielbühne das Dorf, umheckt von frischgeschnittenen Tierhecken meines kleinen elfjährigen Papa’s Arthur Aronymus Heimat. Ebenso wie Leopold Lindtberg rembrandtliche Scenenbilder erschuf, ein Album mit vierzehn Bildern die sprechen können. Vor allem aber ehrte mich des Direktors gentle Einsetzung mit seiner ganzen Person auch nach der Kritik zu der Güte meines Schauspiels.

Wochen sind nun, ohne Arthur Aronymus und seine Väter verstrichen – noch blickt der Himmel ergraut über die schöne Stadt Zürich und durch die Scheiben meines Fensters. Die mir längst vertraute Stadt aus Wasser und Kristall vervielfältigt mir heute mein trübes Bildnis, wie jüngst nach dem Tage der reichen Bescherung am Abend des 19. Dezember. Alle die Schokoladen und Marzipane lagen dann mit schwärzester Druckertinte bespritzt. Einsam wandelte ich durch das nachtverdunkelte Zürich und sagte zu Gott: »Nimm die Bürde der Dichtung von mir.«

[Ich erlaube mir der Neuen Zürcher Zeitung ...] [16]

Ich erlaube mir der Neuen Zürcher Zeitung folgende Erklärung abzugeben:

Ich dichtete mein Schauspiel: Arthur Aronymus und seine Väter im Jahre 1932 und erhielt im gleichen Jahre dafür den Kleistpreis. Meinen kleinen Roman: Arthur Aronymus ähnlichen Inhalts, schrieb ich Monate später. Er erschien im Verlag Ernst Rowohlt Berlin.

Ich beabsichtigte mit beiden Büchern, mit der Geschichte, die im Gutshause meines Großvaters spielt, noch mit meinem Schauspiel: Arthur Aronymus und seine Väter, keineswegs die Welt, die 32 dazu friedlich, zu wecken eines Besseren noch einzuschläfern. Der Dichter beabsichtigt beim Dichten seiner Dichtungen überhaupt nie etwas. Es wird in ihm gedichtet! Er muß eben dichten ....

Je andächtiger lauschend er seinem Engel und hingebender angehört, desto wertvoller und tiefer seine Dichtung. Die Menschen nennen diesen Zustand: Inspiration.

Der Dichter ist eben etwas Pflanzliches. Er gleicht dem Baum, der Früchte trägt, an dem es blüht im Lenz. Der denkt auch nicht darüber nach, wer sich im Sommer kühlt unter seiner schattigen grünen Laubsymphonie. Wer seine – Herzkirsche pflückt, .... gar – sich erhängt an seinem Stamm. – Ich habe auch nie etwas bezwecken wollen, Freude oder Leid, politisches noch unpolitisches, weder im Niederschreiben meines Schauspiels noch beim Dichten meiner neunzehn anderen Bücher und bin überrascht, da man mir plötzlich ein weltliches Motiv unterlegt. Ich habe mich auch nie politisch betätigt; im Gastlande nimmermehr. Aber es liegt mir fern, angesichts großer Politiker, mit der Thatsache – mich etwa zu rühmen, noch rein zu waschen. Mein Schauspiel der Biedermeierzeit enthält sich jeder Politik. Den Caplan meiner Theaterdichtung schnitzte, wie der Biedermeier meiner Dichtung sagen würde, – die Muse aus der reinen lieben Seele eines mir treubefreundeten Katholischen Geistlichen. Der Bischof Matthias weiland, der Freund meines frommen Urgroßvaters, Uriels von Westfalen, verehre ich wie meinen ehrwürdigen Urahn.

Noch im Jahre 1932 bewarben sich Intendant: Gustaf Hartung, Darmstadt und Intendant Prof. Leopold Jessner, Berlin beim Verlag S. Fischer in Berlin um die Uraufführung meiner Theaterdichtung: Arthur Aronymus und seine Väter. Um fertig insceniert, mit ihr in die Emigration zu ziehen. Dir. Jessner und Professor Max Reinhardt inscenierten ebenfalls in der Kriegs und nach der Kriegszeit mein erstes Schauspiel: Die Wupper.

Ich danke dem Zürcher Schauspielhaus, seinem herrlichen Ensemble, vor allem dem verantwortlichen gentlen Direktor, den keine der angreifenden Kritiken mein Schauspiel zu entwerten vermochten.

Hermann Reiff. [17]

Noch vor ein paar Tagen sah ich unseren lieben lieben Hermann Reiff mit seiner lieben Frau Lily Reiff an jungen grünen Büschen und Gräsern vorbei am blühenden Rand des Zürcher Sees spazieren gehen. Wo ich Hermann Reiff auch begegnete, ich musste ihn begrüssen immer in lieber stummer Hochachtung. Ich will ganz schlicht sagen, zumal er selbst nicht die Phrase liebte, Hermann Reiff war ein geradezu entzückender Mensch. Vor allem ein künstlerischer Mensch ohne Alter. Er konnte seines frischen Gemüts nach ebensogut erst zwanzig Jahre geworden gestern. Und doch von einem Ernst, der nur ganz grossen Menschen zu eigen, die nicht erst das Examen der langweiligen greisen Erfahrung absolvieren müssen. Beiseele nicht eine Spur an Hermann Reiff war Candidat. Schelm und Kaiser zugleich wo er sich auch befand, und welche Angelegenheit ihn auch beschäftigte. Sein heiterer Trost erfrischte, sein verständnissvolles gewissenhaftes Wort stärkte. Ich weinte wie ich die trauervolle Nachricht las. Ich glaubte es nicht – man hielt mich zurück zu der späten Abendstunde in die Mythenstrasse zu eilen. Ich glaubte es nicht. Als ich dann am Morgen kam, war unser lieber lieber Hermann Reiff schon bestattet, eingeäschert. Unser lieber Hermann Reiff! So sprachen wir stets von ihm.

Manchmal unterhielten wir uns beide von religiösen Dingen. Er konnte nicht glauben an das Weiterleben der Seele, aber er hörte aufmerksam meinen Erzählen, oft ein Bonbon naschend aus der ihm mitgebrachten Düte zu. Hauptsächlich meinen Mitbruch zu ehren. (Er ass gern Bonbons.) Ich dachte den gütig[...]

Mopp. [18]

Mopp ist der Maler Max Oppenheimer. Vor 8 Jahren kam er nach Berlin, einmal das Bildniß einer Schönen zu malen im Goldgelock ihres Rahmens. Ein Maler in Galauniform, das heißt sein dunkler Gehrock begann mit einem hohen schwarzen ceremoniellen Sammtkragen, und sein Mund küßte der Frau die Hand. »Küß die Hand gnä’ Frau.« Ihn begleitete mein teurer Freund der König von Böhmen der Dichter: Paul Leppin und oft conzentrierte die ganze Welt zu sich zusammen unser kleiner Marmortisch, daran wir saßen und aus einem Glase tranken stumm. Nun erschien vor kurzer Zeit Mopp in unser kleines trautes Caféhaus Selektbar, in unsere Wohnstube und gerade am Morgen betrachtete ich bei [xxxx] das Streichkonzert eines seiner Bilder mit den Saiten der Geige gemalt.

[Verlaß mich nicht ...] [19]

Verlaß mich nicht

Es sind ja nur noch die letzten Stunden

Und ich muß wieder hinaus in die Welt.

[... so lange die Welt besteht, ja – ewiglich ...] [20]

[...] so lange die Welt besteht, ja – ewiglich denn: »Israël steht über dem Gestirn«. Das las er mal in einem unserer Heiligen Bücher und ich hängte diesen strahlenden Psalm einen Gobelin an die Wand meiner Schläfe. »Israël steht über dem Gestirn

Was soll mir da ein Professor Sternoglyphe noch weissagen und voraussagen, es hängt alles Wissen Vor und Nachwissen von Gott ab: »Ich bin, Der ich sein werde«. So spricht der Herr. Und Vergangenes paart sich in Ihm Mit Vorerinnern denn alle Geschehnisse die gewesen und sich noch ereignen, liegen ja schon von Anbeginn auf dem blauen Tisch der Ewigkeit. So ist Gottes Tafel bestellt. Und wie wir nahen zur Seiner Tafel Schabbat, dürstend nach dem Wort müssen wir zu Erkenntniß kommen, daß wir nicht eine der Schüsseln und Krüge im Stande sind anders zu plazieren wie sie plaziert. Ich meine, die Geschicke im Stande sind zu wenden, zu drehen.

Eine Heimat, .... ich glaube, Heimat ist: Messias. Die Sehnsucht nach einer Heimat tausend und tausendjährige Sehnsucht, schon dem Märchen über die Krone gewachsen, in ihr reift die Heimat zum Himmel aus. Ich sagte in meinem Buch: Das Hebräerland: Jerusalem ist nicht ganz von dieser Welt. Und eben darum, wird es noch tausende Jahre dauern bis wir Juden in dieser zum Himmel erhobenen Heimat wohnen können, hinein passen? Ich beuge mein Gesicht denn ich denke an die Landleute in den Colonieen an die Bauern, an die Fürsten der Hebräer, die mit ihren Händen ihrem ganzen Leben, Palästinas blutgeronnene Erde abwaschen; den Stein erweichen. Mich, die ich von Ferne zusah und zusehe, es steht ihnen immer frei, mich zu verspotten. Ich trinke den Saft ihrer Orangen und im Spätsommer das Blut ihrer Beere beschämt. Sie erfüllen das Gesetz, das damals noch wuchs sich entfaltete, sich ausdrückte in jedem Baum und Busch und Strauch im paradiesischen Garten. Ja sie genießen nicht einmal Frucht von den Bäumen die sie gepflanzt um immer mehr vom Heiligen Lande Gott zu erwerben, Gott zu beschenken mit Seinem verlorenen Eigentum, Lieblingstum. Sie haften mit den Pflanzen mit ihren Wurzeln wie die Pflanze jeder von den Bauern und jede der Bäuerinnen in der Erde Erez Israels. Sie sind verwurzelt mit Erez Israël und indem sie die versteinerte Erde Erez Israel beackern zaubern sie Paradies hervor, erwecken mit der Geräte Kuß Eden. Ich sah wenige Bauern und Bäuerinnen in den eben verflossenen Demonstrationstagen in Jerusalem. Was scheert sie das Weißbuch, das Nein oder das Ja der diktatorischen Welt. Sie stehen unter dem Höheren Willen der Betreuung des Herrn, der unsichtbar mit ihnen säet und erntet. Dieser Glaube breite sich über das ganze jüdische Volk, er erzieht das Gemüt und macht stark.

Ernst Toller. [21]

Ernst Toller war vor allen Dingen ein lieber Mensch gewesen. Ich hatte ihn mir genau so vorgestellt damals – und war gar nicht überrascht, als ich ihn sah im schlichten Rock vor uns auf dem Podium. Wir eilten alle alle hin andächtig wie zu einem Gottesdienst in den grossen Saal in Berlin, mitten in Berlin, ihn zu begrüssen und zu hören endlich aus sechsjähriger Haft befreit. Immer schrieb er mir so liebreich aus dem Gefängniss; als ob ich gefangen und er in Freiheit.

Ich hatte ihn mir ganz genau so einfach gedacht wie ich ihn nun sah. Er glich etwas Senna Hoy, dem himmlischen Königssohn, dem Sascha in meinen Büchern. Aber auch beider Schicksale ähnelten sich; gestorben beide für die Menschheit! Zwei Engel! .... Und da diskutiert man, ob sie eitel gewesen der Ernest und der Sascha??? Neun Jahre siegte dahin mein von mir rein geliebter Indianerspielgefährte Sascha in einem der Tower der Zarenzeit bei Moskau. Auch nach seinem Opfertode warf man die Frage auf, ob er eitel oder nicht eitel gewesen? Beseeligt waren die zwei heiligen Kämpfer und dankerfüllt über ihres Flügels gradlininiegen Flug. Sie waren beide herrliche Engel! ...

Gewiss man muss ein blaues Herz besitzen, um es zu wissen; eine blaue Wolke am Rande des Herzens verspüren. Kein Geweihter schreitet unerkannt am Dichter oder an der Dichterin vorbei.

Senna Hoy schnitt sich die Adern auf im Zuchthaus, schwer an Tuberkulose erkrankt. Er verblutete langsam, ja feierlich, ein erlegtes Wild. »Es starb ein heiliger Feldherr ....«, sagte der Hofrat, der Direktor des Schreckenhauses zu mir.

Auch Ernst Toller brach sich selbst vom jungen Zweige ab .. Von Dämmerung träumte so oft sein Herz. Seine Augen glichen Haselnüssen, verwundert, die eben erst aus der Schaale guckten. Seine Haare strömten herben Strauchduft aus.

Er liebte Wälder und Gärten; oft reiste er in die Städte seiner Freunde um das Grün ihrer Heimat zu besuchen. So kam er auch in meine Heimat und sandte mir den Garten meines teuren Elternhauses in Miniature in einer weissen Pappschachtel. Drinnen lauter crystallene Kieselsteinchen der lieben Pfade. Zackige Kastanienblätter deckten sie zu und auf den Kastanienblättern lagen von unserm Kastanienbaum einige von den glänzenden Kastanien, aber auch noch nicht entschälte – »grüne Igel«, mit denen ich und meine Schulkameradinnen Gemüsemarkt zu spielen pflegten. Und auch einen winzigen Akazienzweig und eine Jasminblüte meines Lieblingsbuschs vergass der Ernest nicht beizulegen. Vor allen Dingen – eine schon ergraute Indianerfeder meines Indianerhuts, holte er doch hinter der Laube mit Mühen ans Tageslicht tief aus der Erde hervor; und erhob somit den Garten der Presentschachtel in den Indianerstand!

Ich war damals so entzückt .... ich konnte doch wieder in unserm Garten spazieren gehen, ja mich ab und zu in ihm herumtummeln!

Ich bin dem Ernst Toller furchtbar gut im Leben gewesen und nun im Tode, wie dem Gleichniss eines Menschenengels den man ewiglich liebt. Leben und Tod gehen ja Hand in Hand.

Manchmal schrieb mir seine feine Mutter, aber stets voll Sorge um Ernst, der schon als Knabe »so trotzig« gewesen. Aber zwischen Zeile und Zeile ihrer Briefe leuchtete der Stolz ihres schönen Herzens. Ihres Sohnes Gemüt ein geläutertes Gemüt, von Gott geliebt.

Ich wiederhole fast wörtlich den Schlussakkord seiner damaligen ersten Rede nach der Haft: Ernst betonte: »Wenn ein Mensch auch nur ein Zehntel fähig des Nebenmenschen Leid mitzufühlen, so gäbe es bald keine Ungerechtigkeit und keinen Hass mehr auf Erden.«

Ich weihe Ernst Toller dieses Gedicht und lege es – eine liebe Blume in seine gute Hand:

Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön .....

Es kam ein Engel mir – mein Totenkleid zu nähen –

Denn – ich muss andere Welten weiter tragen ..

Das ewige Leben – dem, der viel von Liebe weiss zu sagen.

Ein Mensch der Liebe kann nur auferstehen!

Hass schachtelt ein, wie hoch die Fackel auch mag schlagen!!

Ich will dir viel viel Liebe sagen,

Wenn auch schon kühle Winde wehen,

In Wirbeln sich um Bäume drehen,

Um Herzen, die in ihren Wiegen lagen.

Mir ist auf Erden weh geschehen –

Der Mond giebt Antwort dir auf deine Fragen.

Er sah verhängt mich auch an Tagen,

Die zaghaft ich beging auf Zehen.

Bald rosten alle Blätter der Alleeen ......

Und viele ihrer Früchte faulen auf den Seeen.

Etwas von Jerusalem. [22]

Ich wandele so für mich hin ...... über den Jaffaroad, über die King Georgestreet nach Rehavia. Komme an der schönen Jeschurunsynagoge vorbei überlege ob ich den kleinen Erdhügel besteigen soll auf dem der fromme Juwel gerade schimmernd leuchtet – – oder am Tempel ungekürzt den Weg das Ziel, das Haus der Keren und des Jevish Agency erreichen will? In meinem ersten Buch: Das Hebräerland, verglich ich das wundervolle Gebäude des Keren Hajessod und des Keren Kajemed und der Jevish Agency mit einem Rabbuni, dessen Arme liebevoll die Eintretenden empfängt. Nach dem Vorbild des Halbmonds gebaut, glaubt man von Ferne das herrliche Haus bewege sich ab und zunehmend, schäumend rotgelblich beleuchtet in der Abendstunde.

Im Innern des mächtigen Hauses berät immer gleich beschirmend ein lieber jüdischer Mann im Monde, so ein schlichter bebarteter Adon den Flüchtling. Es tut ihm wohl. Ich komme mitten aus der Stadt Jerusalem. Ich liebe es mitten in der Stadt zu wohnen in welcher Stadt auch und erstrecht in Jerusalem. Dass ich nur keine Begebenheit versäume, nicht einen einzigen Laut der kleinen Zeitungsausrufer und Verkäufer: »Har-Arez! Palestine Post! .. Davar!«. Ich habe die kleinen angehenden Kaufleute in mein Herz geschlossen. Ich bin stolz sitzen sie am Morgen auf den Stufen unserer Flurtreppe vertrauend auf mich wartend. Uns schmeckten doch einst Bonbons.

Ungesehen und bewundernd von mir überschreitet kein Esel, keine Kameelkarawane auch nur einige zählend den Jaffaroad. Und ich beantworte oft die Frage, warum ich nicht in Rehavia oder in einem anderen Vorort Jerusalems wohne mit einer Ausrede, die nicht ganz unwahr.

Man kann ja wirklich nicht den ganzen Tag grünes Dessert essen! Und schon in Europa überzeugte ich mich so oft in den Gärten der Villen, die Natur stylgemäss geschnitten eine Tapete für den Besitzer des Grundstücks des luftigsten Raumes der Villa. Keineswegs wie es sein müsse, der Eigentümer mit Baum und Strauch und Busch und Blume, ein Körper zusammengewachsen. Ich liebe den Nadelbaum, auch den Haselnussstrauch die Silberpappel den Brombeerbusch die Eberesche im Korallenschmuck bin ich auch nur eine – angeheiratete – Verwandte und nur wahlverwandt:

Und – pflanzte man in die Erde mich –

Eine Eberesche wäre ich,

Und freute mich schon königlich

Auf den Mai, auf den Mai!

Mit einem Bach mich zu vergleichen, schon eher annehmbar: Es spiegeln sich ja so viele Vorübergehende in meinem Angesicht. So viele Vögel wohnen mit mir im Nest zwar unterm Dach im Gewoge der Stadt, und könnten doch im Grünen wohnen in den Vorstädten in der Natur auf Bäumen in kleinen und grossen Gärten. So viel Grün ist immer da!

Doch hier in Asien wo weniger Immergrün, jagt der nach hier verpflanzte ehrlicher und begehrlicher nach einem laubigen Ort. Ja was man nicht immer hat! Hingegen die Bauern unter den Juden, die Fürsten Jeschuruns, besuchen mit Vorliebe das Innere der Heiligen Stadt, am Abend heimzukehren, gottwohlgefällige Kinder Israels zu ihren Aeckern und Hainen mit deren Wurzeln sie verknotet. Sie schlagen die rostige Erde auf schon vergilbte, ein Testament auferstandenes. Wir, die wir sie besuchen, – blättern nur darin ... Ich erröte.

Diese Gottgräber stossen auf Gott beim ersten Schaufelstoss jeder neuen Siedlung. Diese starke wortlose Andacht erfreut Adoneu. Ist Gott etwa ein eitler Gott, ein eitler Vater, der Seine Kinder in die Welt setzte Ihn nur mit Worten zu lobpreisen? Er war Selbst ein göttlicher Bauer, der die erste Zeder pflanzte und die Granate; Noah dem Winzer den ersten Weinstock im Keim verpachtete. VOR ALLEM SÄETE Gott DIE HECKE DER BARMHERZIGKEIT um die Ihm teure Stadt: Jerusalem.

Jahre und Jahre leben schon tausende Menschen hier aus anderen Erdteilen gekommen und geflüchtet hier in Palästina im tropischen Sonnenschein, im Wüstenwind, des Hamsins in der Wintermonaten Regenszeit. Ihre Kinder wachsen, werden stark am Mark und Bein und mit Genugtuung constatiert der Vater: stolz namentlich auf sich: Unsere kommende Generation!

Es traben wieder Kameele über den Damm, edle Könige. Mich zwingt es Ihnen Ehre anzutun, einige Augenblicke zu verweilen. Zwischen Hügel und Hügel der adeligen Wüstentiere sitzt im gestreiften Atlaskleide der Beduine. Vor ihm geborgen sein kleiner Sohn. Wenn er gross sein wird, reichen sich Sarahs Kinder und Hagars Nachkommen die Hande. Vielleicht aber schon morgen oder heute Abend unter den Himmeln. Denn viele Himmel schweben am Abend hernieder – auf Flügeln Engel im flaumisch taubenblauundlila gefiederten Kleid. Und gegenüber Gottostens ein zweiter Himmel: Eine weite Feuerschwinge breitet sich über die bräutliche Stadt des Herrn.

Tröste uns Jerusalem und einer deiner Menschen tröste den zweiten der ihn begegnet auf den Wegen. Oeffne deine Tore allen die Einlass begehren – – – oder soll vielleicht Gott Selbst die Tore öffnen?! Streichle das Tier, deinen Esel der den Stein unermüdlich zum Bau trägt. Ihre Schreie da sie überbürdet zu ersticken drohen, verwundet mein Herz. Dem geringsten Tiere sei milde, schmeckt dir doch sein Fleisch. Dem guten Manne des Orients bedeutet sein Kameel ein treuer Freund.

Die Kinder Abrahams reichen sich die Hand – vielleicht gegenwärtig, da ich es ersehne mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

Schon begegnet man viele Söhne Allahs, grosse malerische Gestalten und stolzschreitenden Araberfrauen hier im oberen Stadtteil auf dem Jaffaroad. Ihr niedliches Kindlein oder Körbe mit Obst gefüllt tragen sie wie in Vorzeiten, auf den Köpfen. Auch mit mancher verschleierten Haremsdame in schwarzer Robe und schlanken Stiefeletten betrachte ich die Schaufenster der Strassen. Die Einwohner Jerusalems schlafen viel und schon früh am Abend legen sie sich nieder; verschlafen kleine Streitigkeiten aber auch grimmige Feindschaft und erst künstlich erzeugte. Mit Vorliebe steige ich hinab in die Araberstadt, oft auch während der grimmigen Kämpfe. Aber in der Zeit betrachtete ich mit Freunden die Verwandten von Erzvater her und ihre berauschenden bunten Strassen und ihre noch malikalten Häuser.

Der nimmermüde wundervolle Rabbiner Doktor Kurt Wilhelm, hier in Jerusalem verdanke ich meinen ersten und einzigen Ausflug vor zwei Jahren in die Altstadt. An der Klagemauer zündete ich bei meiner ersten Anwesenheit vor etwa fünf Jahren eine Kerze an im Glauben an die Barmherzigkeit allhier der Menschen. Der Doktor meint ich habe hier Missionen zu vollbringen? Auch sandte mich nun zum dritten Mal ein höherer Wille im »Gesicht« vernommen, nach Jerusalem der Himmelnahen Stadt. Ich könnte Liebes tun in Jerusalem betont Rav Wilhelm dessen Predigten und Lehren frei und rein von Schlacken und Aberglauben aber ehrlich wie er selbst sind. Ihm verdanke ich den Anblick der heute noch demantschimmernden Davidstadt. Es ringeln sich weiter und weiter klaftertief im innersten der Altstadt, Haus in Haus Häuser werden Geschwister in der Erdtiefe. Wir betreten Lurjas Geburtshaus Jeschuruns heiligsten frommglühendsten Rabbuni. Ich setzte mich in die kleine Nische ganz ganz ergriffen, – – an seine Wiege – darin das Kind Lurja seinen ersten Schlaf geschlafen, seinen ersten Morgen erwachte. Viele guten Juden weihten ihrem Heiligen Rabbuni Leuchter, die hängen von der Decke viele rosenumkranzt über den andächtigen Raum. Als der von seiner grossen Gemeinde innigst verehrter Begleiter und ich wieder das obere Jerusalem erreichten, brach ich zusammen. Nicht nur die Folge der tropischen Hitze. Erschütternde Freude bemächtigte sich meiner zerriss fast unbändig mein Herz. Die Stadt des allergrössten Dichters aller Zeiten von der ich kaum im Traume ahnte, habe ich gesehen und den ersten Schrei Israels heiligsten Rabbunis vernommen in seinem Geburtshause im Gassengeringel am – Ende der Erde. Damals vor Jahren schien der Himmel so leuchtend auf die obere Stadt, man sah fast bis ins Innere des Gottesreiches. Für jeden weit geöffnet. »Und kommst du noch zur letzten Stunde ......« Ueberall schaute ich Gott und Seine Engel. Sie vernahmen gerade die Bitten aus den barmherzigen Herzen. Je kleiner und einfältiger der rotpochende Raum, je weiter weitete sich das Herz des Ewigen.

Im Gartenhof des schönen Bezalelmuseums durfte ich die schönste Synagogenandacht erleben seit Kind. Im Freien! Wir des Rabbiners Wilhelm Andächtige seiner Gemeinde, Die Gemeinde im Museumsraum, den der liebereiche Rabbiner Doktor Wilhelm an Schabbatten in eine Synagoge verwandelte, wurden einfach ins Freie gesetzt. Aus finanziellen Gründen – als aus keinem göttlichen Grund. Und Gott wird richten! Wie Er über alles richtet und richten wird im Leben oder nach dem Leben der Menschen, die gottabweichend und nicht schritthandelnd mit der Weltordnung lebten. Das sagte mir die hohe Zeder im Gartenhof während der wunderbarsten Gottesdienste ins Ohr. Eine blühende grüne Tora.

[10. Okt. 39 / Mein kleines geliebtes Päulchen ...] [23]

10. Okt. 39

Mein kleines geliebtes Päulchen.

Du hast mir im Traum gesagt, und ich hab in Deinem Wunsch so große Sehnsucht empfunden – mein geliebtes kleines Päulchen, – ich soll Dir doch einen Brief schreiben. Wo Du auch gerade bist, mein Päulchen, ich sehe Dich immer, Dich und meine Mama, Euch beide inniglich zusammen. Mein Kindlein, ich bin nun fast sechs Monate wieder hier in Jerusalem, bin hier; kam nun zum dritten Mal zurück in die Lieblingsstadt Gottes. – Einmal hast Du mir gesagt im Wachen: »Das ist so: Ich heiße der Engel Paul«. Alles habe ich genau gehört und verstanden, mein Kind. Denke auch immer, mein geliebtes Päulchen, ich bin bei Dir und bei meiner Mama. Ihr seid sicher große Freunde, mein Päulchen. Das kann ich mir denken. Geliebtes Päulchen, Du und Mama seid mir das Teuerste auf der Welt. Dann Papa, meine Geschwister und meine Freunde und Freundinnen im Himmel. Geliebtes Paulchen, ich küsse Deinen geliebten Mund, Deine Augen, Deine Händlein beide und Dein Herzlein.

Deine Mutter.

[Gewarott we’Rabbotei! / Von Kind an wünschte ich mir ...] [24]

Gewarott we’Rabbotei!

Von Kind an wünschte ich mir, dem »Lieben Gott« einen Tempel zu bauen! Wie ich zu meiner mir teuren Mutter oft sagte: einen himmelblauen .....

Ich beabsichtige mit diesem Ihnen anvertrauten Wunsch, nicht etwa zu behaupten, ich bin ein besonders frommes Kind gewesen, aber sicherlich ein dichterisches. Da nun einst Gott den königlichen Psalmendichter David erwählte, die »Glorie« wieder nach Jerusalem zu tragen, nehme ich an, Der Heilige Gott schätzt den Dichter und blickt auch ein wenig bevorzugend auf mich herab und Er es ist Der mich erfüllte gotteigen mit dem Gedanken schon in meinen Kinderjahren Ihm einen Tempel aufzurichten, Ihm Gott dem Melech aller Welten.

Mich dünkt, heute stehe ich vor dem Bauplatz, der von mir ersehnten Tempelsynagoge. Das heisst, die erste Sekunde der grossen gebenedeiten Minute tickt. »In Gottes Ohr« – – – – höre ich einige Gäste im Raume flüstern, wie man hier so oft ungläubig zu bemerken pflegt. Doch nur der »gläubige Wille« macht stark und vollbringt Gelingen!

Das zur Synagoge umgeräumte Museum ist im Grunde keine Synagoge. Verhängte Bilder, im Kittel gekleidete Kunst wirkt nüchtern. Aber es geht wohl nicht anders zu arrangieren, denn ein Museum ist keine Synagoge; auch würden die Gedanken der betenden Gemeinde vom frommen Thema Gottes abgeschweift werden. Oft wünschte ich auf Flügeln des cantoralen Gesanges eine Orgel oder ein Harmonium herbei, dessen Töne das Wort emporheben zu den Himmeln. Aber auch dem sangeskundigen Herrn Weissfisch das Vorbeten erleichtere; die Andächtigen vor Ermüdung bewahrt. Orgelspiel sei in der Synagoge nicht erlaubt. Wer sagte das je? Zu Moses Zeiten gab es weder eine Orgel noch ein Harmonium, aber König David spielte zum Lobgesang, Psalter und Harfe und sicher trug gerade er Schellen an den Schuhen, so dass jeder seiner Schritte tönte.

Meines Erachtens ist Gott die Orthodoxie total fremd. Ich weiss noch nicht mal wie das Wort geschrieben wird. Orthodoxie gleicht der alten Tasse aus den achtziger Jahren. Aus ihr trinkt der Urenkel; hat sie auch keinen Henkel mehr und ist der Pietätvolle auch genötigt das mit Urgrosspapas goldverblichnen Namen versehene, schon gesprungene Porzellan zwischen beiden Händen zu nehmen, es an die Lippen zu setzen. Er verwechselt Gott mit Urgrosspapa. Gott aber ist nicht in Zeit gehüllt und Raum. In jedem Kinde wächst Er voll Vertrauen von Neuem auf, in der Hoffnung einen edlen Gefährten zu beseelen.

Am Versöhnungstag dem liebreichsten Tage Jeschuruns, bedauerte ich fast paradox, mit unserm prachtvollen Rabbiner Dr. Kurt Wilhelm, nicht irgend böse zu sein. Merkwürdig nicht? Ich hätte mich nämlich so gerne mit ihm versöhnt. Er war der, dessen »Seele« fastete. Darauf kommt es vor allem an. Wir, die wir hier alle heute versammelt, verehrte Rabottei und verehrte Gewarott, wir können uns nur für die ruhigen frommen Stunden in seiner Obhut getreu erzeigen und dankerfüllt, indem wir helfen seine Sorgen zu tragen, die Sorgen um das Bestehen dieses Betraums, den ich mir zwar erlaubte anzutasten, aber der eine Vorstufe ist zu dem »himmelblauen« Tempel den ich schon als Kind Gott zu erbauen mich sehnte, Einen kindlichen Urplan, den ich nun lege in die weißeren Hände unseres Rabbunis. Ich sprach vom Fasten der Seele – meine Seele fastete immer, jedes Dichters Seele fastet und ich gerade bitte Sie, verehrte Gewarott und Rabottei, mit der Bitte mit unserem herrlichen, herzlichen, Kurt Wilhelm zu überlegen wie sich weiter diese aus einem Museum geschälte Synagoge weiter im Stande zu bestehen? Dem nüchternen Menschen gelüstet es nach dem Mamon, nicht nach Gott. Doch wir sind nicht nüchtern – Wenn erst diese Arbeit überwunden, dann wollen wir gemeinsam vom himmelblauen Tempel miteinander reden, der schon im Herzen unseres feinen Rabbiners lebt und nach Gott ausblickt.

Das Marionettentheater des Direktor Loevys. [25]

Kleine Schulmädchen legen mit Vorliebe zwischen Blatt und Blatt ihrer Schulhefte Papierpuppen. Kleiden sie in bunte glanzpapierene silberne und goldene Kleider, abwechselnd betrachtend während der trockenen Lektionen. Eine ganze Truppe unter Dach der Fibel. Die Schuljungen aber gehn aufs ganze! Sie wünschen sich aus Holz gezimmerte kleine Theater, Kasperletheater mit üblichen Schauspielern dazu: Den Kaspar, den Teufel, den Ritter und seine auserwählte Prinzessin und den Drachen; das Krokodil darf auch nicht fehlen. Mit dem Kasperletheater begannen sicher die Bretter, die die Welt bedeuten.

Auf den Jahrmärkten, die verschwunden leider von der Erdfläche, begegnete ich den kindlichen Bühnen. In Amsterdam versäumte ich ihretwegen tatsächlich die Stadt. Mutter und Kind guckten mit erwartenden Augen dem Spiele zu und – der Liebe Gott sass oft zwischen den jauchzenden Kindern, Kind geworden, im blauen Mantelkragen und freute Sich mit der Schaar.

Alle Freude ist tot, überall liegt sie begraben; die Kleinen warten auf ihre Auferstehung. Der noch heranwachsende Mensch wird gut durch Freude, nicht durch zu zeitig erleidenes Leid. Freude erhellt das Herz, Schmerz zerreisst und verdunkelt den Herzschlag.

Baut Kasperletheater auf kleinsten Plätzen für arme und reiche Kinder, für die heranwachsende Menschenschaar, damit sie nicht verhärtet, ihr leicht werde des Heiligen Landes Steinpfade.

Ueberraschend erschien in Jerusalem eine lebendige Marionette, ein blondhaariger, blauäugiger Marionettenlord, der mit dem Spiel seiner von ihm selbst erschaffenen Puppenmenschen nicht allein die kleinen, auch die grossen Kinder beglückt. Ein Universaltheatergenie, der alle Theaterkünste und ihre Schattierungen gleich bedeutend beherrscht. Ihm bitte nicht nur geziert zu versichern:

»Insceniert wars gut, oder Ihr Flügel hat einen guten Ton.«

Auf niedlichem Pianoforte miniatür,

Vor angefärbter Mahagoni gelblicher Kulissentür,

Spielt es sich gut auch ohne Klaviatür.

Begleitet vom Cellist und Geigensaite

Papierener Instrumente der Marionettenleute.

Und doch ergriff mich nie im Leben »so« – ein »wirkliches« Klavier, wie gestern auf der Marionettenbühne:

Cigarello zwischen Lipp und Lippesrand,

Spielte zaubermild am Flügelnippes

Chik im Frack ein Marionettenfant.

– – – – – – – – – – – – Den Schubert .........

Dass wir allesamt im überfüllten Saale,

Vom Spiel des grossen Marionettenpianisten übermannt!!

Die Bescheidenheit, mit der der Marionettenlord die Ovationen des stürmisch applaudierenden Publikums hinnimmt, bezeugt den wahren Künstler, der stets den Ruhm, seiner Muse, hier anzunehmen, einer himmlischen Marionette zu Füssen legt.

Von Papa [26]

Bevor ich, geehrte Gäste, Sie hoffentlich ein wenig erheitere mit dem 2. Teil meines Abends, mit der Vorlesung meines kleines Buches: Arthur Aronymus, der Geschichte meines lieben Vaters, möchte ich Sie bekannt machen mit ihm so gut wie möglich! Das 2. meiner 3 Schauspiele, das ich schrieb, handelt ebenfalls vom Leben meines Papas und erlebte in Berlin und Zürich seine Aufführungen:

Mein Papa erbte – in jungen Jahren, der nichts vom Bankfach verstand, die Schülerbank in Elberfeld. Er war kaum im Stande 2 und 3 zusammen zu zählen zur Heiterkeit der Direktoren der Stadtbanken. Denn sie liebten ihn alle die Direktoren. Feierten ihn geradezu und seine Ausgelassenheit. Im Grunde machte ihm nur Freude zu bauen – Türme, dessen oberstes Stockwerk stets wieder abgerissen werden mußte, nicht irgend einem Nachbarhaus im Gewittersturm auf dem Kopf zu fallen!! »Verflucht und zugenäht!!« Desto höher wuchs die Fahne oben in – allen Farben.

Und doch gaben es 2 Farben die ihm contre coeur!! – Kam ich im Kleid in einer der ihm verhaßten –, Papa am Sonntagvormittag im Weinrestaurant abholen, empfing mich geradezu eine Sturmflut von Drohungen. Bis Jemand den Geschmack der kindlichen Robe bewunderte und ihre Stickerei. Er hatte sich dann überhaupt ja gar nicht tadelnd geäußert. Und heute mal gar nicht! Er trug ein Gedicht in der Westentasche (von mir gedichtet) bei sich. Entfaltete es geschmeichelt und begann es den Mitzechenden vorzutragen! Vorher betonte er, er habe den I. Chokoladenpreis erhalten von der Carnevalsnummer der Kölnischen Zeitung.

Gedicht –

»Wie konnte ich je ahnen, mein kleinstes Kind, dieser ungeratene 8jähriger Sohn, ein zweiter Schiller«? Ihm sogar zum Verwechseln ähnlich!!

Und ich darf einige Cremeschnittchen und einen Mohrenkopf essen.

Papa war überhaupt ein Verschwender, und ich hab erst hier gelernt zusammen zu halten. »Gerad die schlechten Eigenschaften hat der Junge von mir gelernt«! Äußerte Papa sich oft, mich gerührt beschauend. Er mochte mich nicht als »Tochter« anerkennen.

Mein lieber Papa – auf einmal stand in der Zeitung: Unser lieber Herr Schüler, unser von allen Einwohnern Elberfelds geliebter Tyll Eulenspiegel ist um ½ 9 Uhr gestern Abend gestorben. Die Redaktion

[... er die geritzte Verletzung entdeckte, selbst wenn ...] [27]

[...] er die geritzte Verletzung entdeckte, selbst wenn er den Birnbaum nicht wiederfinden würde am Morgen. Er aß nämlich gerne Birnen, mein Papa und er dachte – im Fall, ihn hungere in der Finsterniß der Nacht. Wir Kinder aber liefen dann aus dem Zimmer um laut zu lachen. Meine Freundin und ich aber gelüstete es meinen Papa auszuprobieren, und besorgten uns eine lange feine Nähnadel und ritzten unser blaues Klavier und paßten auf der Bank hinter ihren blauen Flügeln auf. Wir dachten nämlich an das blaue Klavier schon wie an einen Engel in der Stube preisend Stuben auf Erden. Mein Papa kam alsbald mit seinem feingedrehten Schnurrbart und Henriquatre singend zu unserm blauen Klavier und beschnuppelte es mit den Augen und Händen und entdeckte schließlich den Schaden mit einem Wehgeschrei das uns beide Max und Moritz geradezu erschütterte. Er weinte wie ein Kind mit offnen Augen und aß zu Mittag nichts, und nichts am Abend und den anderen Morgen aber goß er den Thee in die Zuckerdose u. wir ängstigten uns [...]

Der Spitz: Apothekerin. [28]

Ein herrenloser grosser und wohlbeleibter weiblicher Spitz trotz der grossen Abenteuer und Hungersnöten, kehrte plötzlich zu seiner Familie heim, die ihn als Baby aufgefischt, und machte sichs dort wieder bequem. Er erinnerte sich als man ihn früher das Geschwisterpaar ihn noch seiner ehrbaren Gelassenheit Apotheker Schulz nannten wenn sie ihn aufforderten zum Spaziergang oder zum Mittagsbrot. Und er gab sich alle erdenkliche Mühe seine ehemalige Würde wieder zu erlangen. Sein artiges Warten seine Gehorsamkeit und treue Anhänglichkeit, namentlich an Mademoiselle der Schwester seines Herrn, rührte aber auch jeden der Freunde des Geschwisterpaars, namentlich mich, schon weil sein Pelz so aussergewöhnlich gescheckt in gelben und schneeweissen Caros und Viereck und er mich nicht ohrenzerreissend anzubellen pflegte, und erschreckte, wie das bei Hunden meist der Fall, kommt der oder die zu Besuch. Gerade dass dieser Hund mal ausgerissen das Weite gesucht, grundlos wie mir Mademoiselle versicherte, »wir sind ja gut zu ihm, ich und mein Bruder eigentlich unser nächster Verwandter«, begriff ich mit beiden nicht. Nicht dass ich auf den Hund gekommen war, aber ich forschte doch ohne Erfolg nach der Ursache, die eines abends bewog die seriöse Apothekerin aus seiner Familie heimlich sogar mit allem Raffinement zu fliehen, durchzubrennen mit dem ersten Dampfer weg in die egyptische Hauptstadt. In einem der Cafe und Tanzhäuser entdeckte ihn Fatme und stellte ihre Tanzfüsse behutsam nach getanenen Bauchtanz auf seinen Rücken wie auf einer weichen gepolsterten Fussbank. Sie war menschlich zu ihm er lernte sogar Mocca trinken aus ihrer zierlichen bemalten Tasse und verzehrte nur den Kuchen aus Fatmes Hand. Sie schmückte ihn mit einem Halsband mit Schellen und er lernte den Kopf behaarten drehen rechts und links und systematisch schellen lernte unsere Sphinx. Und darum wussten Mademoiselle und monsieur Frere, wo Spitz sich umgetrieben und kam wieder her! Und blieb doch eine Dame überings mit und auch nicht mit dem Schellendings.

Eines abends erinnerte sich an die Mademoiselle und ihres Bruders und ihr Jammern und Heulen steigerte sich fast zur Unerträglichkeit und erregte den Zorn der Fatme vor allem der Gäste und man jagte den weiblichen Spitz aus dem Cafehaus mitten in der Stadt wie man kaum einen lästigen Hund noch je vor die Türe setzte. Aber die Spitzin shokierte dieser Vorfall nicht so wie der Leser es annehmen dürfte, er dachte bei sich ein Spitz von zuhaus aus sehr klug namentlich in der Weltanschauung betrifft, endlich ein Schritt weiter! Liess das Jammern und Heulen, aber ein Kater kam mit nilgrünen Augen, und fauchte Apothekerin Schulz unhöflich an beinahe giftig und noch zwei wilde Hunde kamen und jagten sie bis an das Ufer eines Nebenflusses des Stroms der wie ein Smaragd schillerte wie die Augäpfel gespalten von der langen Pupille des Katzentiers. Zu dritt die beiden gastlichen Hunde und unsere Spitzin begaben sich zu soupieren an dem Hinterfenster eines kleinen Gasthofs. Hinter dem Glas im Kellerraum kochte der Koch heute bunte Gemüse mit viel Zwiebeln und in der Pfanne buckte er Finger. So nannten die Hunde die kleinen Geflügelwürste die ihnen besonders mundeten. Vor den Zwiebeln fürchteten sie immer in den Resten, die der Küchenboy in die Eimer schüttete vor der hohen Gebäudewand. Aber sie hatten alle drei geradezu Heisshunger und verspeisten den Abfall noch unverschimmelt oder von Maden durchsetzt mit Gier. Nachher? was nachher sich begab nach der Mahlzeit, beschämte die ehrbare Apothekerin Schulz, fragte Mademoiselle sie noch vor mir danach .... Sie verkroch sich unter dem Cauch mäuschenstill verdrehte die gelbbraunen Augen fast hörbar und es tat uns leid sie mit Fragen in Verlegenheit gesetzt zu haben. Und um es an ihr gut zu machen spazierten wir später mit ihr ins Cafe Vienna dort spielen heute wieder egyptische Flötenspieler Tanzmusik und kaum im Cafehause angelangt, begann unsere liebe Apothekerin Schulz alle ihre Sprödigkeit vergessend zu tanzen immer rund um sich ihren Zopf, ich meine ihren Schwanz im verklärten lächelnden Maule, zu tanzen und zwar mit einer Fertigkeit und Eleganz, eine Vorstellung für sich! Der Wirt [– – –] der Ballerina Schlagsahne er weiss von seiner Mademoiselle Schlagsahne das Lieblingsdessert ihres genialen Hundes.

Deine Seele [29]

die Gott dir mitgab auf die Welt, achte auf sie auf deinen »inneren« Menschen – sorge, daß er nicht getrübt heimkehrt zu Gott. Erbarmen lichtet deine Seele zum Demant des Himmels. Erbarmen mit Mensch u. Tier und mit der Pflanze und – mit Gott ... Er der Allmächtige allmächtig auch zu leiden. Im Paradies, an dessen Bäumen auch die Eigenschaften wuchsen, bittere u. süße, entfaltete sich mit den Früchten die Ursprache. Das Rascheln der Laute liebend eingefangen vom Wort. Es spielte alles miteinander, und Gott noch jung mit seiner Schöpfung. Mensch, Tier Blume und der sie alle überragende Baum hießen einfach: Geschöpf, Abbas Geschöpf. Spricht man doch heute noch vom Stammbaum des Menschen und – vergleicht dich mit einer Blume: »Du bist wie eine Blume, so hold und schön und rein –« Und der Propheten vieler, Herzen mit der Sanftmut des Lammes.

Es verdunkelt täglich schmerzlich mein Gemüt, ja droht abzufallen von Gott, zweifelt an Sein Dasein. Er helfen würde, wenn Er da? erlebe ich täglich, stündlich die Grausamkeiten auf den Strassen an Tieren unserer – Heiligen Stadt .... Die versklavten Opfer sind die geduldsamsten unter den Geschöpfen. Es sind die armen fleissigen Esel, die zu ihren Gängen zu diesem oder jenem Bauplatz, die Steine tragen müssen und noch dafür Hiebe bekommen. Nicht etwa des nachlassenden Trapps wegen. Rein zum Zeitvertreib ihrer Führer kleinen aber auch grossen. Und wissen müssten was Züchtigung heisst. Scheints ist das Tier aus weniger verwundbaren Fleisch wie sie, – eben kein Mensch – oder sie denken überhaupt über die Schmach ihrer Handlungsweise nicht nach. Der arabische Priester wie der Priester des Hebräervolkes versuchen vergebens die Treiber an die Barmherzigkeit auch zum Tiere zu erinnern, aber stärker bemächtigt sich den kleinsten unter ihnen die Gelegenheit zur brutalen Herrschsucht über den vierfüssigen hilflosen überlasteten Arbeiter.

Die Einwohner Jerusalems scheinen diese grenzenlosen Vorgänge noch nicht einmal zu bemerken – oder ignorieren die Strassenkathastrophen. Einige antworten dir, ergriffenden Menschen, »Denken Sie erst an das Loos der gequälten armseligen »Menschen«, Gewerett, transportieren sie auch nicht bepackt Steine auf die Baustellen, aber ein zerrissenes Hemd am Körper und mit sich Hunger im Magen. Und reicht ihnen oft einen Stein, ein verständnissloses hartes Wort.«

Jeschurun ist im Grunde seines Herzens freigebig, der wirkliche Hebräer ein freudiger Geber. Sein Herz ist noch nicht verrunzelt. Narben erinnern es an Untaten Herzloser. Und ich gebe mir Mühe die rätselhafte Frage zu lösen, und rüttle an das pochende Tor, an das Herz des Menschen, das zum innersten Menschen zur Seele führt, »warum bleibt man stumm zur Untat der Misshandlung, die den liebsten Tieren der Wege zu Teil wird? Madua???!«

Nicht nur Brunstschreie sind es, die die geplagten Tiere ausstossen! Beruhige sich das menschliche Gehör nicht mit dieser Annahme. Der Esel jammert meist vor Erschöpfung!!! Die Bestialität vieler ihrer Treiber beschulde man oder den Auftraggeber, der den Treiber treibt.

Die Gründung eines Tierschutzverreins wäre zu begrüssen!!! Trübt nicht den ehrlich betenden Juden, Zeuge der Misshandlung sein Gebet?

Gott verschmäht die heilige Gabe den Bau der Synagogen, wenn noch ein einziges Kindlein hungert, schwarzes oder braunes oder hellhäutiges, eines der Kleinen Misshandlung erfährt. Das Tier betrachtet Gott auch als eines Seiner Kinder und Erbarmen erntet Erbarmen, Erbarmungslosigkeit Erbarmungslosigkeit!

Palästinamensch erbarme dich – Gottes, da Er Erbarmen üben möchte, überall streuen möchte allerwegen die samtne Rose des Erbarmens.

Ich bin nicht die einzige, die die Einwohner Jerusalems um Erbarmen bittet, und ich kann nicht umhin unseren grossen liebreichen Geistlichen: Doktor Wilhelm zu erwähnen, der an jede Pforte klopft für das Wohl des Menschen und des Tieres, für jedes Geschöpf in Jeschurun, der lieben Stadt des Herrn. Nach dem Willen des noch jungen Gottes sollte das erste Menschenpaar mit den Tieren spielen, ihnen Namen geben, sie zum Spiele zu rufen. Ich klage mich selbst an, – Jahrtausende der Menschheit Speise das Tier, das auch ich verspeise. Man bratet es in der Pfanne und bringt das Fleisch auf den Tisch zum Mahle mit einer Selbstverständlichkeit! Angst, bange Ahnung vergiftet nicht allein den Menschen auch das Tier voll banger Ahnung zum Schlachthaus. Franz Marc der Messias der Tiere, sprach vom »reinen Totschlag«, holt sich der hungerige Panther die Gazell vom Fels. Tier abgepflückt vom Tier vom Zweig der Natur.

Und doch ist so vieles nach unseren religiösen Begriffen unverständlich. Und ich kann nur meinem Gewissen folgen, den purpurnen Zeiger im Menschenherzen. Lasse dich ruhig verspotten des Erbarmens wegen – kaufst du eine Wegspeise den geplagten Tieren hier auf ihren schweren Gange: zu meist verdorrten steinbepackten Wiesen angelangt, finden sie noch nicht einmal einen grünen Grashalm.

Deine Seele, – [30]

Gewidmet Ernst Simon – einem der sechsunddreissig Gerechten Palästinas.

Die Gott dir mitgab auf die Welt, achte auf sie, auf deinen inneren Menschen, er nicht getrübt heimkehrt zu Gott.

Erbarmen lichtet deine Seele zum Demant des Himmels. Erbarmen mit Mensch und Tier und mit der Pflanze und – mit Gott.

Er der Allmächtige, allmächtig auch zu leiden! ....

Im Paradies, an dessen Bäumen mit den Blüten auch der Kern der Sprache wuchs, süss und bitter, reifte umspielt vom Rascheln der Laute die Ursprache, liebend eingefangen im Wort. Es spielte alles miteinander, und Gott noch jung, mit Seiner Schöpfung. Mensch, Tier Blume und der sie alle überragende Baum hiessen einfach: Geschöpf, Abbas Geschöpf.

Spricht man doch heute noch vom Stammbaum des Menschen und vergleicht dich mit einer Blume? »Du bist wie eine Blume so hold und schön und rein ...« Und der Propheten vieler, Herz mit der Sanftmut des Lammes?

Es verdunkelt schmerzlich mein Gemüt, ja droht abzufallen von Gott, zweifelnd an Sein Dasein – Er helfen würde wenn Er da? erlebe ich täglich, stündlich den Rest aller Grausamkeiten der blutig kämpfenden Welt, angelangt in unser Heiligen Stadt an Tieren. Die versklavten Opfer sind die geduldsamsten unter den Geschöpfen. Es sind die armen hilflosen, fleissigen Esel, die zu ihren Gängen auf die Bauplätze die Steine tragen müssen, und – noch dafür Hiebe bekommen. Nicht etwa des nachlassenden Trapps wegen. Rein zum Zeitvertreib ihrer kleinen und grossen Führer, die wissen müssten, was Züchtigung heisst! In ihrer Vorstellung scheints das Tier aus weniger verwundbarem Fleisch und Seele wie sie. Eben Vieh das sie treiben und kein Mensch – sie denken überhaupt über die Schmach ihrer abscheulichen Handlungsweise nicht nach. Der arabische Priester, so wie der Priester des Hebräervolkes versuchen vergebens die Treiber, die jüngeren schon im Unterricht, an die Barmherzigkeit zu erinnern – auch zum Tiere –; doch brutaler bemächtigt sich bei vielen die Herrschsucht über den vierfüssigen überlasteten Arbeiter.

Die Einwohner Jerusalems scheinen diese grenzenlosen Vorgänge noch nicht einmal zu bemerken, oder ignorieren die Strassenkatastrophen. Antworten auch einige Leute den ergriffenden Menschen: »Denken Sie doch um Himmelswillen an das Loos der verarmten gequälten Juden, transportieren die auch nicht Steine auf die Baustellen, so schleppen sie sich in zerlumpten Hemden einher, Hunger im Magen, und man reicht ihm bisweilen ein verständnissloses Wort. Schwer wie ein Stein.« – Jeschurun ist im Grunde seines Herzens freigebig, der wahre Hebräer, ein freudiger Geber! Sein Herz ist noch nicht verrunzelt. Narben erinnern es an Untaten Herzloser. Und ich gebe mir Mühe die rätselhafte Frage zu lösen, und rüttele an das pochende Tor des Menschen, das zum innersten Menschen zur Seele führt, »warum bleibst du Seele stumm zur Untat der Misshandlung, die den liebsten Tieren der Wege zu Teil? Madua??«

Nicht nur Brunstschreie sind es, die die geplagten ausstossen! Beruhige sich das menschliche Gehör nicht mit dieser irrigen Annahme! Meist klagt der Esel vor Erschöpfung. Unter der ihm aufgepackten Last, scheint er zusammen zu brechen. Für die Bestialität, wie ich schon erwähnte, beschulde man des öftern den Auftraggeber, der den Treiber treibt zu diesem – Handwerk.

Die Gründung eines Tierschutzverreins wäre zu begrüssen in unserer lieben Stadt – Gotterbarmens. Trübt nicht den betenden Juden, Zeugen der stummen Misshandlung, diese Sünde in seinem Gebet?

Gott verschmäht die Heilige Gabe, den Bau der Synagogen, wenn noch ein einziges Kindlein hungert, schwarzes oder braunes oder hellhäutiges. Das Tier betrachtet Gott auch als eines Seiner Kinder und er lehrte den Menschen sich über Hilfloses zu erbarmen. Erbarmen erntet Erbarmen, Erbarmungslosigkeit: Erbarmungslosigkeit! Dieses Gesetzes Urgesetz steht in Erz geprägt von blitzenden Wolken beleuchtet vor der Pforte des Himmels.

Palästinamensch, erbarme dich – Gottes, da Er Erbarmen säete überall, allerwegen, der zertretenden samtnen Rose des Erbarmens!

Ich bin nicht der einzige Mensch, der die Bewohner Jeschuruns um Erbarmen bittet, angesichts der blutigsten Kriegsvorgänge wohl allerschmerzlichsten der Weltgeschichte. Doch das große Leid, weist auf kleineres. Ich kann nicht umhin unseren grossen liebreichen Geistlichen: Doktor Kurt Wilhelm zu erwähnen, der die Liebe des Erbarmens lehrt, der Güte lehrt und sie bescheert dem Menschen und dem Tier.

Nach dem Willen des jungen Gottes gebot Er dem ersten Menschenpaar im Garten Eden mit den Tieren zu »spielen«, ihnen Namen zu geben, das Tier zu rufen wie der Mensch die Menschin.

Nun bratet man des Tieres Fleisch und verspeist es zum Mahle – selbstverständlich. Eine Jahrtausendfältige furchtbare Ueberlieferung, und kann, die ich des Tieres Fürsprecherin hier, sein Leid beschreibe, mich selbst nicht vom Genuss des geopferten Fleisches entwöhnen. Tier, abgepflückt von der Aue wie den Apfel vom Ast des Baums.

Vieles um uns, im eignen Raum unseres Innern – unverständlich uns!! Und ich möchte doch meiner Seele folgen, dem purpurnen Zeiger meines Herzens. Der geht nicht vor, der geht nicht nach – und ich hoffe ich komme nicht zu spät mit dieser kleinen Tiergeschichte, dass sie nicht zur Fabel werde .... Lasse dich ruhig verspotten des – »Erbarmens« wegen; kaufst du eine Wegfrucht, eine Rübe dem geplagten Tiere hier auf den Gang zu den steinbelegten Wiesengründen. Verdorrt ihr Grün, der arme Esel findet noch nicht einmal einen frischen Grashalm.

Auch die Gesetze sind vom göttlichen Gärtner gesäet worden. Jedeines Korn gebucht.

Seele –, [31]

Gewidmet Doktor Ernst Simon, einem der sechsunddreißig Gerechten Palästinas.

die Gott dir mitgab auf die Welt, achte auf sie, auf deinen »inneren Menschen«, er nicht getrübt heimkehrt zu Gott.

Erbarmen lichtet deine Seele zum Demant des Himmels – Erbarmen mit Mensch und Tier und mit der Pflanze und – mit Gott.

Er, der Allmächtige auch allmächtig zu leiden! ......

Im Paradies, an dessen Bäumen die Blüten der Früchte gemeinsam mit dem Kern der Sprache wuchsen, süss und bitter, umspielt vom Rascheln der Laute, reifte die Ursprache eingefangen liebend im Wort.

Es spielte alles miteinander, Gott noch jung, mit Seiner Schöpfung. Mensch, Tier, Blume und der sie alle überragende Baum hiessen einfach: Geschöpf, Abbas Geschöpf.

Spricht man doch heute noch vom Stammbaum des Menschen und vergleicht dich, schöne Leserin, mit einer Blume.

»Du bist wie eine Blume

so hold und schön und rein ....«

Und beschreibt der Propheten Herz mit der Sanftmut des Lammes. Es verdunkelt schmerzlich mein Gemüt, ja droht abzufallen von Gott, zweifelnd an Sein Dasein – Er helfen würde wenn Er da!

Erlebe ich täglich, stündlich den Rest der Grausamkeiten – der blutig kämpfenden Welt angelangt in unserer Heiligen Stadt – an Tieren. Die versklavten Opfer sind die geduldsamsten unter den Geschöpfen. Es sind die armen, hilflosen fleissigen Esel, die zu ihren Gängen auf die Bauplätze die Steine tragen müssen und noch dafür Hiebe bekommen. Nicht etwa des nachlassenden Trapps wegen! Rein zum Zeitvertreib ihrer kleinen und grossen Führer, die wissen müssten was Züchtigung heisst! In ihrer Vorstellung scheints, das Tier aus weniger verwundbarem Fleisch und Seele wie sie selbst. Eben Vieh, das sie treiben. Die Treiber denken überhaupt über die Schmach ihrer abscheulichen Handlungsweise nicht nach. Sie überlassen alles weitere meist dem Arbeitsgeber, der sie selbst treibt.

Der hebräische Priester, sowie der Priester des arabischen Volkes, bemühen sich vergebens die Eseltreiber, die jüngeren noch im Unterricht an die Barmherzigkeit, auch zum Tiere zu erinnern, doch brutaler bei vielen bemächtigt sich die Herrschsucht über den vierfüssigen überlasteten Arbeiter.

Die Einwohner Jerusalems scheinen diese grenzenlosen Vorgänge noch nicht einmal zu bemerken, oder ignorieren die Strassenkathastrophen. Antworten auch einige der Leute den ergriffenden Menschen: »Denken Sie doch um Himmelswillen an das Loos der verarmten gequälten Juden und Araber – transportieren die auch nicht Steine auf die Baustellen, so schleppen sie sich in zerlumpten Hemden einher, Hunger im Magen und – man reicht ihnen, wie oft, ein verständnissloses Wort, schwerwiegend wie ein Stein.«

Jeschurun ist im Grunde seines Herzens freigebig, der wahre Hebräer ebenfalls der Muselmann freudige Geber! Ihr Herz ist noch nicht verrunzelt, Narben erinnern es an Untaten Herzloser. Und ich gebe mir Mühe, die rätselhafte Frage zu lösen, und rüttle an das pochende Tor des Menschen, das zum »innersten Menschen« zur Seele führt, warum bleibst du Seele stumm zur Untat der Misshandlung, die den liebsten Tieren der Wege zu Teil? Madua?? – – – – – – Nicht nur Brunstschreie sind es, die die geplagten Tiere ausstossen! Beruhige sich nicht das menschliche Gehör mit dieser irrigen Annahme. Meist klagt der Esel vor Erschöpfung. Unter der ihm aufgepackten Last scheint er zusammen zu brechen. Für die Bestialität wie ich schon erwähnte, beschulde man des öfteren den Auftraggeber, der den Treiber treibt zu diesem Handwerk.

Die Gründung eines Tierschutzverreins wäre zu begrüssen in unserer lieben Stadt – Gotterbarmens. Trübt nicht den betenden Juden, stummer Zeuge der Misshandlung, diese Sünde in seinem Gebet???

Gott verschmäht die Heilige Gabe, den Bau der Synagogen, wenn noch ein einziges Kindlein hungert, schwarzes oder braunes oder hellhäutiges. Das Tier betrachtet Gott auch als eines Seiner Kinder und Er lehrte den Menschen sich über Hilfloses zu erbarmen. Erbarmen erntet Erbarmen! Erbarmungslosigkeit: Erbarmungslosigkeit! Dieses Urgesetz steht in Erz geprägt von blitzenden Wolken beleuchtet vor der Pforte des Himmels. Auch die Gesetze sind vom Göttlichem Gärtner gesäet worden, jedeines Korn – gebucht.

Palästinamensch, erbarme dich Gottes, da Er Erbarmen säete, allerwegen, überall, die so oft zertretende samtne Rose des Erbarmens. Ich bin nicht der einzige Mensch, der die Bewohner Jeschuruns um Erbarmen bittet, angesichts der blutigsten Kriegsvorgänge, aller Schmerzlichsten der Weltgeschichte! Doch das grösste Leid weist auf das kleine .., ich kann nicht umhin unseren grossen liebreichen Geistlichen: Doktor Kurt Wilhelm zu erwähnen, der die Liebe des Erbarmens lehrt und sie bescheert dem Menschen und dem Tier.

Nach dem Willen des jungen Gottes, gebot Er dem ersten Menschenpaar mit den Tieren zu spielen, ihnen Namen zu geben; jedes der Tiere zu rufen wie der Mensch die Menschin.

Nun – bratet man des Tieres Fleisch und verspeist es zum Mahle selbstverständlich. Eine jahrtausendfältige furchtbare Ueberlieferung – und kann, die ich des Tieres Fürsprecherin hier, sein Leid beschreibe, mich selbst nicht des geopferten Fleisches entwöhnen. Tier, abgepflückt von der Aue, wie der Apfel vom Ast des Baums. – – – Vieles um uns und im eigenen Raum unseres Innern – unverständlich. Und ich möchte doch meiner Seele folgen, dem purpurnem Zeiger meines Herzens. Der geht nicht vor, der geht nicht nach – und ich hoffe ich komme nicht zu spät mit dieser kleinen Tiergeschichte, dass sie nicht zur Fabel werde! Lasse dich ruhig verspotten der Wegfrucht wegen, der schmackhaften Rübe, die du dem armen Esel mit auf den blutigen Trapp spendest, selten findet er einen Grashalm auf dem Platze, darauf er die Steine trägt, wo man im Begriff ein neues Haus zu bauen.

Geständnisse. [32]

Religion: Das Gebet jedweden tiefen Glaubens knüpft die Erdean den Himmel.

Liebe: Ist das Tannenfest des Herzens! Glückselig, dem das Herz »ganz« im Lichterglanz steht!

Und doch – auch die Liebe eine Gefangenschaft, ..... jedoch im Himmel.

Freundschaft: Treue beweist sich grundlegend zwischen zwei »erzürnten« Freunden.

Dichtung: Der Dichter, dessen Gabe nicht »sein« Medaillon trägt, der dichtet nur eines anderen Dichters Vers.

Vom Deklamieren: Dichtungen »deklamiert«, verstimmen die Klaviatur meines Herzens. Wenn es noch Kinder wären, die auf meinen Reimen meinetwegen – klimperten.

Von mir selbst (privatim bitte.): Ich sitze noch heute sitzengeblieben auf der untersten Bank der Klasse, wie einst – ...

Geständnisse. [33]

Das Gebet jedweden tiefen Glaubens knüpft die Erde an den Himmel.

Die Liebe ist das Tannenfest des Herzens. Glückselig der, dem das Herz ganz im Lichterglanz steht!

Und – doch auch die Liebe ist eine Gefangenschaft – jedoch im Himmel!

Die Treue der Freundschaft beweist sich grundlegend zwischen zwei Erzürnten Freunden.

Der Dichter dessen Gabe nicht sein Medaillon trägt, der dichtet eines anderen Dichters Vers.

Der Antisemitismus [34]

Gehört zur Erbschaft, eine Eigenschaft, die erblich, die man erbt. Ein Unvermögen. Ein Unvermögen, an dem der Erbende – verarmt. Oft nimmt dieses unechte Vermögen den ganzen beglückten fleischigen Cassenschrank des Erbenden ein, sein gut versiegeltes Herz oder es verschwendet so im Vorbeigehen mit seinen bleiernden Thalern bewerfend. Die Ärmsten die Unschuldigsten, die Wehrlosesten trifft so einen harten Schimpf

Ich hatte mir vorgenommen überhaupt nicht mehr meine Empfindungen niederzuschreiben. Und doch wird zum Beispiel so ein lyrisches Gedicht von oben unsichtbar, unhörbar dir dem Dichter und mir ins Herz gegossen wie in eine Schaale. Verzaubert es und – beglückt still und den Rubin beseeligend. Man ehrte mein Gedicht und selten hat man gewagt mir anzubieten das schmutzige Geld. Man kann leider vorrübergehend eine Welt Menschen dafür kaufen, der Einzelne fühlt sich berechtigt sich sogar oft eine Straße zu kaufen. Ach wie oft hörte ich mit dem Ranzen auf den Rücken noch 8jährig zur Schule gehend aus höhnisch verzerrten Straßenkindern, »Jud, Jud, Jud, hast Speck gefressen etc –, spuck ut, spuck ut!«

Ich schlug mich jedesmal mit der Schaar, nicht ein Haar am Kopf blieb übrig.

Der Antisemitismus [35]

Ihn, erachte ich für ein Erbteil vom Vater auf den Sohn. Ein Erbe mit dem der Erbende selten umzugehen weiß. Ja er bewahrt den ihm zugefallenen unechten Schatz indem er sich nicht etwa bemüht ihn zu bewahren im Safe seines Herzens, doch ihn bei Gelegenheit zu verschwenden, um seine Seele zu verarmen. Denn die Thaler des Antisemitismus führen zum Bankerott der Seele. Wie Gehässigkeit überhaupt

»Liebet euch untereinander« wie der göttliche Jude gerade denen gebot, die den grausamsten Haß geradezu verschwenden aus der Casse ihrer Herzen. Aber genug davon, ich möchte mich auch nicht mehr ereifern, da der Antisemitismus nicht auszurotten ein Kind des Hebräertums im Stande. Auch kenn ich einige gefälschte Münzen denen solche Erbschaft zufiel, die sie aus dem Fenster warfen in den Rinnstein. Auch liebe ich meine christl. Freunde u. Freundinnen, denke ich an St. Peter Hille, an den Dichter Peter Baum meiner Wupper Heimat, und jetzt an unseren treuen Freund hier zu Lande: Gershon Stern. Er schrieb den wundervollen Roman: Weg ohne Ende. Und doch bin ich angelangt, das heißt mit wundem Herzen, so suchte ich umher in allen Winkeln der Menschengemüte und fand das Ziel nicht. Ja ich verirrte mich am Bach meiner blutenden Sehnsucht. Ich wage zu behaupten, daß es nicht des Herrn Wille, sich seinen Glauben wie einen Orden zu tragen, er kann uns »einen« Glauben, den Glauben an den Schöpfer der Welt geben. Warum heißen wir nicht wie es Gott sicher [– – –] einfach Menschen oder Geschöpfe die Menschen noch werden möchten. Unter den Tieren, deren Gedanken etc. noch unerforscht – sie tragen wer weiß, Anbetung im Herzen und nennen sich schlichthin Tiere.

Ich schreibe ohne Fanatismus oder gar Zorn über die Leiden, die wir Juden durchmachten. Durch die ewigen ungerechten Mißhandlungen giebt es ein standgehaltenes Israel aber auch ein Misraël. Ich habe darum der [xx]che wegen nicht das Recht es zu richten, aber ich bin nicht so groß es zu lieben. Freige[xxxx] hier in Palästina, können sie kein [xxxx] finden ohne Erziehung u. Recht aufgewachsen. Christlichen Menschen besuchten die weitgeöffneten Schulen der Welt und – blieben doch, die den Antisemitismus huldigen ohne Einsicht.

Vom Heiligen Vater in Rom erzählte mir in Berlin sein ihn innigst verehrender Freund der Caplan Dr. Karl Sonnenschein, sie besuchten gemeinsam die Jesuitenschule in Rom; ich erlaube mir nur vom Papst zu verraten, der später dem Trauerzug seines Freundes schon als Heiliger Vater in Rom, folgte sein Schreiten ergreift wie ein heiliger Psalm: »Liebet euch untereinander.«

Der Antisemitismus. [36]

(Gewidmet: meinem Rechtsbeistand: Dr. Joseph Franck und dem Arzt Dr. W. Heimann.)

Ihn, den Antisemitismus erachte ich für ein Erbteil vom Vater auf den Sohn. Ein Erbschatz mit dem der Erbende selten umzugehen versteht. Anstatt den ihm zugefallenen, unedlen, unechten Schatz, der ihn an Seele und Gemüt zu verarmen droht, zu vernichten, bemüht er sich, ihn zu bewahren im Safe seines Herzens; ihn bei Gelegenheit, sogar – verschwenderisch herauszuwerfen. So führen die Taler des geerbten Gutes den Besitzer seelisch zum Bankerott. Wie gewöhnlich jede von Eltern und des Volkes vererbte Münze – mit der Fratze der Gehässigkeit!

»Liebet euch untereinander«! ..... lehrte, – »ermahnte« der göttliche Jude! Nach seinem Tode taufte man ihn als ersten nach vergangenen Zeiten. Das heißt: man errichtete ein Wand zwischen Ihm und Seinem einstigen Volke. »Liebet euch untereinander.« Ermahnte Er!! ..... – Aber – sie säeten und säen grausamsten Haß – noch heute die Stiefvölker, auf seine Geschwister. Auf die unzähligen schuldlosen an des Herrlichen Kreuzestod. Ich erlaube mir zu sagen, wenn noch aus diesem schmerzlichen Irrtum der Zorn auf das jüdische Volk losschlage!! Doch nie vernahm ich diesen furchtbaren Vorwurf aus irgend einem Munde auf wutüberschwemmten Gassen meiner Heimat im Rheinland. Ich erlebte als Schulkind schon einige antisemitische Aufstände – auf dem Heimweg nach Schulschluß. Ich betrat weinend unser schönes Haus; selbst meiner teuren Mutter Liebe vermochte mich nicht zu trösten. Doch von unserm hohen Turm wehte immer fröhlich die Fahne. Was mir schon damals in den Kinderjahren auffiel, mir noch unverständlich der Aufständigen »banaler Grund« ihrer Grausamkeiten. Nie beschuldete man mich auf dem Heimwege oder in den Räumen des Schulhauses selbst, wegen der grausigen Kreuzigung des göttlichen Propheten, der den Christlichen Einwohner »etwa« zur Rache veranlasse; selbst Unschuldige Miteinwohner der Städte zu bedrohen ...... noch nach Jahrhundert.

Später in Berlin lebend, muß ich bekennen, verehrte man mich, wahrscheinlich meiner Dichtungen wegen und es versuchten feinfühlende christliche Menschen, mich von diesen dunklen Erinnerungen zu befreien. Ich verließ nun die liebwerten treuen Freunde und Freundinnen vor etwa elf Jahren, die beinahe die Leiden meiner Kindheit heilten, die ich schon, ein Kind noch, an antisemitischen Haß durchmachen mußte, trotzdem man meine Eltern in der Wupperthaler Stadt heiß verehrte.

St. Peter Hille, der mir stets betonte, ich verstehe ihn unter uns Freunden am besten! Mir die hohe Ehre zufiel nach seinem Tode das Buch: Das Peter Hille Buch über den feierlichen Menschen zu schreiben. Besiegelte schließlich, einen mir immer wiederkehrenden Beweis, vor allen Dingen geht es Gott darum, wir Menschen sind und bleiben unter Seinem Himmel. Ich und die vielen Spielgefährten die unsern Hohen Freund eine Kette von christlichen und hebräischen Smaragden, Dichter und Dichterinnen, Maler und Malerinnen umspielten .... waren eben vor allem: »Menschen« und trugen den Orden unseres Glaubens, jeder von uns: schlicht und respektvoll und bescheiden über das pochende Herz geheftet.

Ich erzählte noch gestern hier im heimatlichen Caféhaus: Sichel von diesen Erinnerungen einem liebwerten Gast. Wir sind beide Kinder derselben Stadt. In der Härte der Zeit ein Lied – sich wiederzusehen. Weg ohne Ende! heißt sein prachtvoller Roman. Bildete mir doch ein, das Ende erreicht zu haben, (wenn auch nur auf dem Papier, –) ja, selbst das Ende zu sein! Und hinterließ einem Jemand hier, den ich liebte, meine letzten Worte:

Mein Sterbelied.

Bin welk und mürbe –

Mir ist, als ob ich stürbe –

Ja, gestorben »bin«.

Entblättert ist mein Sinn, –

Das Licht meiner Augen – trübe.

Der Himmel meiner Liebe

Sank in die Grube,

In mein steiles Kinn

Es blühen in meiner Stube

Deine Lieblingsblumen zwischen Immergrün

Und meinem Rosmarin.

Doch alle beglückenden Farben,

Seit meines Lebens Anbeginn

Aus meinem Leben entfliehn,

Die mich ganz bunt umwarben,

Starben ....

Um mit dem Wolkenbild

In die Himmlischkeit zu ziehn.

Suchte ich doch mir gleichgesinntes Ziel mit wundem Herzen, einen »mich« erwartenden Augenblick im Winkel mancher Gemüte, mich schließlich zu verirren in meiner blutenden Sehnsucht.

Verstanden zu werden von einem noch so großzähligen »Volke« – aussichtsvoller als von einer Familie, die ein Volk zu werden sich bemüht, ihr Tantentum zunächst in »allgemeine« Fürsorge einlösen müßte. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich spreche natürlich im allgemeinen. Denn oft erleidet sogar die Höflichkeit untereinander in der perspektivlosen Blutverwandtschaft.

Es ergeben »auch« Menschen einen Extrakt, der allzu herb oder allzu süß. Es mischten sich hier in Palästina Juden aus allen Ländern und Erdteilen der Welt und verständigen sich in verschiedenen Sprachen oder eben nicht. Und sind wir einst alle hier bereitet von Adoneu. Lieben David den großen König und Schalk. Dennoch müde sind wir alle vom Schicksal der Flucht. Der Jude – glaubt!! Und knickt auch oftmals die Blüte der ewigen Blume. Sie wächst aufs Neue. Der Jude spricht nur zwei Worte im Gebet: »Adoneu Echod« .... Eigentlich von Anbeginn sprechen mit gefalteten Händen alle Völker nur diese beiden Worte »vereint«, sie sich – liebten: »Liebet euch untereinander.« Stattdessen bekriegen sich die Länder und ihre Menschen. Es giebt ja nur »einen« Himmel warum nicht ein »einziges« Land. Ein blaues Land mit Menschen und mit werdenden Menschen. Fragte je der Engel den zweiten welchem Glauben er angehört oder der Mensch den Engel in den Höhen. Ich leide unter diesem irrigen Leben. Nachdem ich dem Todschlag des Antisemitismus entkommen, zerreißt mich die Kralle des eigenen Volkes. Durch die vielen Judenverfolgungen gehemmt ihre Schulerziehung vertrockneten manche Gemüter der Juden in den ersten Jugendjahren, mancher begegnenden Flüchtlinge in Jerusalem.

Tröstend, ja beglückend doppeltfach so vieler hebräischen Künstler die mir begegnen, Gelehrte, Erbauer der Straßen und Häuser und Prachtpalästen der Musiksäle und Theaterbühnen. Vor allem die fleißigen Arbeiter hier zu Lande. Man fragt nicht die rastlosen Arbeiterinnen auf dem Lande: »was warst du früher?« Und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern!! rührt den Vernehmenden. Groß und stark an Leib und viele auch an Seele erbaut sich der Mensch hier – neu, den Gott erbaute vertrauend in Seiner Hand. Ich glaube Gott ist ein Kind und will geliebt sein von uns, wie wir von den Eltern, Sich nähern zu können auf allen Wegen unter Mond und Sternen und Himmel. Ein großer Caplan in Berlin erzählte mir so oft von seinem herrlichen Freund von dem jetzigen Höchsten Heiligen dem Papst in Rom, der den Antisemitismus schon als Knabe verachtete und mißbilligte und – es spricht nicht nur die Eitelkeit, mein Peter Hille Buch, überhaupt meine hebr. Balladen liebe.

Nach dem Tode des großartigen Caplans erzählte ich unserem geliebten heiteren Raw der Synagoge Emet W Emuna erkannte ich den treuen Hohen Geistlichen den Papst hinter dem Sarge des treuen Freundes im Trauerzug schreiten: Des Papstes Schritt: feierliche Musik – des Psalms: »Liebet euch untereinander.«

Der Antisemitismus [37]

Ihn erachte ich fuer eine Erbschaft vom Vater auf den Sohn. Ein Erbteil, mit dem der Erbende selten umzugehen versteht. Anstatt den ihm zugefallenen, unedlen, unechten Schatz, der ihn an Seele und Gemuet zu verarmen droht, zu vernichten, bemueht er sich, ihn zu bewahren im Safe seines Herzens; um ihn bei Gelegenheit sogar verschwenderisch herauszuwerfen. So fuehren die teuflischen Taler des geerbten Gutes den Besitzer seelisch zum Bankrott. Wie gewoehnlich jede von Eltern und des Volkes vererbte Muenze mit der Fratze der Gehaessigkeit.

»Liebet euch untereinander!« ... lehrte, ermahnte der goettliche Jude. Nach seinem Tode taufte man ihn. Das heisst: man errichtete eine Wand zwischen Ihm und seinem einstigen Volke. »Liebet euch untereinander!« ... flehte Er. Aber – sie saeten grausamsten Hass, noch heute die Stiefvoelker auf seine Geschwister. Auf die unzaehligen schuldlosen, an des Herrlichen Kreuzestod. Ich erlaube mir, festzustellen: wenn noch aus diesem schmerzlichen Irrtum der Zorn auf das juedische Volk losschlage! Doch nie vernahm ich diesen furchtbaren Vorwurf aus irgendeinem Munde auf wutueberschwemmten Gassen meiner Heimat im Rheinland. Ich erlebte als Schulkind schon einige antisemitische Aufstaende auf dem Heimweg nach Schulschluss. Weinend betrat ich unser schoenes Haus. Selbst meiner teuren Mutter Liebe vermochte mich nicht zu troesten. Doch von unserem hohen Turm wehte immer froehlich die Fahne. Was mir schon damals in den Kinderjahren auffiel, mir unverstaendlich, der Aufstaendigen banaler Grund der furchtbaren Grausamkeit. Nie beschuldigte man mich auf dem Heimwege oder in den Raeumen des Schulhauses selbst, wegen der grausigen Kreuzigung des goettlichen Propheten, der den christlichen Einwohner zur Rache veranlasse, zu bedrohen noch nach Jahrhunderten. Spaeter in Berlin lebend, bekenne ich, verehrte man mich, wahrscheinlich meiner Dichtungen wegen, auch der »Hebraeischen Balladen«, die ich Jeremias in Gedanken widmete. Freunde versuchten, feinfuehlende christliche Menschen, mich von diesen dunklen Erinnerungen zu befreien. Verlassen musste ich die liebwerten treuen Freunde und Freundinnen vor etwa 11 Jahren, die beinahe die wunden Leiden meiner Kinderzeit verscheuchten. Ja, trotzdem man meine Eltern in der Wuppertaler Stadt heiss verehrte.

Sankt Peter Hille, der mir stets betonte, ich verstehe ihn unter uns Spielgefaehrten am allerbesten! Nach seinem Tode mir die hohe Ehre zufiel, das Buch ... das Peter Hille-Buch ueber den feierlichen Menschen zu schreiben. Mir bewies das Vertrauen und besiegelte es schliesslich immer mir wiederkehrenden Beweis ... es geht Gott darum ... wir Menschen sind und bleiben unter seinem Himmel ... »Liebet euch untereinander!« ...

Ich und die vielen Freunde und Freundinnen, die unserem Hohen Freund eine Kette von gleichwertigen christlich und hebraeischen Smaragden umspielten, betonten eben vor allem das Menschliche in sich und trugen den Orden ihres Glaubens, jedeiner schlicht und respektvoll und bescheiden ueber das Herz geheftet. Ich erzaehlte noch gestern von dieser besonderen Zeit einem Bekannten, mir gegenueber sitzend, im heimatlichen Cafehaus Sichel. Sind wir doch beide Kinder derselben Stadt, und die singt ein Lied, begegnen sich zwei ihrer Kinder. Bildete mir doch eine kurze Zeit schon ein, dennoch das Ende erreicht zu haben (wenn auch nur auf dem Papier) seines Romans: »Weg ohne Ende« und hinterliess einem Jemanden hier, den ich liebte, meine letzten Worte:

Mein Sterbelied:

»Bin welk und muerbe –

Mir ist, als ob ich stuerbe –

Ja, gestorben bin

Entblaettert ist mein Sinn –

Das Licht meiner Augen truebe.

Der Himmel meiner Liebe

Sank in die Grube,

In mein steiles Kinn.

Es bluehen in meiner Stube

Deine Lieblingsblumen zwischen Immergruen

Und meinem Rosmarien.

Doch alle beglueckenden Farben,

Seit meines Lebens Anbeginn

Aus meinem Leben entfliehn.

Die mich ganz bunt umwarben –

Starben .....

Um mit dem Wolkenbild

In die Himmlischkeit zu ziehn.

Suchte ich doch mit wundem Herzen mir gleichgesinntes Ziel in einem mich erwartenden Augenblick im Winkel eines Gemuetes, mich schliesslich zu verirren, in meiner eigenen blutenden Sehnsucht.

Verstanden zu werden auch nur von einem einzigen Menschen im grosszähligen Volke aussichtsvoller, als von einer Familie, die hier erst ein Volk zu werden sich bemueht, neugieriges Tantentum zunaechst in allgemeine Fuersorge einloesen muesste. »Liebe deinen Naechsten wie dich selbst!« ... Ich spreche natuerlich im allgemeinen: denn oft leidet die Familienhoeflichkeit untereinander in der perspektivenlosen Blutverwandschaft. Es ergeben auch Menschen einen Extrakt, eine Familie, einen allzu herben oder allzu suessen. Es mischten sich hier in Palaestina Juden aus allen Laendern und Erdteilen der Welt und suchen, zu verstaendigen sich in verschiedenen Sprachen oder weichen sich ungeduldig aus; auch die dem Begegnenden, und glauben religiös zu sein, ja, vollkommen geartet in der Hand Adonajs. Wir alle lieben David, den grossen Koenig und koeniglichen Schalk. Doch muede sind wir alle vom Schicksal der Flucht. Aber der Jude glaubt!! und knickt auch oftmals die Bluete der ewigen Blume. Sie waechst aufs neue. Mit gefalteten Haenden spricht der Jude, eigentlich alle Voelker der Welt vereint: »Liebet euch untereinander!« ... Statt dessen bekriegen sich die Laender und ihre Menschen. Es gibt ja nur einen Himmel und ein Land unter ihm. Wie in der Schoepfung bestimmt: ein blau umhuelltes Land mit Menschen, mit werdenden Menschen liebebedürftigen und mit Tieren. Es hat nie ein Engel den zweiten gefragt, welchem Glauben er angehoert, oder der Mensch etwa im Gebet den Engel in den Hoehen.

– Ich leide unter diesem irrigen Leben. – Nachdem ich dem Totschlag des Antisemitismus entkommen, zerreisst mich zuweilen vertrauungslos die Kralle des eigenen Volkes.

Die vielen Judenverfolgungen hemmten oft die Erziehung ihrer Gemueter in den Jugendjahren in vielen Staedten. Desto troestender, ja beglueckend doppelt fast, die vielen grossen hebraeischen Kuenstler, Gelehrte, Erbauer der Strassen und Haeuser und Prachtpalaeste, der Musiksaele und Theaterbuehnen. Es beschaemen mich die fleissigen Arbeiter hierzulande, die rastlosen Arbeiterinnen auf den Aeckern. Keine von ihnen fragt die andere: »Was warst du frueher einmal?« Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ruehrt mich und dich. Sie versuchen, den Menschen hier, den Gott erbaute, vertraut des Zweiten Hand, in seiner Urherrlichkeit entstehen zu lassen. Ich glaube, Gott ist ein Kind, wer moechte nicht mit Ihm mit seinem Urbaukasten aufbauen?! Gott will geliebt sein wie wir als Kinder von den Eltern, sich ihnen naehern zu koennen auf allen Pfaden unter Mond und Sternen und Himmeln.

Ein besonderer Kaplan in Berlin erzaehlte mir so oft von seinem herrlichen geliebten Freund, sie beide die geistliche Schule in Rom einst besuchten, dem jetzigen hoechsten herrlichsten katholischen Heiligen, dem Papst in Rom, der den Antisemitismus schon als Knabe verachtete und immer wieder schwer missbilligte. Und es spricht nicht nur die Eitelkeit, wenn ich verrate, Er mein Peter Hille-Buch und meine »Hebraeischen Balladen« liebe. Nach dem Tode des hochverehrten Kaplans in Berlin, erzaehlte ich unserem heiteren liebevollen und grosszuegigen Raw der Synagoge Emet W’Emuna, erkannte ich den treuen Geistlichen, den Papst hinter dem Sarg des treuen Freundes im Trauerzuge schreiten. Des Papstes feierlicher Schritt, der Psalm: »Liebet euch untereinander!«

[Meinen verlassenen Gespielinnen ...] [38]

Meinen verlassenen Gespielinnen und treuen Freunde: Elfrieda und Hedwig euch beiden Nachtigallen Mariaquita und Wally und Elisabeth und Kete und Enja und Margarete ich gedenke Eurer in Sehnsucht. Ich weiss Ihr habt mich liebend nicht vergessen: Ari und Wachholderkarl und Sigismund und Stenz und Faitelowitz und Ihr beiden Cameruner und Job und Roland und Luigi, ich grüsse Euch meine Indianerfreunde und Freude aus dem Bibellande, das Gott erbaute aus Seinem Rückgrat, Jerusalem aus einem Seiner Heiligen Knochen

Huldigungen: [39]

Unser Bischof, Rabuni: Dr. Kurt Wilhelm,

Unserm hebräischen Bischof in Jerusalem in Verehrung:

Die Gemeinde ihm: Seine Kinder!

Er: Gottes wahrhaftiges Kind!

Gott: Das ihm innigst anvertrauteste.

Ernst Simon:

Wenn er mir begegnet, denke ich an die Worte der Bibel: »Ihr seid Götter.«

Martin Buber:

Reist manchmal zu Gott.

Mordercheï Bronsteins Bildwelt künden Ankunft und Abschied:

Leuchtendes Paradies und zu gleicherzeit seine Verfinsterung

Gershon Swet

Der geniale Redakteur Grischa.

Der Bergmaler:

Leopold Krakauer

Die Bergschwestern, rundlichen Moabs besuchen ihn öfters!

Huldigungen: [40]

Unserm Hebräischen Bischof: Kurt Wilhelm in Verehrung:

Die Gemeinde ihm: Seine Kinder.

Er selbst: Gottes wahrhaftiges Kind.

Gott: Das ihm innigst anvertrauteste.

Ernst Simon: Wenn er mir begegnet, denke ich an die drei Worte der Bibel: »Ihr seid Götter!«

Martin Buber: Reist manchmal zu Gott.

Morderchei Bronstein: Seine schöpfungsalte Malerei kündet: Ankunft und Abschied. Zugleich: Leuchtendes Paradies und seine Verfinsterung.

Gershon Sveet: Der geniale Grischa, der mir freundschaftlich gesinnte Gershon Sveet reitet oft, famoser Reiter, im Galopp auf seinem Pencil über seinen Feuilletonbogen wie durch die Steppe.

Der Bergmaler: Leopold Krakauer: Die rundlichen Schwestern Moabs besuchen ihn öfters.

George Landauer: Erstklassige Marke heiteren Rheinwein nach hier verpflanzt

Salman Schocken, der jüngste seiner Söhne seines Familienromans, herausgegeben als Luxusbuch.

Fango: (Franz Goldstein) Immer im sprühenden Taumel! Brillanter Zorn und interessante Zornin tanzen Stepp in seinem Herzen zusammen. Nur die Tante darf nicht erscheinen, sein Kleckslibris.

Huldigungen: [41]

Gott: Aus Seinem Rückgrad baute Er Jerusalem, aus einem einzigen Knochen.

Unser hebräischer Bischof: Kurt Wilhelm.

Die Gemeinde – ihm: Seine Kinder.

Er selbst: Gottes wahrhaftiges Kind.

Gott: Das ihm innigst anvertrauteste.

Ernst Simon: Wenn er mir begegnet, denke ich an die drei Worte der Bibel: »Ihr seid Götter!«

Martin Buber: Reist manchmal zu Gott.

Morderchei Bronstein: Seine schöpfungsalte Malerei kündet: Ankunft und Abschied. Zugleich: Leuchtendes Paradies und seine Verfinsterung.

Der Bergmaler: Leopold Krakauer: Die rundlichen Schwestern Moabs besuchen ihn öfters.

Gershon Sveet: Der geniale Grischa und mir freundschaftlich gesinnter Mensch in Jerusalem, reitet (ein sicherer famoser Reiter) auf seinem Pencil über seine Feuilletonbogen wie durch die Steppen.

George Landauer: Erstklassiger, edler heiterschäumender Rheinwein, nach hier verpflanzt.

Salman Schocken: Seines Familienromans jüngster Sohn überings das Luxusbuch seiner Bibliothek.

Nathanael Bistritsky: Der Blauäugige dichtende Jerusalemiter.

Fango: (Franz Goldstein) Immer im sprühenden Taumel. Brillanter Zorn und interessante Zornin tanzen Stepp in seinem Herzen zusammen. Nur die Tante darf nicht teilnehmen. Sein Kleckslibris!!

* * *

Anmerkungen

[1] »Nachtregen« • Manuskript: Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar (74.333/1). Wahrscheinlich um 1905 entstanden.

[2] [Else Lasker-Schüler bittet die geehrte Redaktion ...] • Manuskript: Stadtbibliothek Wuppertal, Else Lasker-Schüler-Archiv (A 390). Briefbogen des Hotels Kaiserhof, Elberfeld. Else Lasker-Schüler hatte am 22. Oktober 1912 auf Einladung der Literarischen Gesellschaft Elberfeld in der Stadthalle von Elberfeld gelesen. Die Veranstaltung war von Störungen durch das Publikum begleitet gewesen.

[3] [Ich grüße die wundervollen Frankf. Freunde ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:194). Dabei ein aufgeklebtes Foto, darunter von Else Lasker-Schüler: »St. Peter Hilles Geburtshaus: Die alte Schule / An der Vorderwand der neuen Schule hängt seine Gedenktafel aus weißem Marmor«. Wahrscheinlich als Einführung zu Else Lasker-Schülers Lesung im Frankfurter Rundfunk am 24. Mai 1931 geschrieben.

[4] »Der Weihnachtsbaum« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:113). »Der Weihnachtsbaum« erschien zuerst im Berliner Börsen-Courier vom 25. Dezember 1932 (Jg. 65, Nr. 603 [Expreß-Morgen-Ausgabe], 3. Beilage, S. 13).

[5] »Gottfried Keller« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:106).

[6] »Die Flamme« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:146). Entwurf zu der Prosaschrift »Die Seele und ihr Licht«, am 26. Mai 1935 im Pariser Tageblatt (Jg. 3, Nr. 530, S. 4) erschienen.

[7] »Das Licht der Seele« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:111). Entwurf zu der Prosaschrift »Die Seele und ihr Licht«, am 26. Mai 1935 im Pariser Tageblatt (Jg. 3, Nr. 530, S. 4) erschienen.

[8] »Die Seele und ihr Licht« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:111). Entwurf zu der Prosaschrift »Die Seele und ihr Licht«, am 26. Mai 1935 im Pariser Tageblatt (Jg. 3, Nr. 530, S. 4) erschienen.

[9] »Die Seele und ihr Licht« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:111). Entwurf zu der Prosaschrift »Die Seele und ihr Licht«, am 26. Mai 1935 im Pariser Tageblatt (Jg. 3, Nr. 530, S. 4) erschienen.

[10] »Die Seele und ihr Licht« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:111). Entwurf zu der Prosaschrift »Die Seele und ihr Licht«, am 26. Mai 1935 im Pariser Tageblatt (Jg. 3, Nr. 530, S. 4) erschienen.

[11] [Aber uns, die wir uns über Nacht verwandelten ...] • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).

[12] [Haß, Stillstand, Trübung ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).

[13] [Vor vier Jahren inscenierte das Schauspiel ...] • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 8:24).

[14] [Hochverehrtestes Publikum. / Ich soll was schreiben ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 17:4). Der kurze Text wurde von Else Lasker-Schüler für die Uraufführung von Arthur Aronymus und seine Väter im Schauspielhaus Zürich am 19. Dezember 1936 verfaßt.

[15] [Hochzuverehrende Feuilletonredaktion, / Ich wäre Ihnen ...] • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:12). Else Lasker-Schülers Schauspiel Arthur Aronymus und seine Väter war nach der Premiere am 19. Dezember 1936 und nur einer Wiederaufführung am 23. Dezember vom Schauspielhaus Zürich abgesetzt worden.

[16] [Ich erlaube mir der Neuen Zürcher Zeitung ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 4:40). Else Lasker-Schülers Schauspiel Arthur Aronymus und seine Väter war nach der Premiere am 19. Dezember 1936 und nur einer Wiederaufführung am 23. Dezember vom Schauspielhaus Zürich abgesetzt worden.

[17] »Hermann Reiff« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:165). Der Seidenfabrikant und Kunstmäzen Hermann Reiff war am 9. Juni 1938 in Zürich gestorben.

[18] »Mopp« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:9). »Mopp, ein ›musikalischer‹ Maler« erschien am 3. September 1938 in der Pariser Tageszeitung (Jg. 3, Nr. 780, S. 4).

[19] [Verlaß mich nicht ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 17:17).

[20] [... so lange die Welt besteht, ja – ewiglich ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).

[21] »Ernst Toller« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:109). »Ernst Toller« erschien am 23. Juni 1939 in Tamzit Itonejnu (Jerusalem) (Jg. 3, Nr. 1241).

[22] »Etwas von Jerusalem« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:210). »Etwas von Jerusalem« erschien am 12. Februar 1940 in der Jüdischen Welt-Rundschau (Jerusalem) (Jg. 2, Nr. 6, S. 5 f.)

[23] [10. Okt. 39 / Mein kleines geliebtes Päulchen ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 4:37). Briefbogen mit Foto, beschriftet: »Hydro Electric Works on the Jordan«. Kuvert: »An mein Paulchen«.

[24] [Gewarott we’Rabbotei! / Von Kind an wünschte ich mir ...] • Typoskript: Nachlass Kurt Wilhelm.

[25] »Das Marionettentheater des Direktor Loevys« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:72). Von Else Lasker-Schüler vermerkt: »Abs: Else Lasker-Schüler / Jerusalem / Ben Jehudastreet / Hôtel Atlantik« und: »Else Lasker-Schüler / c/o: Gewereth Weidenfeld / Rechof Hamaalod / mul badt. / moschutaff / Querstreet: der King Georgestreet. / Jerusalem«. •»Das Marionettentheater des Direktor Löwy« erschien am 24. Oktober 1941 im Mitteilungsblatt (Tel Aviv) (Jg. 5, Nr. 43, S. 4).

[26] »Von Papa« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:25).

[27] [... er die geritzte Verletzung entdeckte, selbst wenn ...] • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:53).

[28] »Der Spitz: Apothekerin« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:80).

[29] »Deine Seele« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).

[30] »Deine Seele« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27). Von Else Lasker-Schüler vermerkt: »Else Lasker-Schüler. / C. O: Weidenfeld / (Mull Meschutaff) / Bait: Hamaaloth / Jerusalem«.

[31] »Seele« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27). Von Else Lasker-Schüler vermerkt: »von Eseln«.

[32] »Geständnisse« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:100).

[33] »Geständnisse« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:100).

[34] »Der Antisemitismus« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:110).

[35] »Der Antisemitismus« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:110).

[36] »Der Antisemitismus« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:110).

[37] »Der Antisemitismus« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:110).

[38] [Meinen verlassenen Gespielinnen ...] • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:8).

[39] »Huldigungen« • Manuskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:8).

[40] »Huldigungen« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).

[41] »Huldigungen« • Typoskript: The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive (Arc. Ms. Var. 501, 2:27).