Karl Jürgen Skrodzki

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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

Else Lasker-Schüler

Gedichte 1899 bis 1944

Beiträge in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien

Vorahnung [1]

Verhöhnt mich auch lachend der Wirbelwind,

– Mein Kind, das ist ein Königskind,

Mit Locken, wie Sonnenscheinen.

Ich sitze sinnend unter dem Dach,

Bin in den Nächten fieberwach

Und nähe Hemdchen aus Leinen.

– Meiner Mutter Wiegenfest ist heut’,

Gestorben sind Vater und Mutter beid’

Und sahen nicht mehr den Kleinen.

– Meine Mutter träumte einmal schwer. –

– Sie sah mich nicht an ohne Seufzer mehr

Und ohne heimliches Weinen. –

Ahnung [2]

Verlacht mich auch neckisch der Wirbelwind, –

Mein Kind, das ist ein Himmelskind,

Mit Locken, wie Sonnenscheinen.

Ich sitze einsam unter dem Dach,

Bin in den Nächten fieberwach

Und nähe Hemdchen aus Leinen.

Meiner Mutter Wiegenfest ist heut’,

Gestorben sind Vater und Mutter beid’

Und sahen nicht mehr den Kleinen.

..... Meiner Mutter träumte damals bang’

In der Nacht vor meinem Untergang.

– Ich sah sie heimlich weinen ....

Verwelkte Myrten [3]

Bist wie der graue, sonnenlose Tag,

Der sündig sich auf junge Rosen legt.

– Mir war, wie ich an Deiner Seite lag,

Als ob mein Herze sich nicht mehr bewegt.

Ich küßte Deine bleichen Wangen rot,

Entwand ein Lächeln Deinem starren Blick.

– Du tratest meine junge Seele tot

Und kehrtest in Dein kaltes Sein zurück.

Liebe [4]

Weißt du, daß du gefesselt liegst

In meiner wilden Phantasie ...

Damit du mich mit Küssen besiegst

In den schwarzen Nächten, in der Dämm’rung früh.

Weißt du, wo die Anemonen stehn

Rotfunkelnd, wie ein Feuermeer ...

Ich hab’ zu tief in die Kelche gesehn

Und lasse die Sünde nimmermehr.

Und wäre sie noch so thränenreich –

Und stürbst du in meiner sengenden Glut ...

Meine Hölle verbirgt dein Himmelreich,

Und zerschmelzen sollst du in meinem Blut.

Kismet [5]

Der Sturm pfeift über ein junges Haupt

Und zerschlägt die Götter, an die er geglaubt,

Und die gold’nen Märchen vom Glücke. –

Sein holdes Liebchen liegt unter dem Moos.

Der Tod erstarrte erbarmungslos

Die sonnigen Kinderblicke. –

Die Nachtviolen singen ein Lied,

Wenn wie Himmelsbrand das Abendrot glüht.

– Es klingt wie Engelchoräle; –

Und das Lied durchzittert die nächtliche Luft;

Es bringt ihm Grüße aus ihrer Gruft –

– Und zerreißt seine schluchzende Seele. – – –

Resignation [6]

Umarm’ mich mütterlich und weich,

Und zeige mir das Himmelreich,

Du träumerische Nacht;

Und bette meine Sorgen,

In deinem Schoß verborgen,

Auf Rosen und auf Silberlaub

Im tiefen Erdenstaub.

Im Dämmerlicht, im Dämmerschein

Zerstäuben deine Träumerei’n

In blauer Wolkenpracht.

Ich rüste mich zur Tagesschlacht!

Und sehne mich nach ew’ger Nacht.

Zu schmelzen still im Abendrot,

In deinem Heilandarme, Tod.

Jugend [7]

Ich hört’ dich hämmern diese Nacht

An einem Sarg im tiefen Erdenschacht.

Was willst du von mir, bleicher Sensemann,

Mein Herz gehört dem ew’gen Leben an

Mit all den Blüten und der Maienlust.

Ich bin so jung wie frühe Morgenglut.

Für deinen Becher ist zu heiß mein Blut.

Scher’ dich des Weges, alter Nimmersatt!

Was soll ich in der kalten Totenstadt

Ich, mit dem Jubel in der Brust!

Zur Kindheit [8]

Wir wollen wie der Mondenschein

Die junge Frühlingsnacht durchwachen.

Wir wollen wie zwei Kinder sein!

Du hüllst mich in dein Goldhaar ein

Und lehrst mich so wie du zu lachen.

An deiner reinen Mädchenbrust

Entflieht der Fluch aus meinem Leben.

Zum Kampfe hab’ ich jung gemußt.

Ich sehnte mich nach Kinderlust

Und niemand konnte sie mir geben.

Ich sehnte mich nach Mutterlieb’

Und Vaterwort und Frühlingsspielen.

Den Fluch, der mich durchs Leben trieb

Begann ich, da er bei mir blieb

Wie einen treuen Feind zu lieben.

Die Bäume prangen seidenfein

Und Liebe duftet von den Zweigen.

Du mußt mir Vater und Mutter sein

Und Frühlingsspiel und Schätzelein

Und – ganz mein Eigen .....

Brautwerbung [9]

Ihr kennt ja All’ die Liebe nicht

Die in mir glüht, die in mir stürmt

Wie unerfüllte Weltenpflicht.

Das Feuer hat sich aufgetürmt

In meiner Seele Einsamkeit

Und brennt wie Steppenbrand.

Du! mit dem roten jungen Mund ....

Du weichst zurück in banger Scheu?

Und nennst mein Fühlen ungesund.

Es blieb dem tiefen Drang getreu

Dem Mittage der Frühlingszeit

Im Sonnenland.

Du! mit den Augen jugendcharme ....

Du schlägst sie nieder angsterfüllt?

Und fürchtest, daß mein Flammenarm

Dich an sich reißt in Nächten wild.

Nimm dir zum Schatz den Erdenmann

Ihm friert selbst in der Sonne Glut.

Du! mit den Wangen südenbraun ....

Du zitterst wie die Frühlingsflur,

Auf deinem Leibe will ich bau’n

Den roten Garten der Natur

Und pflanzen all die Sehnsucht an

Aus meinem ungestümen Blut.

Morituri [10]

Du hast ein dunk’les Lied mit meinem Blut geschrieben –

Seitdem sind meine Lippen kalt und blaß.

Du hast mich aus dem Rosenparadies vertrieben!

Ich mußt’ sie lassen, alle die mich lieben.

Gleich einem Vagabund zieh’ ich fürbaß.

Und in den Nächten wenn die Rosen singen –

Dann brütet still der Tod – ich weiß nicht was ....

Ich möchte dir mein krankes Herze bringen

Den gift’gen Odem und mein mühsam Ringen,

Mein Weh und alles Kranke und den Haß.

Sehnsucht [11]

Mein Liebster, bleibe bei mir die Nacht

Ich fürchte mich vor den dunklen Lüften.

Ich hab’ so viel Schmerzliches durchgemacht

Und Erinnerung steigt aus den Tottengrüften.

Ich fürchte mich vor dem Heulen der Stürme

Und dem Glockengeläute der Kirchentürme

Vor all’ den Thränen, die heimlich fließen

Und sich über meine Sehnsucht ergießen.

Leg’ deinen Arm um meinen Leib,

Du mußt ihn wie dein Kind umfassen. –

Ich seh’ im Geiste ein junges Weib –

Das Weib bin ich – von Gott verlassen ....

Mein Liebster, erzähle von heiteren Dingen!

Und ein Lied von Maienlust mußt du singen!

Und herzige Worte und schmeichelnde sagen .....

Damit sie die Raben des Schicksals verjagen.

Mein Liebster, siehst du die bleichen Gespenster?

Von mitternächtlichen Wolken getragen .....

Sie klopfen deutlich ans Erkerfenster.

Ein Sterbender will »Lebewol« mir sagen.

Ich möchte ihm Blüten vom Lebensbaum pflücken ...

Und die Schlingen zerreißen, die mich erdrücken!

Mein Liebster, küsse, – küß’ mich in Gluten

Und laß deinen Jubelquell über mich fluten!

Phantasie [12]

Ich schlummerte an einem Zauberbronnen

Die Nacht – und träumte einen stillen Traum –

Von Sternenglanz und Mondenblässe

Und silberhellem Wellenschaum.

Von dunkler Schönheit der Cypresse

Und von dem Glühen deiner Augensonnen.

Der Neumond kann sich nicht vom Morgen trennen –

Ich hör’ ihn mit den jungen Faunen scherzen. –

Im Thale blühen heiße Purpurrosen

Und Lilien, andachtsvoll wie heil’ge Kerzen

Und sonnenfarbig, goldene Mimosen

Und Blüten, die wie meine Lippen brennen .....

Frau Dämon [13]

Es brennt der Keim im zitternden Grün

Und die Erde glüht unter dem Nachtfrost

Und die Funken, die aus dem Jenseits sprühn

Umschmeicheln den Sturmwind von Nordost.

Es rötet die Lippe der Natur die paradiesische Sünde

Und die Sehnsucht schickt ihre Kräfte aus, wie brennende Wüstenwinde. –

Als eine Natter kam ich zur Welt

Und das Böse lodert und steigt und quellt

Wie die Sündflut aus Riesenquellen

Und die Unschuld ertrinkt in den Wellen.

Ich hasse das Leben und dich und euch

Das Morgenrot und die Lenznacht.

Durch mein Irrlichtauge verirrt euch ins Reich

In den Sumpf der teuflischen Allmacht.

Die holdesten Nächte umfängt meine Gier mit blutiggefärbten Banden,

Denn die Schlange, der Teufel vom Paradies ist in mir auferstanden.

Ein Giftbeet ist mein schillernder Leib

Und der Frevel dient ihm zum Zeitvertreib

Mit seinen lockenden Düften

Den Lenzhauch der Welt zu vergiften.

Ein Königswille [14]

Ich will: vom Leben der gazellenschlanken

Mädchen, mit glühenden Rosengedanken.

Sie sollen vor meinem Grabe stehn

Und zündend in die Tiefe sehn.

Und jubelnde Lieder vom Übermut singen

Wenn bleiche Winde durch die Totenstadt wehn

Und mit der Kraft meiner Seele ringen.

Ich will: vom Leben der wettergebräunten

Knaben, die nie eine Thräne weinten.

Sie sollen in meine Totengruft schaun

Und ihr Glück auf der Flur meiner Seele baun

Und die bleierne Luft der Einsamkeit sprengen

Und die Grabesschatten des Abendgraun

Mit ihrer blühenden Glut versengen.

Ich will vom Leben der weißen Gluten

Der Sonne, und von der Wolke Morgenbluten

Dem quellenden Rot der Himmelsbrust.

Bis meine Lippen sich wieder färben

Und junger Odem durchströmt meine Brust ...

Ich will nicht sterben!

Das Lied vom Leid [15]

Ich bin ein armes Mägdelein

Und weine leise im Sonnenschein ....

Der Hunger kam als schlechtes Weib

Und höhnte über meinen Leib,

Der alles Leid in Unschuld trägt.

Ich bin ein armes Mägdelein

Und weine leise im Sonnenschein ....

Der Hunger kam in Teufelstracht

Und hat mir dreizehn Dukaten zur Nacht

Verstohlen unters Pfühl gelegt.

Ich bin ein armes Mägdelein ....

Sie jagten mich aus dem Kämmerlein.

... Nun geh’ ich tanzen für kleines Geld,

Mein süßes Kind kommt tot zur Welt

Wenn der Wintersturm die Heide fegt.

Ballade [16]

Aus den Bergen

Er hat sich in gieriger Leidenschaft

In ein verteufeltes Weib vergafft

In seine leibliche Schwester.

Wie eine lauernde Tigerin

Schlich hinter ihm die Teufelin

Und träumte vom Geld seines Schweißes.

Im Wirtshaus bei wildem Zechgelag

Saß er und sie und zechten am Tag

Mit rohen Gesellen.

Und aus dem roten, lodernden Saft

Wuchs er ein Riese aus zwergenhaft

Verkümmerten Gesellen.

Und ihm war als blicke er weltenweit

Und sie schürte den Wahn seiner Trunkenheit

Und lachte.

Und eine Krone von Felsgestein

Den golddurchäderten Felsgestein

Saß ihm auf seinem Kopfe.

Und er dünkt sich als leibhaft’ger Satanas

»Gott verdammt, ich bin der Satanas!«

Und der Wein sprühte Feuer der Hölle.

Und die Stürme sausten wie Weltuntergang

Und die Bäume brannten am Bergeshang

Es sang die Blutschande .....

Und sie holten ihn um die Dämmerzeit

Und die Gassenkinder schrien vor Freud

Und bewarfen ihn mit Unrat.

Seitdem spukt es in dieser Nacht

Und Geister erscheinen in dieser Nacht

Und die frommen Leute beten.

Sie schmückte mit Bändern ihren Leib

Und ein Gaukelspieler nahm sie zum Weib.

Nun trägt sie flitternde Kleider.

Und ihn fraß der dürre, nagende Gram

Für die Sündenlust, die ihn überkam.

Und heut wankt er, ein Greis durch die Gassen.

Wie leidender Frevel

Wie das frevelnde Leid

Überaltert dem lässigen Leben.

Und er sieht die Weiber so eigen an

Und sie fürchten sich vor dem alten Mann

Mit dem Totenkopf .....

Maria [17]

Träume, säume, Marienmädchen

Überall löscht der Rosenwind

Die schwarzen Sterne aus.

Wiege im Arme

Dein Seelchen.

Alle Kinder kommen auf Lämmern

Zottehotte geritten

Gottlinchen sehen

Und die vielen Schimmerblumen

An den Hecken ....

Hahle, hahle,

Der große Himmel da

Geht spazieren im kurzen Blaukleide!

Träume, säume, Marienmädchen.

Vollmond [18]

Leise schwimmt der Mond durch mein Blut ...

Schlummernde Töne sind die Augen der Tage.

Wandelhin ... taumelher ...

Ich kann Deine Lippen nicht finden.

Wo bist Du ferne Stadt

Mit den segnenden Düften .....

Immer senken sich meine Lider

Über die Welt

Alles schläft ....

Und hinter dem Mittag beugt sich

Ein alter, traumweißer Wind

Und bläst die Sonne aus.

Albert Heine – Herodes V. Aufzug [19]

Berliner Theater

Hinter Deiner stolzen, ewigen Wimper gingen wir unter.

Schwermütige Sterne brannten auf Deinem Lide.

Deine große Hand beugte das Meer

Und brach ihm die Perlen vom Grund.

Die Wüste war dein Schild

In der Schlacht.

An Dich dürfen nur Dichter und Dichterinnen denken,

Mit Dir nur Könige und Königinnen trauern.

Alle Leiber der Stadt ringeln sich

Giftig um Deinen Leib.

Deine Schwester bespie den Traumstein Deiner Liebe.

Du, ein beraubter Palast,

Judas schwankende Säule,

Völker bedrohend.

So arg mag nur ein Schöpfer lichtmitten

Seiner Reiche zerbersten.

Die Liebe [20]

Verstecke mich in deinem Süßblut

Nähe mich in den Saum deiner Haut ein.

Immer tragen wir Herz vom Herzen uns zu.

Pochende Naht

Hält unsere Schwellen vereint.

Wo mag der Tod mein Herz lassen?

In einem Brunnen, der fremd rauscht –

In einem Garten, der steinern steht –

Er wird es in einen reißenden Fluß werfen.

Mir bangt vor der Nacht

Daran kein Stern hängt.

Denn unzählige Sterne meines Herzens

Vergolden deinen Blutspiegel.

Liebe ist aus unserer Liebe vielfältig erblüht.

Wo mag der Tod mein Herz lassen?

[Beitrag zu einer Rundfrage über Alfred Kerr] [21]

Jakobsohn und Jakobfritzen

Lassen die Tinten spritzen

Wasserfarbenrot.

Und Mühsam, eh ichs vergesse,

Kain heißt seine Presse;

Kein Jakob schlägt sie tot.

Und Pfemfert der Aktionäre,

Zieht mich in die Affaire:

Ob Dr. Kerr tut not?

Was Dr. Kerr bedeute

Für die Literatur von heute –

Ein Silberling im Brot.

Unser Liebeslied [22]

Unter der Wehmut der Esche

Lächeln die Augen meiner Freundin.

Und ich muß weinen

Überall wo Rosen aufblühn.

Wir hören beide unseren Namen nicht –

Immer Nachtwandlerinnen zwischen den bunten Jünglingen.

Meine Freundin gaukelt mit dem Mond

Unserm Sternenspiel folgen Erschrockene nach.

O, unsere Schwärmerei berauscht

Die Straßen und Plätze der Stadt.

Alle Träume lauschen gebannt hinter den Hecken

Kann nicht Morgen werden –

O, und die Seidige Nacht uns beiden

Tausendmal immer um den Hals geschlungen.

Wie ich mich drehen muß!

Und meine Freundin küßt taumelnd den Rosigtau

Unter dem Düster des Trauerbaums.

Dem Barbaren [23]

Deine rauhen Blutstropfen

Süßen auf meiner Haut.

Nenne meine Augen nicht Verräterinnen

Da sie deine Himmel umschweben;

Ich lehne lächelnd an deiner Nacht

Und lehre deine Sterne spielen.

Und trete singend durch das rostige Tor

Deiner Seligkeit.

Ich liebe dich und nahe weiß

Und verklärt auf Wallfahrtzehen.

Trage dein hochmütiges Herz,

Den reinen Kelch den Engeln entgegen.

Ich liebe dich wie nach dem Tode

Und meine Seele liegt über dich gebreitet –

Meine Seele fing alle Leiden auf,

Dich erschüttern ihre schmerzlichen Bilder.

Aber so viele Rosen blühen

Die ich dir schenken will;

O, ich möchte dir alle Gärten bringen

In einem Kranz.

Immer denke ich an dich

Bis die Wolken sinken;

Wir wollen uns küssen –

Nicht?

Dem Barbaren [24]

Ich liege in den Nächten

Auf deinem Angesicht.

Auf deines Leibes Steppe

Pflanze ich Cedern und Mandelbäume.

Ich wühle in deiner Brust unermüdlich

Nach den goldenen Freuden Pharaos.

Aber deine Lippen sind schwer,

Meine Wunder erlösen sie nicht.

Hebe doch deine Schneehimmel

Von meiner Seele –

Deine diamantnen Träume

Schneiden meine Adern auf.

Ich bin Joseph und trage einen süßen Gürtel

Um meine bunte Haut.

Dich beglückt das erschrockene Rauschen

Meiner Muscheln.

Aber mein Herz läßt keine Meere mehr ein.

O du!!

Mein Herz heult schon über deine rauhen Ebenen

Und verscheucht meine seligen Sterne.

Antinous [25]

Adi André-Douglas

Der kleine Süßkönig

Muß mit goldenen Bällen spielen.

In bunten Brunnen

Blaugeträufel, honiggold,

Seine Spielehände kühlen.

Antinous,

Wildfang, Güldklang,

Kuchenkorn mahlen alle Mühlen.

Antinous,

Du kleiner Spielkönig

In den Himmel fährt es schön auf Schaukelstühlen.

O, wie lustige Falter seine Augen sind

Und die Schelme all in seiner Wange

Und sein Herzchen beißt will mans befühlen.

Dem Prinzen von Marokko [26]

O, du Süßgeliebter, dein Angesicht ist mein Palmengarten,

Deine Augen sind schimmernde Nile

Lässig um meinen Tanz.

In deinem Angesicht sind verzaubert

Alle die Bilder meines Blutes,

Alle die Nächte, die sich in mir gespiegelt haben.

Wenn deine Lippen sich öffnen

Verraten sie meine Seligkeiten.

Immer dieses Pochen nach dir –

Und hatte schon geopfert meine Seele.

Du mußt mich inbrünstig küssen,

Süßerlei Herzspiel;

Wir wollen uns im Himmel verstecken.

O, du Süßgeliebter.

Meiner Schwester dieses Lied [27]

Mein Herz liegt in einem Epheukranz.

Ich habe das Wunder gesehn

Daran man stirbt.

Fern verglomm Todesleuchten

In ihren schönen Augen.

Die waren zwei Sternbilder,

In die Kinder blickten.

Gott, wie schwarz die Nacht war!

Keine Sonne vermag mehr

Ein Lächeln zu finden

In meinem Angesicht.

Sie ist im Himmel.

O, deine Hände [28]

O, deine Hände –

Sind meine Kinder.

Alle meine Spielsachen

Liegen in ihren Gruben.

Immer spiel ich Soldaten

Mit deinen Fingern, kleine Reiter,

Bis sie umfallen.

Wie ich sie liebe

Deine Bubenhände, die zwei.

Giselheer dem Tiger [29]

Über dein Gesicht schleichen die Dschungeln.

O, wie du bist!

Deine Tigeraugen sind süß geworden

In der Sonne.

Ich trag dich immer herum

Zwischen meinen Zähnen.

Du mein Indianerbuch,

Wild West,

Siouxhäuptling!

Im Zwielicht schmachte ich

Gebunden am Buxbaumstamm –

Ich kann nicht mehr sein

Ohne das Scalpspiel.

Rote Küsse malen deine Messer

Auf meine Brust –

Bis mein Haar an deinem Gürtel flattert.

An den Herzog von Vineta [30]

Der Himmel trägt im Wolkengürtel

den gebogenen Mond.

Unter dem Sichelbild

will ich in deiner Hand ruhn.

Immer muß ich wie der Sturm will

bin ein Meer ohne Strand.

Aber seit du meine Muscheln suchst,

leuchtet mein Herz.

Das liegt auf meinem Grund

verzaubert.

Vielleicht ist mein Herz die Welt

pocht –

und sucht nur noch dich –

wie soll ich dich rufen?

Giselheer dem Heiden [31]

Ich weine –

Meine Träume fallen in die Welt.

In meine Dunkelheit

Wagt sich kein Hirte.

Meine Augen zeigen nicht den Weg

Wie die Sterne.

Immer bettle ich vor deiner Seele;

Weißt du das?

Wär ich doch blind –

Dächte dann, ich läg in deinem Leib.

Alle Blüten täte ich

Zu deinem Blut.

Ich bin vielreich

Niemand kann mich pflücken;

Oder meine Gabeln tragen

Heim.

Ich will dich ganz zart mich lehren;

Schon weißt du mich zu nennen.

Sieh meine Farben,

Schwarz und stern

Und mag den kühlen Tag nicht,

Der hat ein Glasauge.

Giselheer dem Knaben [32]

An meiner Wimper hängt ein Stern,

Es ist hell

Wie soll ich schlafen –

Und möchte mit dir spielen.

– Ich habe keine Heimat –

Wir spielen König und Prinz.

Ich bin dein Prinz

Dein Leib ist hold

Aus allen bunten Farben.

Dein Leib ist eine Seele.

Giselheer dem König [33]

Ich bin so allein

Fänd ich den Schatten

Eines süßen Herzens.

– Oder mir Jemand

Einen Stern schenkte –

Immer fingen ihn

Die Engel auf

So hin und her.

Kann nicht beten

Vor Schluchzen.

Und fürchte mich

Vor der schwarzen Erde.

Wie soll ich fort?

Möchte in den Wolken

Begraben sein,

Überall wo Sonne wächst.

Liebe dich so!

Du mich auch?

Sag es doch – – –

Hinter Bäumen berg’ ich mich [34]

Hinter Bäumen berg ich mich –

Bis meine Augen

Ausgeregnet haben.

Und halte sie tief verschlossen,

Daß niemand dein Bild schaut.

Ich schlang meine Arme um dich

Wie Gerank;

Bin doch mit dir verwachsen,

Warum reißt du mich von dir?

Ich schenkte dir die Levkoje

Meines Leibes,

Alle meine Schmetterlinge scheuchte ich

In deinen Garten.

Immer ging ich durch Granaten,

Sah durch mein Blut

Die Welt überall brennen

Vor Liebe.

Schlage mit der Stirn nun

Meine Tempelwände düster.

Du falscher Gaukler,

Du spanntest ein loses Seil.

Wie kalt nun alle Grüße sind.

Mein Herz liegt bloß,

Mein rot Fahrzeug

Pocht grausig;

Bin immer auf See

O, ich fühl, ich lande nie.

Das Lied des Spielprinzen [35]

Wie kann ich dich mehr noch lieben?

Ich sehe den Tieren und Blumen

Bei der Liebe zu.

Küssen sich zwei Sterne

Oder bilden Wolken ein Bild –

Wir spielten es schon zarter.

Und deine harte Stirne,

Ich kann mich so recht an sie lehnen,

Sitz drauf wie auf einem Giebel.

Und in deines Kinnes Grube

Bau ich mir ein Raubnest –

Bis du mich aufgefressen hast.

Find dann einmal morgens

Nur noch meine Kniee,

Zwei gelbe Skarabäen für eines Kaisers Ring.

Sascha [36]

Um deine Lippen blüht noch jung

Der Trotz dunkelrot,

Aber auf deiner Stirn sind meine Gebete

Vom Sturm verwittert.

Daß wir uns im Leben

Nie küssen sollten ...

Nun bist du der Engel,

Der auf meinem Grab steht.

Das Atmen der Erde bewegt

Meinen Leib wie Lebendig.

Mein Herz scheint hell

Vom Rosenblut der Hecken.

Aber ich bin tot, Sascha,

Und das Lächeln liegt abgepflückt

Nur noch kurz auf meinem Gesicht.

Klein Sterbelied [37]

So still ich bin,

All Blut rinnt hin.

Wie weich umher,

Nichts weiß ich mehr.

Mein Herz noch klein,

Starb leis an Pein.

War blau und fromm!

O Himmel, komm.

Ein tiefer Schall –

Nacht überall.

O Gott [38]

Überall nur kurzer Schlaf

Im Mensch, im Grün, im Kelch der Winde.

Jeder kehrt in sein totes Herz heim.

– Ich wollt mein Liebster wär’ ein Kind –

Er wüßte noch vom ersten Atem zu erzählen.

Früher war eine große Frömmigkeit am Himmel,

Gaben sich die Sterne die Bibel zu lesen.

Könnte ich einmal Gottes Hand fassen

Oder den Mond an seinem Finger sehn.

O Gott, o Gott, wie weit bin ich von dir!

Höre! [39]

Ich raube in den Nächten

Die Rosen deines Mundes,

Daß keine Weibin Trinken findet.

Die dich umarmt,

Stiehlt mir von meinen Schauern,

Die ich um deine Glieder malte.

Ich bin dein Wegrand.

Die dich streift,

Stürzt ab.

Fühlst du mein Lebtum

Überall

Wie ferner Saum?

Lauter Diamant ... [40]

Ich hab in deinem Antlitz

Meinen Sternenhimmel ausgeträumt.

Alle meine bunten Kosenamen

Gab ich dir.

Und legte die Hand

Unter deinem Schritt,

Als ob ich dafür

Ins Jenseits käme.

Immer weint nun

Vom Himmel deine Mutter,

Da ich mich schnitzte

Aus deinem Herzfleische,

Und du so viel Liebe

Launig verstießest.

Dunkel ist es

Es flackert nur noch

Das Licht meiner Seele.

Meiner Mutter [41]

O, Mutter wenn du leben würdest

Dann möchte ich spielen in deinem Schoß.

Mir ist bang und mein Herz schmerzt

Von der vielen Pein.

Überall sprießt Blutlaub.

Wo soll mein Kind hin?

Ich baute keinen Pfad froh

Alle Erde ist aufgewühlt.

Liebe, liebe Mutter.

O, ich hab dich so lieb [42]

Dein Goldblond nimmt nur

Meinen Hauch an.

Aber ich mag mich

Dir nicht nahen ...

Die großen Blutbuchen

Meiner Träumerei

Färben meine Nächte.

Ich bin Wasser!

Immer schlägt wilde Welle

An mein Herz.

Über dunkel Gestein

Und schweigende Erde

Muß ich,

Über Gottes Grab.

Wie schmerzt mich meine Trauer.

An den Prinzen Benjamin [43]

Wenn du sprichst,

Wacht mein buntes Herz auf.

Alle Vögel üben sich

Auf deinen Lippen.

Immerblau streut deine Stimme

Über den Weg;

Wo du erzählst wird Himmel.

Deine Worte sind aus Lied geformt,

Ich traure, wenn du schweigst.

Singen hängt überall an dir –

Wie du wohl träumen magst?

Saul [44]

Über Juda liegt der große Melech wach.

Ein steinernes Kameeltier trägt sein Dach.

Die Klageweiber treiben hoch und heulen.

Und ohne Leuchte sinkt die Nacht ins Grab;

Sauls volles Auge nahm zur Scheibe ab.

Die Katzen schleichen scheu um rissige Säulen.

Vor seinen Toren aber stehen die Hethiter.

– Er zwingt den Tod, den ersten Eindring nieder –

Und schwingt mit fünfmalhunderttausend Mann die Keulen.

Der alte Tempel in Prag [45]

Paul Leppin, dem Dichter, gewidmet

Tausend Jahre zählt der alte Tempel schon in Prag,

Staubfällig und ergraut ist längst sein Ruhetag,

Und die alten Väter schlossen seine Gitter.

Ihre Söhne ziehen nun in die Schlacht.

Der zerborstene Synagogenstern erwacht

Und er segnet seine jungen Judenritter.

Wie ein Glückstern über Böhmens Judenstadt,

Ganz aus Gold wie nur der Himmel Sterne hat:

Hinter seinem Glanze beten wieder Mütter.

An Hans Adalbert [46]

Wenn du sprichst

Blühen deine Worte auf in meinem Herzen.

Über deine hellen Haare

Schweben meine Gedanken schwarzhin.

Du bist ganz aus Süderde und Weihrauch

Und Stern und Taumel.

Ich aber bin lange schon gestorben.

O, du meine Himmels-Stätte ...

Dem Herzog von Leipzig [47]

Deine Augen sind gestorben;

Du warst so lange auf dem Meer.

Aber auch ich bin

Ohne Strand.

Meine Stirne ist aus Muschel.

Tang und Seestern hängen an mir.

Einmal möchte ich mit meiner ziellosen Hand

Über dein Gesicht fassen,

Oder eine Eidechse über deine Lippen

Liebentlang mich kräuseln.

Weihrauch strömt aus deiner Haut

Und ich will dich feiern,

Dir bringen meine Gärten;

Überall blüht mein Herz bunt auf.

Aber deine Brauen sind Unwetter ... [48]

In der Nacht schweb ich ruhlos am Himmel

Und werde nicht dunkel vom Schlaf.

Um mein Herz schwirren Träume

Und wollen Süßigkeit.

Ich habe lauter Zacken an den Randen;

Nur du trinkst Gold unversehrt.

Ich bin ein Stern

In der blauen Wolke deines Angesichts.

Wenn mein Glanz in deinem Auge spielt,

Sind wir eine Welt.

Und würden entschlummern verzückt –

Aber deine Brauen sind Unwetter.

Senna Hoy [49]

Seit du begraben liegst auf dem Hügel

Ist die Erde süß.

Wo ich hingehe nun auf Zehen,

Wandele ich über reine Wege.

O, deines Blutes Rosen

Durchtränken sanft den Tod.

Ich habe keine Furcht mehr

Vor dem Sterben.

Auf deinem Hügel blühe ich schon

Mit den Blumen der Schlingpflanzen.

Deine Lippen haben mich immer gerufen,

Nun weiß mein Name nicht mehr zurück.

Jede Schaufel Erde, die dich barg,

Verschüttete auch mich.

Darum ist immer Nacht an mir

Und Sterne schon in der Dämmerung.

Und ich bin unbegreiflich unseren Freunden

Und ganz fremd geworden.

Aber du stehst am Tor der stillsten Stadt

Und wartest auf mich, du Großengel.

Verinnerlicht [50]

Ich denke immer ans Sterben,

Mich hat niemand lieb.

Ich wollt, ich wär still Heiligenbild

Und alles in mir ausgelöscht.

Träumerisch färbte Abendrot

Meine Augen wund verweint.

Weiß nicht, wo ich hin soll

Wie überall zu dir.

Bist meine heimliche Heimat

Und will nichts Leiseres mehr.

Wie blühte ich gern süß empor

An deinem Herzen himmelblau,

Lauter weiche Wege

Legte ich um dein pochend Haus.

Hans Ehrenbaum-Degele [51]

Er war der Ritter in Goldrüstung.

Sein Herz ging auf sieben Rubinen.

Darum trugen seine Tage

Den lauteren Sonnenglanz.

Sein Leben war ein lyrisches Gedicht,

Die Kriegsballade sein Tod.

Er sang den Frauen Lieder

In süßerlei Abendfarben.

Goldnelken waren seine Augen;

Manchmal stand Tau in ihnen.

Einmal sagte er zu mir:

»Ich muß früh sterben.«

Da weinten wir beide

Wie nach seinem Begräbnis.

Seitdem lagen seine Hände

Oft in den meinen.

Immer hab ich sie gestreichelt,

Bis sie die Waffe ergriffen.

Georg Trakl † [52]

Seine Augen standen ganz fern –

Er war als Knabe einmal schon im Himmel.

Darum kamen seine Worte hervor

Auf blauen und weißen Wolken.

Wir stritten über Religion;

Aber immer wie zwei Spielgefährte;

Und bereiteten Gott von Mund zu Mund;

Im Anfang war das Wort!

Des Dichters Herz, eine feste Burg.

Seine Gedichte, singende Thesen.

Er war wohl Martin Luther.

Seine dreifaltige Seele trug er in der Hand,

Als er in den »heiligen Krieg« zog.

Dann wußte ich, er war gestorben –

Sein Schatten weilte unbegreiflich

Auf dem Abend meines Zimmers.

An Franz Marc [53]

Der blaue Reiter ist gefallen, ein Großbiblischer, an dem der Duft Edens hing. Über die Landschaft warf er einen blauen Schatten. Er war der, welcher die Tiere noch reden hörte; und er verklärte ihre unverstandene Seelen. Immer erinnerte mich der blaue Reiter aus dem Kriege daran: es genügt nicht alleine, zu den Menschen gütig zu sein und was du namentlich an den Pferden, da sie unbeschreiblich auf dem Schlachtfeld leiden müssen, gutes tust, tust du mir.

An den roten Strand ist er gekommen, seinen Riesenkörper tragen große Engel zu Gott, der hält seine blaue Seele, eine leuchtende Fahne, in seiner Hand. Ich denke an eine Geschichte im Talmud, die mir ein Priester erzählte: wie Gott mit den Menschen vor dem zerstörten Tempel stand und weinte. Denn wo der blaue Reiter ging, schenkte er Himmel. So viele Vögel fliegen durch die Nacht, sie können noch Wind und Atem spielen, aber wir wissen nichts mehr hier unten davon, wir können uns nur noch zerhacken oder gleichgültig aneinander vorbeigehen. In dieser Nüchternheit erhebt sich drohend eine unermeßliche Blutmühle, und wir Völker alle werden bald zermahlen sein. Wir schreiten immerfort über wartende Erde. Der blaue Reiter ist angelangt; er war noch zu jung zu sterben.

Nie sah ich irgend einen Maler gotternster und sanfter malen wie ihn. »Zitronenochsen« und »Feuerbüffel« nannte er seine Tiere, und auf seiner Schläfe ging ein Stern auf. Aber auch die Tiere der Wildnis begannen pflanzlich zu werden in seiner tropischen Hand. Tigerinnen verzauberte er zu Anemonen, Leoparden legte er das Geschmeide der Levkoje um; er sprach vom reinen Totschlag, wenn auf seinem Bild sich der Panther die Gazelle vom Fels holte. Er fühlte wie der junge Erzvater in der Bibelzeit, ein herrlicher Jakob er, der Fürst von Kana. Um seine Schultern schlug er wild das Dickicht; sein schönes Angesicht spiegelte er im Quell und sein Wunderherz trug er oftmals in Fell gehüllt wie ein schlafendes Knäblein heim über die Wiesen, wenn es müde war.

»Grüße mir dein lieb Weib, blauer Reiter, deinen Knecht, deine Magd, deinen Esel im Stall, deine Rehe und Hirsche auf der Weide und vergiß nicht, mein süßer Halbbruder, den Russel, deinen treuen Hund.«

Das war alles vor dem Krieg.

Franz Marc, der blaue Reiter vom Ried,

Stieg auf sein Kriegspferd.

Ritt über Benediktbeuern herab nach Unterbayern,

Neben ihm sein besonnener, treuer Nubier

Hält ihm die Waffe.

Aber um seinen Hals trägt er ein silbergeprägtes Bild

Und den todverhütenden Stein seines blonden Weibes.

Durch die Straßen von München hebt er sein biblisches Haupt

Im hellen Rahmen des Himmels.

Trost im stillen Mandelauge,

Donner sein Herz.

Hinter ihm und zur Seite viele, viele Soldaten.

An zwei Freunde [54]

Ich blicke nachts in Euren stillen Stern.

Es schwimmen Tränen braun um meinen Mandelkern

Und meine Schellen spielen süß am Kleiderrand.

Ich trage einen wilden Kork im Ohrlapp,

Und Monde tätowiert auf meiner Hand.

Versteinte Käfer fallen von der Schnur ab.

Ich liebe Euer glitzernd Zackenland,

Und sehne mich nach goldnem Edelpunsche,

Aufglimme unsichtbar in Eurem Wunsche.

Milly Steger [55]

Milly Steger ist eine Bändigerin,

Haut Löwen und Panther in Stein.

Vor dem Theater in Hagen

Stehen ihre Großgestalten.

Böse Tollpatsche, ernstgewordene Hännesken,

Clowne, die mit ihren blutenden Seelen wehen.

Aber auch Brunnen, verschwiegene Weibsmopse

Zwingt Milly rätselhaft nieder.

Manchmal spielt sie mit Zündhölzchen,

Die entzünden sich in der Gulliverin Hand.

Sie schnitzt aus dem Holze Adam

Hinterrücks sein Weib.

Und Millys Herz lacht wie ein Apfel,

In ihren stahlblauen Augen sitzt ein Schalk.

Milly Steger die Bildhauerin ist eine Welt,

Meteore stößt sie von sich

Eine Büffelin an Wurfkraft,

Freut sie sich auch zart an dem blühenden Kern der Büsche.

Laurencis [56]

Ich gab Dir einen Namen

Wie eine fromme Guirlande

Darum will ich ihn

Nun immer liebend rufen.

Du siehst mich golden

Durch mein Abendherz,

Und nicht so trübe wie der Nebel

Es staubfällig färbt.

Meine Seele spielte auferstehen.

Wenn Augen wie schlafende Täler lagen.

Und ich kenne alle Engel,

Denen habe ich viel von Dir erzählt.

O meines Mundes Aster blüht

Mit Deinen Lippen Rittersporn.

Und ich wache vor unserer Liebe

Denn ihre Küsse sollen Knospen bleiben.

Abschied [57]

Aber du kamst nie mit dem Abend –

Ich saß im Sternenmantel.

.... Wenn es an mein Haus pochte,

War es mein eigenes Herz.

Das hängt nun an jedem Türpfosten,

Auch an deiner Tür;

Zwischen Farren verlöschende Feuerrose

Im Braun der Guirlande.

Ich färbte dir den Himmel brombeer

Mit meinem Herzblut.

Aber du kamst nie mit dem Abend –

.... Ich stand in goldenen Schuhen.

Bin ja aus einem Märchenbuch

Und muß nun immer weinen.

Georg Grosz [58]

Manchmal spielen bunte Tränen

In seinen äschernen Augen.

Aber immer begegnen ihm Totenwagen,

Die verscheuchen seine Libellen.

Er ist abergläubig –

– Ward unter einem bösen Stern geboren –

Seine Schrift regnet,

Seine Zeichnung: Trüber Buchstabe.

Wie lange im Fluß gelegen

Blähen seine Menschen sich auf,

Mysteriöse Verlorene mit Quabbenmäulern

Und verfaulten Seelen.

Fünf träumende Totenfahrer

Sind seine silbernen Finger

Aber nirgendwo ein Licht im verirrten Märchen

Und doch ist er ein Kind,

Der Held aus dem Lederstrumpf;

Mit dem Indianerstamm auf Duzfuß.

Sonst haßt er alle Menschen,

Sie bringen ihm Unglück.

Aber Georg Groß liebt sein Mißgeschick

Wie einen anhänglichen Feind.

Und seine Traurigkeit ist dionysisch,

Schwarzer Champagner seine Klage.

Kein Mensch weiß, wo er herkam;

Ich weiß, wo er landet.

Er ist ein Meer mit verhängtem Mond,

Sein Gott ist nur scheintot.

Heinrich Maria Davringhausen [59]

– Wie er daherkommt –

Trojanischer, junger Priester

Auf grabaltem Holzgefäß.

Zwei Nachtschatten schlaftrinken

In seinem Mahagonikopf;

Seine Lippen küßte ein Gottmädchen hold.

– Wie er gefalten aufstrebt –

Immer tragen seine Schultern

Ehrfürchtigen Samt.

Seine Füße schreiten

Nur über gepflegte Wege;

Stolperten nie über Gestrüpp.

– Wie er gottverhalten ist –

Aus jedem Bild, das er malt,

Blickt allfarbig der Schöpfer.

Savary [60]

Le Duc

Wie Perlen hängen seine Bilder

Schaumleicht an seidenen Wänden aufgereiht.

Mit goldenem Harz der Hagebutten

Und Rosenseime

Malt er der Prinzen Liebeskleid.

Um ihre zarten Schultern tragen sie

An Ketten – souvenir – im Medaillon

Verzückt des Freundes Paradeis.

Und ihre Hände spielen mit den Bächen

Und feinen Blumenstengeln

Und dem jungen Reis.

Und necken gern den Ziegenbock.

Glasäugig lauscht die graue Geiß.

Und ihre Leiber lieben sich

Wie süßgeblühte Bohnenstöcke,

Die sich bewegen kaum in ihrer Adeligkeit.

Theodor Däubler [61]

Zwischen dem Spalt seiner Augen

Fließt dunkeler Golf.

Auf seinen Schultern trägt er den Mond

Durch die Wolken der Nacht.

Die Menschen werden Sterne um ihn

Und beginnen zu lauschen.

Er ist ungetrübt vom Ursprung,

Klar spiegelt sich das blaue Eden.

Er ist Adam und weiß alle Wesen

Zu rufen in der Welt.

Beschwört Geist und Getier

Und sehnt sich nach seinen Söhnen.

Schwer prangen an ihm Granatäpfel

Und spätes Geflüster der Bäume und Sträucher,

Aber auch das Gestöhn gefällter Stämme

Und die wilde Anklage der Wasser.

Es sammeln sich Werwolf und weißer Lawin,

Sonne und süßes Gehänge, viel viel Wildweinlaune.

Und Evviva, dir, Fürst von Triest!

Peter Baum [62]

Er war des Tannenbaumes Urenkel,

Unter dem die Herren zu Elberfeld Gericht hielten.

Und freute sich an jedes glitzernd Wort

Und ließ sich feierlich plündern.

Dann leuchteten die beiden Saphire

In seinem fürstlichen Gesicht.

Immer drängte ich, wenn ich krank lag:

»Peter Baum soll kommen!!«

Kam er, war Weihnachten –

Ein Honigkuchen wurde dann mein Herz.

Wie konnten wir uns freuen!

Beide ganz egal.

Und oft bewachte er

Im Sessel schmausend meinen Schlummer.

Rote und gelbe Cyllaxbonbons aß er so gern;

Oft eine ganze Schüssel leer.

Nun schlummert unser lieber Pitter

Schon ewige Nächte lang.

»Wenn ich Euch alle glücklich erst

Im Himmel hätte –«

Sagte gläubig einmal zu den Söhnen

Seine Mutter.

Nun ist der Peter fern bewahrt

Im Himmel.

Und um des Dichters Riesenleib auf dem Soldatenkirchhof

Wächst sanft die Erde pietätvoll.

Dem Goldprinzen [63]

Gar keine Sonne ist mehr,

Aber dein Angesicht scheint.

Und die Nacht ohne Wunder,

Du bist mein Schlummer,

Dein Auge zuckt wie Sternschnuppe –

Immer wünsche ich mir etwas.

Lauter Gold ist dein Lachen,

Mein Herz tanzt in den Himmel.

Wenn eine Wolke kommt –

Sterbe ich.

An Tristan [64]

Ich kann nicht schlafen mehr,

Immer schüttelst du Gold über mich.

Und eine Glocke ist mein Ohr,

Wem vertraust du dich?

So hell wie du,

Blühen die Sträucher im Himmel.

Engel pflücken sich dein Lächeln

Und schenken es den Kindern.

Die spielen Sonne damit

Ja ...

An den Gralprinzen [65]

Wenn wir uns ansehn

Blühn unsere Augen.

Und wie wir staunen

Vor unseren Wundern – nicht?

Und alles wird so süß.

Von Sternen sind wir eingerahmt

Und flüchten aus der Welt.

Ich glaube wir sind Engel.

An den Prinzen Tristan [66]

Auf deiner blauen Seele

Setzen sich die Sterne zur Nacht.

Man muß leise mit dir sein.

O, du mein Tempel,

Meine Gebete erschrecken dich;

Meine Perlen werden wach

Von meinem heiligen Tanz.

Es ist nicht Tag und nicht Stern,

Ich kenne die Welt nicht mehr,

Nur dich – alles ist Himmel.

An den Ritter aus Gold [67]

Du bist alles was aus Gold ist

In der großen Welt.

Ich suche deine Sterne

Und will nicht schlafen.

Wir wollen uns hinter Hecken legen

Uns niemehr aufrichten.

Aus unseren Händen

Süße Träumerei küssen.

Mein Herz holt sich

Von deinem Munde Rosen.

Meine Augen lieben dich an,

Du haschst nach ihren Faltern.

Was soll ich tun,

Wenn du nicht da bist.

Von meinen Lidern

Tropft schwarzer Schnee;

Wenn ich tot bin,

Spiele du mit meiner Seele.

Gebet [68]

Ich suche allerlanden eine Stadt,

Die einen Engel vor der Pforte hat.

Ich trage seinen großen Flügel

Gebrochen schwer am Schulterblatt

Und in der Stirne seinen Stern als Siegel.

Und wandele immer in die Nacht ...

Ich habe Liebe in die Welt gebracht,

Daß blau zu blühen jedes Herz vermag,

Und hab ein Leben müde mich gewacht,

In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.

O Gott, schließ um mich Deinen Mantel fest.

Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,

Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,

Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt,

Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.

O ich möcht aus der Welt! [69]

Dann weinst du um mich.

Blutbuchen schüren

Meine Träume kriegerisch.

Durch finster Gestrüpp

Muß ich

Und Gräben und Wasser

Immer schlägt wilde Welle

An mein Herz,

Innerer Feind.

O ich möcht aus der Welt!

Aber auch fern von ihr

Irr ich ein Flackerlicht

Um Gottes Grab.

Der Mönch [70]

In deinem Blick schweben

Alle Himmel zusammen.

Immer hast du die Madonna angesehn,

Darum sind deine Augen überirdisch.

Und mein Herz wird ein Weihbecken,

Besterne dich mit meinem Blut;

Ich will der Tau deiner Frühe sein,

Deiner Abendsehnsucht pochendes Amen.

Du bist heilig zwischen bösem Tanz

Und schrillen Flöten.

Gottes Nachtigall bist du

In seinem Hirtentraum.

Deine Sünden wurden Musik,

Die bewegt süß meine Züge;

Deine Tränen tranken schlafende Blumen,

Die wieder Paradies werden sollen.

Ich liebe dich zauberisch wie im Spiegel des Bachs

Oder fern im wolkengerahmten Blau.

Dem Mönch [71]

Ich taste überall nach deinem Schein.

Suchst du mich auch?

In meiner Stirne leuchtet

Der erblaßte Stern wieder,

Und sehe dich nur in der Welt,

Dein Lächeln immerfort.

Unsere himmelweißen Herzen

Erglühen im Schlaf.

O wir möchten uns küssen,

Aber es wäre wie Mord.

Ich stehe ganz bunt am Granatbaum

In einem Bilderbuch.

Manchmal schaust du auf mich –

Dann singen die Junivögel.

Als der blaue Reiter war gefallen .. [72]

Griffen unsere Hände sich wie Ringe; –

Küßten uns wie Brüder auf den Mund.

Harfen wurden unsere Augen,

Als sie weinten: Himmlisches Konzert.

Nun sind unsere Herzen Waisenengel.

Seine tiefgekränkte Gottheit

Ist erloschen in dem Bilde: Tierschicksale.

Tierschicksale, das wertvollste Bild von Franz Marc, ungeheures Vermächtnis; einen heiligen Kaiser ließ man unbewacht in einem Schuppen zur Weiterbeförderung stehen.

Ein Lied [73]

Hinter meinen Augen stehen Wasser,

Die muß ich alle weinen.

Immer möcht ich auffliegen,

Mit den Zugvögeln fort;

Bunt atmen mit den Winden

In der großen Luft.

O ich bin traurig ....

Das Gesicht im Mond weiß es.

Drum ist viel samtne Andacht

Und nahender Frühmorgen um mich.

Als an deinen steinernen Herzen

Meine Flügel brachen,

Fielen die Amseln wie Trauerrosen

Hoch vom blauen Gebüsch.

Alles verhaltene Gezwitscher

Will wieder jubeln,

Und ich möchte auffliegen

Mit den Zugvögeln fort.

David und Jonathan [74]

O Jonathan, ich blasse hin in deinem Schoß,

Mein Herz fällt feierlich in dunklen Falten,

In meiner Schläfe pflege du den Mond,

Des Sternes Gold sollst du erhalten,

Du bist mein Himmel mein, du Liebgenoß.

Ich hab so säumerisch die kühne Welt

Fern immer nur im Bach geschaut,

Doch hat mein Träumen sich nicht hold belohnt,

Da sie nun bunt aus meinem Auge fällt

Durch deine Liebe aufgetaut.

O Jonathan, nimm du die königliche Träne,

Sie schimmert weich und reich wie eine Braut.

O Jonathan, du Blut der süßen Feige,

Duftendes Gehang an meinem Zweige,

Du Ring in meiner Lippe Haut.

Durch den ich wieder neu und scheu mich sehne ...

O Jonathan, dein spielerischer Bibelprinz

Nippt sterbend noch von deiner Liebe Minz.

Abschied [75]

Ich wollte dir immerzu

Viele Liebesworte sagen;

Nun suchst du ruhlos

Nach verlorenen Wundern.

Aber wenn meine Spieluhren spielen,

Feiern wir Hochzeit.

– O deine süßen Augen

Sind meine Lieblingsblumen;

Und dein Herz ist mein Himmelreich;

Laß mich hineinschau’n.

Du bist ganz aus glitzernder Minze

Und so weich versonnen .....

Ich wollte dir immerzu

Viele Liebesworte sagen, –

Warum tat ich das nicht?

Der Hirte [76]

Der Hirte träumt auf seinem Wiesenhügel,

Und in Palazzo ruhen Dogenhände wie die Flügel

Der teppichbuntgestickten Engelin

Im Maschenreiche Farbenspiele grün.

Und für den Dogen blüht der Hirte nur

Und seine Schafherzgarbe schmückt das weiße Haus

Viel manniginniger als alle Blumen auf der Flur,

Denn immer hauchte er sein Leben aus.

Und sitzt Paolo wie St. Marcus auf dem Thron

– Im Regenbogen lächelt süß der Friede –

Goldtönen die Apostel auf der Sonnenuhr

Und seine Stadt schwimmt fern auf seinem Liede ...

Die Wolle seiner Herden kräuselte sich schon

Und lächelnd trieb der Knabe sie zur Schur

Und zungenredete vor seiner sanften Prozession.

Ludwig Hardt [77]

Seiner Heimat Erde ruht

An keiner Bergwand aus;

Ein weiter, weiter Schemel –

Friesland.

Ungehemmt wettern die Wetter

Und die stürmenden Gemüter dort.

Im lüttchen Städtchen Weener

Hockt Ludwigs zottigsteinern Elternnest.

Da einmal flog Er mit den Herbstvögeln

Fort über die Ems.

Von hoher Vogelreinheit inbrünstig

Ohne Makel klopft sein Herz.

Und geharnischt ist seine Nase,

Seidene Spenderinnen die feinen Lippen,

Wenn sie die Verse Maria

Rainer Rilkes gastlich reichen;

Werden Rittersporn

In Liliencrons Balladengesängen;

Flattern wie Möven auf,

Lauter »Emmas«, wenn er entzückend

Uns mit Morgensterns

– frei nach Hardt – »kosmischer Meschuggas« beschenkt.

O, Ludwig Hardt liebt seine Dichter,

Die er spricht.

Und vermählt sich mit den Gedichten,

Die er schlicht zu sagen versteht.

Nie deklamiert er!

Das ist es eben.

Hagar und Jsmaël [78]

Max Reinhardt schenke ich dieses Gedicht.

Mit Muscheln spielten Abrahams kleine Söhne

Und ließen schwimmen die Perlmutterkähne;

Dann lehnte Isaak bang sich an den Jsmaël

Und traurig sangen die zwei schwarzen Schwäne

Um ihre bunte Welt ganz dunkle Töne

Und die verstoßne Hagar raubte ihren Sohn sich schnell.

Vergoß in seine kleine ihre große Träne,

Und ihre Herzen rauschten wie der heilige Quell,

Und übereilten noch die Straußenhähne.

Die Sonne aber brannte auf die Wüste grell

Und Hagar und ihr Knäblein sanken in das gelbe Fell

Und bissen in den heißen Sand die weißen Negerzähne.

Georg Koch [79]

Seelisch verstaubt –

Oft trägt sein Hals schon seine Totenmaske.

Ganz, ganz ernst

Ist der Bildhauer Georg Koch;

Verstorben, aber balsamiert von den Oliven,

Die an seinen Träumen hängen.

Er liebt den Süden der Welt;

Wir reisen oft von Napoli,

– Unsere abenteuerlichen Sinne

Sind weiße Segel –

Heimlich auf einem Gespensterschiff

Nach Palästina.

Kein Jude begegnet den Juden feierlicher

Wie dieser Christ mit den blauen Schubertaugen.

Seine Geschöpfe formt er nach seinem Ebenherzen,

Sie springen unerwartet aus ihm,

Wie die Zwangsgrimasse, die so oft

Über sein vornehm gemessenes Gesicht schleicht.

Denn sein Herz ist sicher ein Katerkopf,

Geweiht hinter grausamen Gittern heilig.

Was Georg ballt und schafft?

Nicht dumpf Tier, nicht klar Mensch,

Aber jede seiner Kreaturen,

Haucht er Geist und Odem ein,

Den keine Wissenschaft gewinnen kann

Geschweige der Kunstdilettant,

Dessen Machwerke nicht atmen

Und so kein ewiges Leben in sich tragen.

Des wahren Künstlers edelste Eigenschaft

Heißt »Gott«.

– Die seltsam gehauenen Steine im Atelier Kochs?

Vielleicht sind es gestaltgewordene unheimliche Gesänge.

Jeder der Köpfe blickt, und hört,

Ja, belauscht und übertönt sich mit seinen entrücktesten Gefühlen.

Ihr Schöpfer ist der erste und einzige

Futuristische Bildhauer.

Einer seiner düsteren Propheten

Könnte wahrhaft »Baß« heißen.

Dieser wie alle Tongebilde Georg Kochs blicken in sich

Religiös, einsiedlerisch, streng bezwungen.

Im Dämmer wie des stillen Bildhauers Kopf.

Joseph [80]

Die Winde spielten müde mit den Palmen noch

So dunkel war es schon um Mittag in der Wüste,

Und Joseph sah den Engel nicht, der ihn vom Himmel grüßte

Und weinte, da er für des Vaters Liebe büßte

Und suchte nach dem Cocos seines schattigen Herzens doch.

Der bunte Brüderschwarm zog wieder nach Gottosten

Und er bereute seine schwere Untat schon

Und auf den Sandweg fiel der schnöde Silberlohn.

Die fremden Männer aber ketteten des Jakobs Sohn

Bis ihm die Häute drohten mit dem Eisen zu verrosten.

So oft sprach Jakob inbrünstig zu seinem Herrn,

Sie trugen gleiche Bärte, Schaum von einer Eselin gemolken

Und Joseph glaubte jedesmal sein Vater blicke aus den Wolken

Und eilte über heilige Bergeshöhn, ihm nachzufolgen

Bis er dann ratlos einschlief unter einem Stern.

Die Käufer lauschten dem entrückten Knaben,

Des Vaters Andacht atmete aus seinem Haare;

Und sie entfesselten die edelblütige Ware

Und drängten sich zu tragen, Canaans Prophet in einer Bahre,

Wie die bebürdeten Kameele durch den Sand zu traben.

Egypten glänzte feierlich in goldenen Mantelfarben

Da dieses Jahr die Ernte auf den Salbtag fiel.

Die kleine Karawane, endlich nahte sie dem Ziel.

Sie trugen Joseph in das Haus des Potiphars am Nil.

An seinem Traume hingen aller Deutung Garben.

Die Schauspielerin [81]

Tilla! Ruft sie Gemahl,

Dienerin, Magd

Und Aras, der Papageimandrill.

Diese Bühnenherrin, die so sehr

Des Kindes Zuspruch

Und großer Zärtlichkeit bedarf.

Die Kulisse atmet,

Und unter ihren Füßen

Ballt eine Erde sich auf.

Blüht ein Tal,

Rauscht ein verwegener Strom,

Murrt Lava im Fels.

Als sie die Katharina spielte,

Trug diese slawische Simsonin

Rußland auf ihrer Schulter ins Haus.

Wie im Leben voll Mut

(Mut macht einen Charakter aus),

Las sie aufbäumende Verse,

Kämpfte mit zurückgelassenem Wort

Fern weilender Dichter

Immer wieder aus Gerechtigkeit.

Mit altem Hugenottenblute gemalt,

Im Ebenholzrahmen auf Elfenbein vergilbt,

Lächelt Tilla aus der Urahnin Antlitz.

Und wie sie sich entzaubern kann,

Bleibt sie auch immer eine schenkende Schelmin,

Ein weiblicher Nikolas.

Aus St. Paulis Matrosenkneipe,

So eine Lose ... »Komm in meine Lie--beslaube«

Trillert sie wirklich charmant;

Um am Abend aus weißem Opal

Die Rhodope im Theater zu spielen:

Geweihte Frau im häuslichen Hain.

Den Schauspielen Shaws

Setzt sie eine schimmernde Nase auf.

Dann ist Tilla die große Clownin.

Barlach formte ihren Kopf

In bläulich Porzellan.

Als Kleopatra malte sie Slevogt.

Senken sich ihre witternden Vogelaugen,

Dann schwankt die Bühne vor Todesbeben:

Alkestis.

Oft aber schweben die seltsam seltenen,

Grauen Vögel unter feinen Brauenbogen weit fort,

Als ob sie nie wiederkehren.

Carl Schleich [82]

Strindbergs Zwillingsbruder.

Auf ein Haar gleichen sich die Königstigerköpfe.

Wenn Schleich von Strindberg erzählt,

Heimwehen seine gelben Augen leidenschaftlich.

Ich glaube, die Freunde gingen

Unter einer gestreiften Haut.

Es glitzert um Carls feinen Mund

Wenn er feierlich an August denkt ....

Immer wurde ihr Gespräch

Ein Konzert.

Denn auch Carl Schleich ist ein Dichter

Abenteuerlich setzt er wie der Unvergeßliche

Im kühnen Weltensprunge

Durch den Reif in Gottes zeitlicher Hand.

Die Medizin studierte Carl

Am Gerippe der Ewigkeit:

Denn sein Gehirn ist ein Leuchtturm

Wenn sein wogendes Herz waghalst;

Ritzt sich oft am Dorn des Kranken,

Des Leidens Ursache zu erspähen.

Faulende Beine und Füße,

Hände und Arme sägt der Doktor vom Stamm

Und rettet dem welkenden Menschen

den Sommer –

Tausendundsiebzehnjährig lächelnd, ein träumerischer Schwarzseher

Tritt er manchmal an unsern bunten Caféhaustisch:

»Kinder bald schieb ich ab« ....

Er meint dann ernsthaft, er ende noch am Abend.

Wie in allen künstlerischen Menschen Leben und Sterben schimmert,

Hängt auch an Schleich der Tau der Eingebung;

Und er feiert Dasein, Grablegung und Himmelfahrt.

Auf jeder Seite seiner Büchertestamente wächst ein Wunder.

Gott hör .... [83]

Hugo Simon dem Boas

Um meine Augen zieht die Nacht sich

Wie ein Ring zusammen.

Mein Puls verwandelte das Blut in Flammen

Und doch war alles grau und kalt um mich.

O Gott und bei lebendigem Tage

Träum ich vom Tod.

Im Wasser trink ich ihn und würge ihn im Brot.

Für meine Traurigkeit fehlt jedes Maß auf deiner Waage.

Gott hör, in deiner blauen Lieblingsfarbe

Sang ich das Lied von deines Himmels Dach.

Und wurde doch für deinen ewigen Hauch zu wach.

Mein Herz schämt sich vor dir fast seiner tauben Narbe.

Wo ende ich, o Gott, denn in die Sterne,

Auch in den Mond sah ich in alle deiner Früchte Tal.

Der rote Wein wird schon in seiner Beere schaal

Und überall die Bitternis in jedem Kerne.

Marianne von Wereffkin [84]

Marianne spielt mit den Farben Rußlands malen:

Grün, Hellgrün, Rosa, Weiß,

Und namentlich der Kobaltblau

Sind ihre treuen Spielgefährten.

Marianne von Wereffkin –

Ich nannte sie den adeligen Straßenjungen.

Schelm der Russenstadt, im weiten Umkreis

Jeden Streich gepachtet.

Ihren Vater, der Verweser Alexanders,

Trägt sie im Medaillon um ihren Hals.

Marianne malte ihn, achtjährig war sie erst:

Hier fiel vom Himmel eine Meisterin.

Goldene Saat wächst auf ihrer Landschaft,

Wenn gottgefällig sich ein Baurenvolk

Im Kreise um die reiche Ernte freut.

Man hört vom Turm Geläut, malt sie den Sonntag.

Mariannens Bilder sind Geschöpfe,

Sie atmen und voll Leben strömen sie

Und wie ein Meer und wie ein Wald

Bergen sie auch tiefsten Frieden in sich.

Mariannens Seele und ihr unbändig Herz

Spielen gern zusammen Freud und Leid,

Wie sie so oft die Melancholie

Hinmalt mit zwitschernden Farbentönen.

Aribert Waescher [85]

Zur Zeit des Nazareners

War er ein starker Jünger.

»Arib«! So nenne ich meinen herrlichen Freund.

Tief religiös ist er.

Jedes Jahr pflückt er das Evangelium

Glitzernd vom Weihnachtsbaum.

Aber auch vergoldete Äpfel und Nüsse

Und Herzen aus Chocolade.

Freut sich darauf wie der fünfjährige Ari,

Der so viel Liebe von Mutter und Vater empfing.

Er sehnt sich noch immer nach süßen Beteurungen

– Der Riese.

Schlägt er die Fransen seiner Lider auf,

Wird es blaublaublau.

Sein Schritt auf die Bühne

Hob seinen Traum nicht auf, erhöhte ihn.

Seine Stimme wurde antik:

Ein Hektor in des Theaters Arena.

Thau im Klang, bebend vor Kraft,

Dennoch Zurückhaltung im Ausbruch bewahrt.

Wie vornehm spielte er den Holofernes;

Und nicht als ungeschlacht Raubtier.

Dabei freut sich Niemand neidloser

Am Spiel des Andern wie mein Freund.

Namentlich weiß er den Bassermann

Unendlich zu verehren.

Wie erst versteht er Freund zu sein

Dem Freunde brüderlich.

In der Passion saß Aribert zur Rechten Jesu,

Ein junger Petrus: Knecht und Wille zugleich.

Ergriff es mich mächtig, ich weinte,

Als er schlicht und entsetzt zu Ischariot sagte:

»Du wirst dir doch von unserm Herrn

Nicht die Füße waschen lassen!«

Dann – mit welchem Blutbeben

Er selbst seinen Fuß dem Rabbuni reichte.

Sehr oft wandeln wir beide

Durch die alte und neue Testamentwelt;

Und waren schon im Himmel einmal

– bei Gott.

An die Einwohnerschaft Berlins [86]

Ihr lieben Leute laßt Euch sagen

Daß ich seit Jahren keine Wohnung hab.

Und die es lesen will ich fragen,

»Wer läßt mir einige Zimmer ab?«

Damit wir uns nun auch vertragen –

Mit eigenem Eingang Vorder- oder Hinterhaus!

Geteilte Wohnung, abgeschlagen,

Möbliert, auch leer macht mir nichts aus.

O überlegt und laßt mich nicht verzagen.

Ich, die ich Euch so viele Verse gab;

Gern will die Kosten ich der Miete tragen

Vom Tag des Einzugs bis ins kühle Grab.

Abschied [87]

Der Regen säuberte die steile Häuserwand.

Ich schreibe auf den weißen, steinernen Bogen

Und fühle sanft erstarken meine müde Hand

Von Liebesversen, die mich immer süß betrogen.

Ich wache in der Nacht stürmisch auf hohen Meereswogen!

Vielleicht entglitt ich meines Engels liebevoller Hand,

Ich hab die Welt, die Welt hat mich betrogen,

Ich grub den Leichnam zu den Muscheln in den Sand.

Wir blicken all zu einem Himmel auf, mißgönnen uns das Land? –

Warum hat Gott im Osten wetterleuchtend sich verzogen,

Vom Ebenbilde seines Menschen übermannt.

Ich wache in der Nacht stürmisch auf hohen Meereswogen!

Und was mich je mit seiner Schöpfung Ruhetag verband,

Ist wie ein spätes Adlerheer unstät in diese Dunkelheit geflogen.

Jussuff Abbu [88]

Seiner guten Mutter

Er ruht auf seinem niederen Diwan wie im Elternhaus.

Das steht in Safeth unter schwärmerischem Himmel,

In ihm denkt sehnsüchtig die Mutter an den Jussuff.

Und auf der Tonplantage seines Ateliers,

Die weißen Menschen blicken leis vom Stein verschleiert,

Geheimnisvoll nach Osten.

Erschaffen kunstvoll und verhüllt behütet,

Fromm leben Jussuff Abbus Steingeschöpfe.

Sorgfältig forschen muß man ihren Wert.

Es atmet schwermütig der Stein,

Es lächeln Lippen lieblich liebentlang,

Im Marmormädchen blüht ein Herz.

–! Da – hinter Eisengittern – ja träumt man? –

Brüllt Abbus junger Tiger braungefleckt:

»Zuckeri nja siddi?«

Ganz ehrerbietig redet Jussuff seinen Gast:

»Herr« Mohammed an.

So er beweist die Hoheit aller Edeltiere.

Und spricht die Sprache der Beduinenfürsten,

Die von den Wüstenvögeln ihre Laute lernten.

Als Kind ritt er auf wildem Pferde mit den Stämmen.

Ganz weiß ist Jussuff Abbus Herz geblieben.

Doch seine Brauen, urwäldlich verwachsen,

verfinstern seine Galiläeraugen.

Sucht er den Psalm der Jemeniterpriester,

Schwebt jeder Harfenton hebräisch zu Jehovah

Vom heiligen Künstlertempel Abbus bis ins blaue Reich.

Paul Gangolf [89]

Braungebrannt kommt er geschritten

(Eben mal durchs Café)

Von Neapel, manchmal auch von Salzburg.

Um mit Freund und Freund in Freundschaft

(Eine Nacht wirds doch) zu plaudern.

Gangolfs Herz ist innig.

Unser liebster Kamerad

– Das verlorene Kind –

Väterlich und mütterlich sind wir zum Paul.

Und er spielt so gerne Großsein

Auf der bunten Murmelwelt,

Die er überm Tisch uns zurollt.

Immer wieder »lebend noch!«

Kam er, sich zum Teufel wünschend,

Schwermütig und todgütig von der Front heim.

Wenn wir damals durch die Straßen schlenderten, –

Ich der Prinz, Er in seiner Uniform:

Ein staubmüder Kriegsgraf;

Der die Schlacht der Völker hinnahm

Wie das Schicksal eines Wandgemäldes,

Dessen Farben schreien.

Ernst ist es Paul Gangolf mit dem Malen

Und dem Zeichnen und Radieren:

Feste, gefahrvolle Gewebe.

Abenteuer jedes seiner Bilder

Aus feinstem Nerv.

Dort überm Kirchturm tanzt der Schwärmer.

Eisenbahnen rasen kreuz und quer

Wie über die Geleiselinien

Auf der Fläche seiner starken Hand.

– O, die Sehnsüchte seines Herzens –

Zerfleischt wandeln sie, Gerippen

Durch den Strahl der Feder schaurig.

Unerhört erschütternd sein Selbstbild –

– Mondloses –

Extrakt des tiefsten Alleinseins.

– Aber zwischen seinen spielerischen Wänden

Pflegt er mit Vorliebe Bauherr zu sein:

Puppentheater, Papierschauspieler und Tänzerinnen herzuzaubern.

Wüßt’ ich ein Wort für das degenerierte

Altmeisterlich und affektierte Wort »Genie« –

Es paßte auf Paul Gangolf.

Paul Leppin [90]

Er ist mein liebster Freund,

Er ist der König von Böhmen.

Wenn ich von ihm spreche

Lege ich mein Feierkleid an.

Gedenkt er meiner –

Spielen die Spieldosen im Schrank;

Oder die Uhr an der Wand

Schlägt eine tiefe Stunde.

Er läutet Selbst und läutert,

Paul Daniel Jesus, ein junger Papst.

Sein Herz pilgert immer

Fromm in die Ewigkeit ...

Ganz einsam, aber in großen Zügen

Trinkt er die bittere Traube der Welt.

Sein Antlitz, ein schimmernder Totenkopf:

Die große Auferstehung.

Der erschafft aus einem Blutstropfen

Das Werk,

Und gibt ihm den Namen

Von seinem Gebein.

Paul und sein Sohn der kleine Ritter:

Ein Goldgemälde: Alter Meister,

Im Rahmen der Stadt Prag.

Abigail [91]

Im Kleid des Hirten schritt sie aus des Melechs Haus

Zu ihren jungen Dromedarenherden,

Im edlen Wettlauf mit den wilden Pferden

Und trieb die Silberziegen vor die Stadt hinaus,

Bis sich die Abendamethysten reihten um die Erden.

Um seine einzige Tochter bangte König Saul.

Sie setzte das verirrte Tier nicht aus

Der Wüste hungernder Schakale

Und trug am Arme blutiger Bisse Male,

Entriß das Böcklein noch der Löwin Maul.

– Der blinde Seher sah es jedesmal voraus. –

Die Gräser zitterten im Judatale.

Im Schoß des Vaters schlief die kleine Abigail

Wenn über Juda lauschte Israels Gebieter

Hinüber zu dem feindlichen Hethiter.

Der Skarabäus seiner Krone wurde faul.

Treu aber hütete der Mond des Melechs Güter

Und seine Krieger übten sich im Pfeil.

Bis Isaak blies den goldenen Abraham aus

»Den Mond« – erzählte ernst der Melech seinem Kinde.

Der bleibt in seinem ewigen Scheine ohne Sünde.

Auch Isaak glitzerte ganz hell und weiß.

Man konnte ihn noch funkeln seh’n im Winde.

Einst trug sein Vater ihm ein Osterlämmlein hin auf seines Herrn Geheiß.

Als auf den Feldern blühte jung das Reis,

Schloß Saul die mächtigen Judenaugen beide,

Und seiner Abigail begegnete ein Engel auf der Weide,

Der kündete: »Jehova blies die Seele deines Vaters aus« ...

– Die arme Hirtin weinte zwischen ihren Herden leise.

Die scharten sich um sie in ihrem Herzeleide.

Abendlied [92]

Auf die jungen Rosensträucher

Fällt vom Himmel weicher Regen

Und die Welt wird immer reicher.

O mein Gott mein, nur alleine

Ich verdurste und verweine

In dem Segen.

Engel singen aus den Höhen:

»Heut ist Gottes Namenstag,

Der all weiß von dem Geschehen.«

Und ich kann es nicht verstehen,

Da ich unter seinem Tag

Oft so traurig erwach.

Der Hannemann [93]

Sein Vater, dessen Vater schon war Intendant in Tilsit.

Seine Mutter: Böhmin. Karl: Ein Zigeuner!

Er lebte auch am liebsten: Immerdurchdiewelt,

Auf Rädern von zwei spielerischen Apfelschimmeln

Ort zu Ort gezogen.

Als Jüngling saß er gerne unter Ästen spät im Herbst.

Ich bin verliebt in seine achtzehn Jahre!

Zwischen Herz und Herzblatt

Trage ich Wachholderkarls Konterfei.

Berlin S. W. am Halleschen Tor wohnt Karl Hannemann

Mit seinem sorglich treuen Freunde King am Spreekanal,

Der Karl würde sonst am Dorn des Lebens hängen bleiben.

Er träumt und säumt und schäumt,

Trägt er uns seine Verse, seine Dramen vor

Bis sich der Dämmer meldet,

Grau ans Fenster pocht.

Mit einem schwärmerischen Vollakkord lullt uns so gern

Wachholderkarl zärtlich ein.

Er weiß, wir lieben ihn, wenn er Klavier spielt.

Und wie erst – so er mit dem hölzernen Hämmerchen

Die Trällerchen vom Kämmerchen

Ein Liedchen auf der kleinen Holzklaviatur

So dahin lieb klimpert.

Karl Hannemann – ich sah ihn schon vor Jahren

Die Rolle von »dem« spielen, der die Maulschellen kriegt.

Frau Andrejew wünschte ihm begeistert Glück nach dem Theaterschluß.

Ich schenkte ihm ein Schiff, das steht auf seinem Eckbrett.

Und eine Spieluhr: Ach, wie ist es möglich dann – jedoch –

Ich holte mein Präsent am andern Tage reuevoll zurück.

Die Bühne ist mit Karls Herz verwachsen,

Sein Fuß verwurzelte mit ihrem Holz.

Er erbte seiner Väter buntes, stolzes Komödiantenblut.

Abraham Stenzel [94]

Als Abraham ganz jung war,

Nannte Gott ihn: Hamid.

Ich weiß es noch, denn erst viertausend

Und ein Schaltjahr ist es her.

Ich hing zwar noch am Baum

Im Schatten einer Cocospalme.

Mein Spielgefährte Abraham Stenzel

Gährte mit dem Mark im Stamm.

Begraben sind die Bibeljahre längst –

Wir beide tragen nur noch sehnsüchtig den Flor

Um unsern blauen Hut,

Der demütig die Stirn vor Gott bedeckt.

Der Hamid ist der Dichter des Jargons

Des Ghettoplatts.

Wenn er es spricht, hilflos und rührend,

Pocht an mein Herz das Jugendvolkslied

Er ist ein inniger innerlicher Dichter

Und seine Unverfälschtheit macht ihn liebenswert.

Wenn wir nach Mitternacht

Im Winter vom Romanischen Caféhaus

Zusammen leiernd durch den Schnee

Wie durch die Wüste trabten,

Kopf geneigt – überall Saharah:

Zwei edle Wüstentiere er und ich.

In seinen grünen Jordanaugen

Erinnern Träume sich vom Erzvater?

Und jedem Südenwinde blickt er nach,

Der über seine schwarzen Haare streicht.

Ich liebe seiner schönen Verse Kabala

Sie trägt sein frommes Angesicht als Medaillon.

Sigismund von Radecki [95]

Ein baltischer Edelmann, Mensch und Dichter,

Und Sigismund und Schwärmer und Verweser.

Melancholie stritt schmerzlich mit des Herzens Juliüppigkeit,

– Die Lieblingsschwester, seine Dichterin, lag fern im Todesrot.

Als er mir ihren Abschiedsbrief ergriffen vorlas: »Herzlieber Bruder mein ...«

Begruben wir den lieben Engel unter stillen Worten.

Sigismunds gewaltiges Erdenherz hat Jahreszeiten:

Glück, Himmel, Sturm und Tod.

Und wer erlebte nicht einmal die Laune seiner Laune: Schelm,

Der sitzt auf seiner Zungenspitze, spitzt und pfeift den ersten April.

Der Sigismund besucht noch manchmal die Obertertia im Traum,

So brachte er mir strahlend einen blauen Falter unter Glas wie Zensur 1 ins Haus.

Und wir bekennen uns zu Kinonitern Schulter an Schulter,

Ausgerüstet mit Fruchtbonbons, begeistert ziehen wir in manchen blutigen Film.

Von Schweden Svenska hin nach Troja I., II. Teil, wo der Achill

Mit den unnahbaren Händen dem Patroklos schrecklich Opfer bringt.

Auch Chaplin spielt im Mozartsaal; wie wir den hoch verehren!

Zwischen Dumier und Christian Morgenstern sitzt er im Tempel: Kunst.

Und wir verkürzen uns den Abendrest,

Indem wir Reime reimen auf Chaplin, den Kosmiker der Komiker.

Und einmal liebte Sigismund ein Paar blaue Augen .....

Da prallte heißer Dichtung Mittagssonne auf sein liebevolles Herz.

Auch seine Übersetzung wird zur eigenen Dichtung,

Da ihm gelingt, Tönung und Farbe pietätvoll zu bewahren.

Puschkin und Gogol wurden ihm zu übertragen anvertraut,

Ins Deutsche, das er unvergleichlich stark beherrscht.

Er kaufte einen ungeheuren Bogen, einen Samowar voll Tinte

Und sitzt von früh bis spät in seinem kleinen Kreml,

Wo seine Feder voll vom schwarzen Blute klebt –!

Jankel Adler [96]

Man nennt ihn überall den lieben Jankel.

Wir sind aus einer Stadt und gingen in dieselbe Schule

Und schlidderten mit Vorliebe über zugefrorene Gossen.

Der liebe Jankel hatte damals schon zwei Knospen im Gesicht,

Die tun sich heute auf verklärt und bibelvoll

Erzählt er uns vom Balchem.

Im Traum zur Nacht trägt man ihn feierlich,

Wie seinen Urrabunivater einst auf Zweig und Blatt

Vom stillen Walde in die Hallelujastadt.

Weiht er doch jedes Bildnis, das er malt,

Mit dichterischer, großer Harfenschrift

Seinem jungen Gotte Zebaoth.

Und selbst dem Argen unter den Gestalten,

Dem trügerischen Goldverleiher mit dem Fuchshaar,

Heiligt der Davidstern des alten Judenbluts!

Die Wupperstadt mit rosigem Sterbevogel –

Im Morgenrot und frühen Tod und brüderlichen Psalm:

»Mein kleines Schwesterlein ruht hier in Frieden.«

Und ebenso voll Herrlichkeit das Bildnis seines Freundes:

Aribert des großen Schauspielers Wäscher in Berlin:

Durchsichtig aus Buntkristall, Farbe kristallisierte sich.

Hingegen im begabten Maler Seyferts Kopf

Wird Jankels Farbe zu geronnenem Blut.

Schauervoll ... Herzschlag setzt aus.

Im wahren Sinn des Wortes malte aus der Vogelperspektive

Mein Heimatfreund krähend den »Hahnenverkäufer«.

(Es riecht tatsächlich nach Gefieder.)

In dieser Bildeshöhe zeitlosem Geschmeide

Wird Jankel Adler der hebräische Rembrandt.

Hans Jacob [97]

Die Eltern waren ihm so früh gestorben, –

Und eine Fremde hütete ihr Hänschen

Wie aus dem Osterei geschält,

Adrett saß es, sechsjährig, comme il faut,

Im französischen Gymnasium in Berlin;

Im Schillerkragen und langwehender Kravatte,

Den Ordinarius überfältigt, tout à fait,

Der kleine Chevalier.

Und seine Liebe wuchs mit jeder Klasse

Zu den Poeten Frankreichs.

Der elegante Futuristenhäuptling hatte es ihm angetan.

Der war des Staunens übervoll!

Wie oft sah ich im alten Café Westen

Marinetti mit dem Knaben lebhaft plaudern.

Dann kam der Krieg. –

Zum Teufel! – Ihm zum Ärger ausgerechnet gegen Frankreich!! –

– Und zog doch seinen Brüdern an die Front nach.

Als junger Offizier schon übertrug er: Balzac

Und andere große Romanciers ins Deutsche.

Ich rate zu der spannenden Lektüre.

Der Übersetzer las mir öfters die Poeten –

Nicht allzulange ist es her –

In Theben im Palast vor.

Die kosten dem Hans Jacob schlummerlose Nacht.

Und unermüdlich scheint auf seine Arbeit klar der Mond.

La lune nennt man in Frankreich seinen goldenen Freund.

Ernst Toller [98]

Seiner Mutter

Er ist schön und klug

Und gut.

Und betet wie ein Kind noch:

Lieber Gott, mach mich fromm,

Daß ich in den Himmel komm.

Ein Magnolienbaum ist er

Mit lauter weißen Flammen.

Die Sonne scheint –

Kinder spielen immer um ihn

Fangen.

Seine Mutter weinte sehr

Nach ihrem »wilden großen Jungen« ...

Fünf Jahre blieb sein Leben stehn,

Fünf Jahre mit der Zeit gerungen

Hat er! Mit Ewigkeiten.

Da er den Nächsten liebte

Wie sich selbst –

Ja, über sich hinaus!

Verloren: Welten, Sterne,

Seiner Wälder grüne Seligkeit.

Und teilte noch in seiner Haft

Sein Herz dem Bruder dem –

Gottgeliebt fürwahr, da er nicht lau ist;

Der Jude, der Christ ist

Und darum wieder gekreuzigt ward.

Voll Demut stritt er,

Reinen Herzens litt er, gewittert er;

Sein frisches Aufbrausen

Erinnert wie nie an den Quell ...

Durch neugewonnene Welt sein Auge taumelt

Rindenherb, hindusanft;

»Niemals mehr haften wo!«

Hinter kläglicher Aussicht Gitterfenster

Unbiegsamen Katzenpupillen

Dichtete Ernst im Frühgeläut sein Schwalbenbuch.

Doch in der Finsternis

Zwiefacher böser Nüchternheit der Festung

Schrieb er mit Ruß der Schornsteine

Die Schauspiele – erschütternde – der Fronarbeit:

In Kraft gesetzte eiserne Organismen.

Das Wunderlied [99]

Schwärmend trat ich aus glitzerndem Herzen

Wogender Liebesfäden,

Ganz schüchtern, hervor; Nacht im Auge,

Geöffnete Lippen ....

Aber wo auch ein See lockte,

Goldene Tränke,

Starb an der Labe mein pochendes Wild

In der Brust.

Was soll mir der Wein deines Tisches,

Reichst du mir des Herzens Mannah nicht.

Süß mir, wenn ich im Rauschen der Liebe

Für dich gestorben wär –

Nun ist mein Leben verschneit,

Erstarrt meine Seele,

Die lächelte sonntäglich dir

Frieden ins Herz.

Ich suche das Glück nicht mehr.

Wo ich auch unter hochzeitlichem Morgen saß,

Erfror der träumende Lotos

Auf meinem Blut.

Paule [100]

Ach, der Paule ist nicht mehr zu retten

Und wurde gestern doch erst sechzehn Jahr.

Wenn wir ihn wenigstens in Obertertia hätten!

Wir sandten ihn zum Onkel nach Amerika,

Zur schwarzen Tante nach Südafrika,

Und weiß nicht mehr in wieviel anderen Städten.

Oh, an Paule, möcht’ ich leider wetten,

Stotterte Herr Ordinarius, ist kein gutes Haar.

Legte man den Bengel auch in Ketten,

»Ggglauben Sie es mir, Mamama!«

Seine beiden Töchter aber, Miezekind und Barbara –

Seht den Paule mit den netten Kletten

Gerade eilen über das Trottoir.

Hedwig Wangel [101]

Auf Paryros steht geschrieben:

Hedwig Wangel.

Sie ist St. Petrus Schwester,

Der zur Rechten des Nazareners saß.

Eigentlich heißt sie:

Petra.

Im Gedanken reicht sie den Krug

Ihrem Herrn.

Sie trocknet seinen ehernen Fuß

Mit ihren starken Haaren.

Und blickt zum Edelrabbi auf

Durch schimmernde Wimper.

Und zittert für das auferstandene Leben

Jesus Christus.

Den sie erkannte ungestüm

Fernhin im Abendlande.

Sie betet auf Golgatha

Seiner Seele nach.

Und wandelt über Jerusalems Wolken

Und wuchtigen Schritts durch seine morschen Gänge.

Eine religiöse Generalin,

Jesus Christus ihre Majestät.

Petra: Weißglühende Felsin,

Hedwig: Tannenbaum im Garten Gethsemane.

Phantastische Eroberin,

Die über sich den Bann sprach.

Künstlerin, herab vom Thron der Bühne stieg

Zur grauen Wurzel.

Armen ihr Blut reichte,

Dem Lauen frisches Herzblut schenkte.

Heiligenschein blüht um ihr Herz

Und eine Säule ist ihr klarer Sinn,

Darauf geprägt ihr Lieblingswort:

»Nur der, der reinen Herzens ist,

Wird Gott schauen.«

[Geboren 1883 am 1. Mai] [102]

Geboren 1883 am 1. Mai

Und nicht am 11. Februar,

Als mich der Storch im Osterei

Am Rand des Teiches zappeln sah:

Ich konnt ein Wort nicht finden,

Das sich reimt auf diese Welt –

Die Versuchung [103]

Aus Frühlingsblüten schleichen feuchte Düfte –

Schling deinen starken Seemannsarm um meine Hüfte.

Mein Geist hat nach dem heilgen Geist gesucht.

Und tauchte auf den Vogelgrund der Lüfte.

Und grub nach Gott in jedem Stein der Klüfte.

Und blieb nur Fleisch leibeigen und verflucht.

Ich aß im Paradies vom Gifte,

Als noch der Schöpfer durch die Meere schiffte,

Das Wasser trennte von der Bucht.

Und Alles gut fand, da Er seine Erde prüfte,

Und nicht ein Korn blieb ungebucht.

Ich schreibe diesen Vers an Ihn mit ehernem Stifte.

Mein Seelenheil zerschellt am Maste seiner Wucht.

Schling deinen starken Seemannsarm um meine Hüfte.

Ich wandte mich von Gott, da Er mich hat versucht.

Gedenktag [104]

Das Meer steigt rauschend übers Land,

Inbrünstig fallen Wasser aus den Höhen.

Still brennt die Kerze noch in meiner Hand.

Ich möchte meine liebe Mutter wiedersehen ......

Begraben hab’ ich meinen Leib im kühlen Sand,

Doch meine Seele will von dieser Welt nicht gehen.

Und hat sich von mir abgewandt.

Ich wollte immer ihr ein Kleid aus Muscheln nähen;

In meinen rauhen Körper wurde sie verbannt.

Doch meine liebe Mutter gab sie mir zum Pfand.

Ich suche meine Seele überall auf Zehen;

Die nistete an meiner roten Felsenwand

Und noch in meinem Auge irrt ihr Spähen.

[Ich wohne im Sachsenhofe] [105]

Ich wohne im Sachsenhofe

Im schönsten Hotel von Berlin

Und lese die Katastrophe

Nämlich, von meinem Ruin.

Daß ich Kuverts verkoofe

à fünf Mark – immerhin –

mein lieber Fred, na weißte

nicht, was und wer ich bin?

Arthur Holitscher [106]

Der große Abenteurer vom Jahre: 2000,

Der chinesische Maharadscha.

Am Zweig der Klugheit blüht

Der Aberglaube bis zum Duft.

Seinen Namen hat er versenkt

Ins Meer.

Seine Geburtsstadt liegt am Abhang

– wo im Traum.

Unheimlich spielt Meergrün mit Pupille

Im verhangenen Aug.

Sein Herz ist auch Juchten,

Ein Necessaire reisebereit.

Immer sitzt er auf Deck

Die Welle steigt: Champagner über seinen Kopf

Aber Dämmerung umhüllt seine Schulter

Monde spalten seinen Talar.

Undurchsichtig ist seine Stirn,

Anbetend das Licht Ghandis.

Die Wände seines Hauses, unbegrenzt,

Der Lloyd sein Monogramm.

Er landet jäh! Oft weltenüberdrüssig;

Den treusten Freund trifft dann sein Speer.

Immer aber voll Bewunderung

Raunen Menschen wie Wälder um ihn.

Die Frauen liebt er rätselhaft:

Ein artiger Pagodengötze.

Sein Freiheitskampf aber färbt

Die Erdkugel sprießend.

Hängt seine Seele auch an träumender Stunde

Blutsverwandtem Abendrot –

Majestätischer Genosse dem Genossen

Sein Wort birgt eine Volksdemonstration.

Ein Dichter, der dem mühselig Beladenen

Den reichen Inhalt seines Lebens reicht.

Weihnacht [107]

Einmal kommst du zu mir in der Abendstunde

Aus meinem Lieblingssterne weich entrückt

Das ersehnte Liebeswort im Munde

Zündet meine weißen Lichte an.

Alle Zweige warten schon geschmückt.

»Wann« – ich frage seit ich dir begegnet – »wann?«

Einen Engel schnitt ich mir aus deinem goldenen Haare

Und den Traum, der mir so früh zerrann.

O ich liebe dich, ich liebe dich,

Ich liebe dich!

Hörst du, ich liebe dich – – –

Und unsere Liebe wandelt schon Kometenjahre,

Bevor du mich erkanntest und ich dich.

Letzter Abend im Jahr [108]

Es ist so dunkel heut,

Man kann kaum in den Abend sehen.

Ein Lichtchen loht,

Verspieltes Himmelchen spielt Abendrot

Und weigert sich, in seine Seligkeit zu gehen.

– So alt wird jedes Jahr die Zeit.

Und die vorangegangene verwandelte der Tod.

Mein Herz blieb ganz für sich

Und fand auf Erden keinen Trost.

Und bin ich auch des Mondes Ebenich,

Geleitetest auch du im vorigen Leben mich,

Und sah ich auch den blausten Himmel im Gottost.

O Gott, wie kann der Mensch verstehen

– Das Weltall spaltet sich doch nicht –,

Warum der Mensch haltlos vom Menschtum bricht,

Sich wieder sammeln muß im höheren Geschehen.

Ein Lied an Gott [109]

Es schneien weiße Rosen auf die Erde,

Warmer Schnee schmückt milde unsere Welt;

Die weiß es, ob ich wieder lieben werde,

Wenn Frühling sonnenseiden niederfällt.

Zwischen Winternächten liegen meine Träume

Aufbewahrt im Mond, der mich betreut –

Und mir gut ist, wenn ich hier versäume

Dieses Leben, das mich nur verstreut.

Ich suchte Gott auf unbeschienenen Wegen

Und kräuselte die Lippe nie zum Spott.

In meinem Herzen fällt ein Tränenregen.

Wie soll ich dich erkennen lieber Gott ....

Da ich dein Kind bin, schäme ich mich nicht

Dir ganz mein Herz vertrauend zu entfalten.

Schenk mir ein Lichtchen von dem ewigen Licht! – – –

Zwei Hände, die mich lieben, sollen es mir halten.

So dunkel ist es fern von deinem Reich

O Gott, wie kann ich weiter hier bestehen.

Ich weiß, du formtest Menschen, hart und weich

Und weintest gotteigen, wolltest du wie Menschen sehen.

Mein Angesicht barg ich so oft in deinem Schoß

Ganz unverhüllt: du möchtest es erkennen.

Ich und die Erde wurden wie zwei Spielgefährten groß

Und dürfen »du« dich beide, Gott der Welten, nennen.

So trübe aber scheint mir gerade heut die Zeit

Von meines Herzens Warte aus gesehen;

Es trägt die Spuren einer Meereseinsamkeit

Und aller Stürme sterbendes Verwehen.

Genesis [110]

Aus Algenmoos und Muscheln schleichen feuchte Düfte ...

Frohlockend schmiegt die Erde ihren Arm um meine Hüfte.

– Mein Geist hat nach dem Heiligen Geist gesucht –.

Und tauchte auf den Vogelgrund der Lüfte

Und grub nach Gott in jedem Stein der Klüfte

Und blieb doch Fleisch, leibeigen und verflucht.

Ich keimte schon am Zweig der Liebesgifte,

Als noch der Schöpfer durch die Meere schiffte,

Das Wasser trennte von der Bucht.

Und alles gut fand, da Er Seine Erde prüfte,

Und nicht ein Korn sprießt ungebucht.

Doch Seine beiden Menschen trieb Er in die Flucht!

Noch schlief der Weltenplan in Seinem Schöpferstifte.

Sie fügten sich nicht Seiner väterlichen Zucht.

Unbändig wie das Feuer zwischen Stein und Stein

Noch ungeläutert zu entladen sich versucht,

So trotzten sie!!

Wie meines Herzens ungezähmte Wucht.

Aus der Ferne [111]

Die Welt, aus der ich lange mich entwand,

Ruht kahl, von Glut entlaubt, in dunkler Hand.

Die Heimat, die ich heiß mit Liebe überhäufte,

Blieb immer mir nur ein Stiefmutterland –

Aus dem ich lebend in die Himmel reifte.

Es wachsen auch die Seelen der gefällten Bäume

Auf Erden schon in Gottes blaue Räume,

Um inniger von Seiner Herrlichkeit zu träumen.

Und auch der Mond und seine Lieblingssterne,

Spielen mit den bunten Muschelschäumen

Und hüten über Meere Gottes Geist so gerne.

So fern hab ich mir nie die Ewigkeit gedacht ...

Es weinen über unsere Welt die Engel in der Nacht.

Sie läuterten mein Herz, die Fluren zu versüßen,

Und ließen euch in meinen Versen grüßen.

Am fernen Abend [112]

Du bist so weit von mir entfernt

Am Abend zwischen deinen Freunden;

Meist ist das Dunkel über uns entsternt ...

Dann leide ich wie unter Feinden.

Doch glühen die Lichte in den Wolkenzweigen,

So sind sie alle unser Eigen.

Und manchmal kommt ganz weich die Luft

Und streichelt meine und dann deine Wange.

Und deine Stimme ist es, die mich ruft,

Aus allen Stimmen gleitend, in der Halle.

– Und mich umarmen viele Himmel in dem Schalle.

Ich finde aber auch in deinen Augen keine Rast

Und keinen Trost im stummen Zuspruch deiner Reden –

Ich fiel der Liebe und sie mir zur Last.

Mein letzter Schimmer leuchtet heim den Gast,

Ein stilles Kleinod für jedweden.

Und weiß, daß du alleine lieb mich hast ... ganz alleine.

Und bin ich dir auch unbegreiflich fast,

So sagen all die weichen Worte, daß ich weine.

Die Erkenntnis [113]

Else Lasker-Schüler widmet dieses Gedicht ihrem verstorbenen Freunde Heinrich Dehmel.

Unaufhörlich fällt ein frischer Regen

Auf das durstige Erdreich und auf meine Haut.

Ich will mich mitten in der Weltenmitten legen,

Bevor der Mensch und auch das Tier wird laut.

Ich wachse wie das Blatt im Wassersegen

Und ehe noch der frühe Morgen graut,

Bin ich ein Wald, und Sonne säumt auf meinen Wegen,

Da ich auf ewigen Wandel mich hab aufgebaut.

So ungeklügelt, ohne zu erwägen,

Wächst gottentsprossen selbst das ärmste Wegekraut,

Nur die »Erkenntnis« liegt im menschlichen Vermögen.

Doch sie zur letzten Deutlichkeit zu pflegen –

Vermag man, wenn der Zapfen aller Überhebung taut.

Herbst [114]

Auf einmal mußte ich singen ...

Und ich wußte nicht warum.

Doch abends weinte ich bitterlich.

Es stieg aus allen Dingen,

Ein Schmerz und der ging um –

Und legte sich auf mich.

Stürmische Wolkendepeschen

Erschrecken den Weltenraum;

Und die Beeren der Ebereschen

Die winzigen Monde am Baum.

Abendzeit [115]

Erblaßt ist meine Lebenslust ....

Ich fiel so einsam auf die Erde.

Von wo ich kam – hat nie ein Mensch gewußt –

– Nur du, da ich vereint einst mit dir werde.

Ich bin von Meeresbuchten weit umstellt;

Jedwedes Ding erlebe ich im Schaume.

Der Mensch, der feindlich mich ereilt, zerschellt,

Und ich weiß nur von ihm im Traume.

Und so erlebe ich die Schöpfung dieser Welt

Auf Erden schon entkommen ihrer Schale.

Und du der Stern, der hoch vom Himmel fällt,

Vergräbt sich tief in meines Herzens Tale.

Die Abendzeit verdüstert sehr mein Blut,

Durchädert qualvoll meine müde Seele.

Nackt steigt sie wieder aus der vorweltlichen Flut

Und bangt, daß sie verkörpert hier auf Erden fehle.

Und was der Tag, noch ehe er erwacht,

Versäumte morgenrötlich zu erleben,

Reicht ihm das träumerische Bilderspiel der Nacht,

In lauter bunterlei Geweben.

Es bringen ferne Hände mir nach Haus

Aus gelben Sicheln einen frommen Strauß.

Der Zeiger wandelt leise um das Zifferblatt

Der Sonnenuhr, die Gold von meinem Leben hat.

Sie glüht vom Pochen überwacht

Und läutet zwischen Nacht und Mitternacht ....

Da wir uns sahen in der rätselhaften Stunde –

Dein Mund blüht, tausendschön, auf meinem Munde.

All meine Lebenslust entfloh

Im dunklen Gewande mit der Abendzeit.

Ich suchte unaufhörlich einen Himmel wo ....

Nur in der Offenbarung ist der Weg zu ihm nicht weit.

Und weiß es nicht, ob meine Mutter mein ....

Es war, die mir erschien im lichten Engelskleid ....

Bald ruht mein Herz zeitlos im Immersein ....

Geweihter Talisman für alle Ewigkeit.

Die Verscheuchte [116]

Es ist der Tag in Nebel völlig eingehüllt,

Entseelt begegnen alle Welten sich –

Kaum hingezeichnet wie auf einem Schattenbild.

Wie lange war kein Herz zu meinem mild ....

Die Welt erkaltete, der Mensch verblich.

– Komm, bete mit mir – denn Gott tröstet mich.

Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich? –

Ich streife heimatlos zusammen mit dem Wild

Durch bleiche Zeiten träumend – ja, ich liebte dich.

Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt –?

– Die scheuen Tiere aus der Landschaft wagen sich –

Und ich – vor deine Tür, ein Bündel Wegerich.

Bald haben Tränen alle Himmel weggespült,

An deren Kelchen Dichter ihren Durst gestillt,

Auch du und ich.

Und deine Lippe, die der meinen glich,

Ist wie ein Pfeil nun blind auf mich gezielt –.

Hingabe [117]

Ich sehe mir die Bilderreihen der Wolken an –

Bis sie zerfließen und enthüllen ihre blaue Bahn.

Ich schwebte einsamlich die Welten all hinan,

Entzifferte die Sternoglyphen und die Mondeszeichen um den Mann.

Und fragte selbst mich scheu, ob oder wann

Ich einst geboren wurde und gestorben dann?

Mit einem Kleid aus Zweifel war ich angetan,

Das greises Leid geweiht für mich am Zeitrad spann.

Und jedes Bild, das ich von dieser Welt gewann,

Verlor ich doppelt und auch das was ich ersann.

Durch stille Lüfte ruhend in Gottvaters Kahn,

Hingleite ich nun über allen Wahn.

Ich liege wo am Wegrand übermattet [118]

Ich liege wo am Wegrand übermattet –

Und über mir die finstere, kalte Nacht

Und zähl schon zu den Toten, längst bestattet.

Wo soll ich auch noch hin von Grauen überschattet,

Schutzengel haben nur auf Kinder acht –

Doch glaubt ich, daß ihr Menschen lieb mich hattet.

Die ich vom Monde euch mit Liedern still bedacht,

Und weite Himmel blauvertausendfacht;

Nur weil ihr Gott zur Ehre alles tatet.

Die heilige Liebe, die ihr blind zertratet,

Ist ja Sein Ebenbild! – Ihr habt es umgebracht,

Zu dem ihr herzhinpochend einst gewallfahrtet.

Darum auch lebten du und ich in einem Schacht

Und doch im Paradiese blumumblattet –

Bis wir erlagen hold versunken schwarzer Niedertracht.

Es kommt der Abend ... [119]

Es kommt der Abend und ich tauche in die Sterne,

Daß ich den Weg zur Heimat im Gemüte nicht verlerne.

Umflorte sich auch längst mein mich vertriebenes Land.

Es ruhen unsere Herzen liebverwandt,

Gepaart in einer Schale: Weiße Mandelkerne.

.... Ich weiß Du hältst wie früher meine Hand

Verwunschen in der Ewigkeit der Ferne ....

Ach meine Seele rauschte, als dein Mund – es mir gestand.

Die Dämmerung naht ... [120]

Die Dämmerung naht – im Sterben liegt der Tag;

Sein Schatten deckt mich zu, der kühl auf einem Blatte lag,

Auf seinen roten Beeren.

Ich baute uns ein Himmelreich, dir unantastbar zu gehören;

Das aber an den Riffen deiner Herzensnacht zerbrach.

Die Vögel singen und vom Nachtigallenschlag,

Erzittert noch mein Bild am Wald im Bach.

– Dir will ich es verehren.

Die Dämmerung naht – im Sterben liegt der Tag

Und müde rankt sich meine Seele um dein Dach.

Mein blaues Klavier [121]

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier –

Die Mondfrau sang im Boote.

– Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatur.

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

– Ich aß vom bitteren Brote –

Mir lebend schon die Himmelstür,

Auch wider dem Verbote.

[Zürich, 30. September 1937] [122]

Zürich, 30. September 1937

Verehrungswürdiges Komitee,

Sie fürchten – wie ich höre –

Da morgen erst September um,

Der Schnupfen, der gedeiht und ausweit’

Sich in dieser nassen Atmosphäre,

Sich niesend legen könnte zwischen Fest und Publikum.

Versuche man mit Wattetupf getaucht in Glycerinodeure.

– Im Seehof trinkt man Doktor Eisenbarts Liqueure,

Und prompte Wirkung ich beschwöre.

Zitronen extra dick verkauft: Konsum.

Wenn erst die Festestrommel: Bum! Bum!! Bumm!!!

Laß flink die Haare locken beim Friseure

Weg mit dem Schnupfen! »Vor dem Niesen alle Ehre« …

Schneid’ lieber dir die Nase ab, mein’twegen krumm.

Wie es so vor sich geht mit einer Nagelschere.

Hauptsache: Kumm’!!

Else Lasker-Schüler

Herbst [123]

Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön ....

Es kam ein Engel mir – mein Totenkleid zu nähen –

Denn – ich muß andere Welten weiter tragen.

Das ewige Leben dem, der viel von Liebe weiß zu sagen.

Ein Mensch der Liebe kann nur auferstehen!

Haß schachtelt ein, wie hoch die Fackel auch mag schlagen.

Ich will dir viel, viel Liebe sagen,

Wenn auch schon kühle Stürme wehen,

In Wirbeln sich um Bäume drehen,

Um Herzen, die in ihren Wiegen lagen.

Mir ist auf Erden weh geschehen –

Der Mond gibt Antwort dir auf deine Fragen;

Er sah verhängt mich auch an Tagen,

Die zaghaft ich beging auf Zehen.

Es rosten alle Blätter der Alleen –

Und viele ihrer Früchte faulen auf den Seen.

Leopold Krakauer [124]

Im Salon M. S. Schlosser-Glasbergs »Cabinet of Arts«, Ben Jehudastreet 9, Jerusalem, hängen an den weißen Wänden im Rahmen: Ewigkeiten! – zum Anschauen und zum Erwerben; Kohlen und Rötelzeichnungen von Leopold Krakauer; von »L. K.«, – wie kurzerhand seine Freunde den ebenso bekannten Architekten wie Bergmaler zu nennen pflegen.

Himmelsgewölbe, die zur Erde gefallen,

Sich zu versteinen und zu vereinen zu Bergketten.

Grau und sandfarben, doch vom Sonnenuntergang gefärbt.

Schreien sie auch auf der Zeichnung

Bunttobend zu Gott!

Leopold Krakauers Zeichengemälde

Sind Geschöpfe.

Von der Gestalt ungeheurer Kameelbuckel,

Wie im Luftrahmen der Natur ganz enthäutet.

Man vernimmt das Herz des Wüstenberges

Noch entschlafen pochen auf dem Bilde.

Pochend mit den Toten in der Gruft des Ölbergs.

Am Gottestor der Auferstehung grünendem Rebstocks.

Der Maler haucht, ein Schöpfermensch,

Den Bildern Seele ein.

Liebreich wie Gott den Heiligen Berge:

Sinais, dem Gestein Moabs und Gilboas.

Des Malers Höhen erheben sich –

Weit über Stift und Blatt zur Ewigkeit empor.

In ihren steinumrissenen Schalen,

Ruhen Adern, Gewebe und Organ.

Und überall greises grenzenloses Schweigen ...

Ursprüngliche Bauten, Kuppel über Kuppel;

Man sucht, ein müder Gotteswanderer, die Pforte.

Erzsynagogen der Erzengel,

Die sich versammeln zur Flügelgemeinde.

Heroisch erbaut aus geronnenem Blut, Staub und Erleuchtung,

Verewigt der Maler: Ewigkeiten.

All seine stolzen Sarkophage auf den Bögen,

Bewahren Gottes »verlorenes Ebenbild.«

Der Menschheit verlorengegangener Schatz! ...

Was sind wir Geschöpfe ohne Gottes bewegendes Lächeln?

Ich weiß es nun: Erkaltete Berge und Hügel.

In den Tagebuchzeichenblättern »L Ks.«,

Hast du die Bildsprache der Schöpfung nicht vergessen,

Erfaßt den Betrachtenden: Göttliche Weisheit.

Mein Volk [125]

Mein Volk wird morsch,

Dem ich entspringe

Und meine Gotteslieder singe.

Jäh stürz ich vom Weg!

Und riesele ganz in mir,

Fernab, allein über Klagegestein

Dem Meer zu!

Hab mich so abgeschäumt

Von meines Blutes Mostgegorenheit,

Und immer, immer noch der Widerhall in mir,

Wenn schauerlich das alte Felsgebein

– Mein Volk!

– Zu Gott schreit.

An meine Freunde [126]

An meine treuen Freunde, die ich verlassen mußte, und die mit mir geflüchtet in die Welt

Nicht die tote Ruhe –

Bin nach einer stillen Nacht schon ausgeruht.

O ich atme Geschlafenes aus,

Den Mond noch wiegend

Zwischen meinen Lippen.

Nicht den Todesschlaf,

Schon im Gespräch mit euch – himmlisch Konzert –

Ruhe ich aus ....

Und neu’ Leben anstimmt

In meinem Herzen.

Nicht die tote Ruhe,

So ich liebe im Odem sein;

Auf Erden mit euch im Himmel schon

Allfarbig malen auf blauem Grund –

Das ewige Leben.

Der Überlebenden schwarzer Schritt

Zertritt den Schlummer, zersplittert den Morgen.

Hinter Wolken verschleierte Sterne

Über Mittag versteckt ....

So immer neu uns finden.

In meinem Elternhause nun

Wohnt der Engel Gabriel.

O ich möchte mit euch dort

Selige Ruhe in einem Fest feiern:

Sich die Liebe mischt mit unserm Wort.

Aus mannigfaltigem Abschied

Steigen aneinander geschmiegt die goldenen Staubfäden,

Und nicht ein Tag ungesüßt bleibt

Zwischen wehmütigem Kuß – –

Und Wiedersehn.

Mutter [127]

Es singt ein weißer Stern sein Totenlied

wie Sterbegeläut in der Julinacht,

und die Wolkenhand auf dem Dach,

die streifende, feuchte Schattenhand,

sucht nach der Mutter.

Ich fühle mein nacktes Leben,

fröstelnd stieß es sich ab von Mutterland;

so nackt war nie mein Leben,

nie so in die Zeit gegeben,

als sei ich längst abgeblüht.

Hinter der Tage erloschenem Schein,

zwischen zwei Nächten,

den zwei sich belauernden Mächten,

friere ich mutterseelenallein.

* * *

Anmerkungen

Die Auswahl der Texte folgt dem 2004 im Jüdischen Verlag erschienenen Band »Sämtliche Gedichte«.

[1] »Vorahnung« • Die Gesellschaft, Jg. 15, Bd. 3, Heft 4 (1899), S. 243.

[2] »Ahnung« • Die Gesellschaft, Jg. 15, Bd. 3, Heft 4 (1899), S. 243.

[3] »Verwelkte Myrten« • Die Gesellschaft, Jg. 15, Bd. 3, Heft 4 (1899), S. 243 f.

[4] »Liebe« • Die Gesellschaft, Jg. 16, Bd. 3, Heft 3 (1900), S. 243.

[5] »Kismet« • Die Gesellschaft, Jg. 16, Bd. 4, Heft 2 (1900), S. 123.

[6] »Resignation« • Die Gesellschaft, Jg. 16, Bd. 4, Heft 2 (1900), S. 123.

[7] »Jugend« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 22 vom 2. Juni 1900, S. 558.

[8] »Zur Kindheit« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 22 vom 2. Juni 1900, S. 559.

[9] »Brautwerbung« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 22 vom 2. Juni 1900, S. 559.

[10] »Morituri« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 26 vom 30. Juni 1900, S. 666.

[11] »Sehnsucht« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 26 vom 30. Juni 1900, S. 666 f.

[12] »Phantasie« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 26 vom 30. Juni 1900, S. 667.

[13] »Frau Dämon« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 26 vom 30. Juni 1900, S. 667.

[14] »Ein Königswille« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 36 vom 8. September 1900, S. 905.

[15] »Das Lied vom Leid« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 36 vom 8. September 1900, S. 905 f.

[16] »Ballade« • Das Magazin für Litteratur (Berlin), Jg. 69, Nr. 39 vom 29. September 1900, S. 967 f.

[17] »Maria« • Charon, Jg. 2, Heft 2 vom Februar 1905, S. 32.

[18] »Vollmond« • Kampf, N. F., Nr. 23 vom 24. März 1905, S. 675.

[19] »Albert Heine – Herodes V. Aufzug« • Morgen (Berlin), Jg. 2, Nr. 48 vom 27. November 1908, S. 1605.

[20] »Die Liebe« • Der Sturm (Berlin), Jg. 1, Nr. 9 vom 28. April 1910, S. 69.

[21] [Beitrag zu einer Rundfrage über Alfred Kerr] • Die Aktion (Berlin), Jg. 1, Nr. 11 vom 1. Mai 1911, Spalte 336.

[22] »Unser Liebeslied« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 63 vom 25. Mai 1911, S. 502.

[23] »Dem Barbaren« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 64 vom 1. Juni 1911, S. 508.

[24] »Dem Barbaren« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 67 vom 8. Juli 1911, S. 534.

[25] »Antinous« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 69 vom Juli 1911, S. 549.

[26] »Dem Prinzen von Marokko« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 73 vom August 1911, S. 581.

[27] »Meiner Schwester dieses Lied« • Der Sturm (Berlin), Jg. 2, Nr. 101 vom März 1912, S. 806.

[28] »O, deine Hände« • Saturn (Heidelberg), Jg. 2, Heft 10 vom Oktober 1912, S. 223.

[29] »Giselheer dem Tiger« • Die Schaubühne (Charlottenburg), Jg. 9, Bd. 2, Nr. 34/35 vom 28. August 1913, S. 798.

[30] »An den Herzog von Vineta« • Das neue Pathos (Berlin), Jg. 1913, Heft 1, S. 21.

[31] »Giselheer dem Heiden« • Das neue Pathos (Berlin), Jg. 1913, Heft 3/4 (August), S. 36 f.

[32] »Giselheer dem Knaben« • Das neue Pathos (Berlin), Jg. 1913, Heft 3/4 (August), S. 37.

[33] »Giselheer dem König« • Das neue Pathos (Berlin), Jg. 1913, Heft 3/4 (August), S. 38.

[34] »Hinter Bäumen berg’ ich mich« • Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, Jg. 58, Nr. 357 (Viertes Morgenblatt) vom 25. Dezember 1913, S. 2.

[35] »Das Lied des Spielprinzen« • Die neue Kunst (München), Jg. 1 (1913/14), Bd. 1, S. 150.

[36] »Sascha« • Wiecker Bote (Greifswald), Jg. 1, Heft 5 vom Januar 1914, S. 11.

[37] »Klein Sterbelied« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 1, Heft 8 vom April 1914, S. 797.

[38] »O Gott« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 1, Heft 8 vom April 1914, S. 797.

[39] »Höre!« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 1, Heft 8 vom April 1914, S. 798.

[40] »Lauter Diamant ...« • Die Aktion (Berlin), Jg. 4, Nr. 19 vom 9. Mai 1914, Spalte 410 f.

[41] »Meiner Mutter« • Der Brenner (Innsbruck), Jg. 4, Heft 17/18 vom Juni 1914, S. 796.

[42] »O, ich hab dich so lieb« • Der Brenner (Innsbruck), Jg. 4, Heft 17/18 vom Juni 1914, S. 796.

[43] »An den Prinzen Benjamin« • Das bunte Buch, Leipzig: Kurt Wolff Verlag, 1914, S. 130.

[44] »Saul« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 2, Heft 2 vom Februar 1915, S. 215.

[45] »Der alte Tempel in Prag« • Prager Tagblatt, Jg. 40, Nr. 73 vom 14. März 1915, Unterhaltungs-Beilage Nr. 11.

[46] »An Hans Adalbert« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 2, Heft 7 vom Juli 1915, S. 823.

[47] »Dem Herzog von Leipzig« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 2, Heft 7 vom Juli 1915, S. 823 f.

[48] »Aber deine Brauen sind Unwetter ...« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 2, Heft 7 vom Juli 1915, S. 824.

[49] »Senna Hoy« • Die Aktion (Berlin), Jg. 5, Nr. 39/40 vom 25. September 1915, Spalte 494.

[50] »Verinnerlicht« • Die Aktion (Berlin), Jg. 5, Nr. 39/40 vom 25. September 1915, Spalte 494.

[51] »Hans Ehrenbaum-Degele« • Die weißen Blätter (Leipzig), Jg. 2, Heft 10 vom Oktober 1915, S. 1282.

[52] »Georg Trakl †« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 3 [vom Dezember 1915], S. 33.

[53] »An Franz Marc« • Berliner Tageblatt, Jg. 45, Nr. 126 (Morgen-Ausgabe) vom 9. März 1916.

[54] »An zwei Freunde« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 7 [vom April 1916], S. 97.

[55] »Milly Steger« • Die Schaubühne (Charlottenburg), Jg. 12, Bd. 1, Nr. 24 vom 15. Juni 1916, S. 582.

[56] »Laurencis« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 11 [vom August 1916], S. 164.

[57] »Abschied« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 11 [vom August 1916], S. 165.

[58] »Georg Grosz« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 8 vom August 1916, S. 154.

[59] »Heinrich Maria Davringhausen« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 9 vom September 1916, S. 182.

[60] »Savary« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 14 [vom November 1916], S. 217.

[61] »Theodor Däubler« • Zeit-Echo (München und Berlin), [Jg. 2] (1915/16), H. 14 [vom November 1916], S. 218.

[62] »Peter Baum« • Der Bildermann (Berlin), Jg. 1, Nr. 16 vom 20. November 1916, Beilage.

[63] »Dem Goldprinzen« • Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917, hg. von Heinz Barger, Berlin: Verlag Neue Jugend [1916], S. 92.

[64] »An Tristan« • Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917, hg. von Heinz Barger, Berlin: Verlag Neue Jugend [1916], S. 93.

[65] »An den Gralprinzen« • Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917, hg. von Heinz Barger, Berlin: Verlag Neue Jugend [1916], S. 94.

[66] »An den Prinzen Tristan« • Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917, hg. von Heinz Barger, Berlin: Verlag Neue Jugend [1916], S. 95.

[67] »An den Ritter aus Gold« • Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917, hg. von Heinz Barger, Berlin: Verlag Neue Jugend [1916], S. 96.

[68] »Gebet« • Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, Jg. 61, Nr. 356 (Erstes Morgenblatt) vom 24. Dezember 1916, S. 7.

[69] »O ich möcht aus der Welt!« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 11/12 von Februar/März 1917, S. 226.

[70] »Der Mönch« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 11/12 von Februar/März 1917, S. 229.

[71] »Dem Mönch« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 11/12 von Februar/März 1917, S. 230.

[72] »Als der blaue Reiter war gefallen ..« • Neue Jugend (Berlin), Jg. 1, Heft 11/12 von Februar/März 1917, S. 245.

[73] »Ein Lied« • Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, Jg. 61, Nr. 144 (Abendblatt) vom 26. Mai 1917, S. 1.

[74] »David und Jonathan« • Die weißen Blätter (Zürich), Jg. 5, Heft 1 vom Juli 1918, S. 11.

[75] »Abschied« • Berliner Börsen-Courier, Literatur-Beilage zur Jubiläums-Ausgabe vom 1. Oktober 1918, S. 22.

[76] »Der Hirte« • Das junge Deutschland (Berlin), Jg. 2, Heft 4/5 von April/Mai 1919, S. 128 f.

[77] »Ludwig Hardt« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 15, Bd. 2, Nr. 29 vom 10. Juli 1919, S. 50.

[78] »Hagar und Jsmaël« • Die weißen Blätter (Berlin), Jg. 6, Heft 11 vom November 1919, S. 495.

[79] »Georg Koch« • Die weißen Blätter (Berlin), Jg. 6, Heft 11 vom November 1919, S. 496 f.

[80] »Joseph« • Die weißen Blätter (Berlin), Jg. 7, Heft 4 von April/Mai 1920, S. 155.

[81] »Die Schauspielerin« • Berliner Tageblatt, Jg. 49, Nr. 298 (Morgen-Ausgabe) vom 27. Juni 1920.

[82] »Carl Schleich« • Die weißen Blätter (Berlin), Jg. 7, Heft 9 vom September 1920, S. 412 f.

[83] »Gott hör ....« • Die weißen Blätter (Berlin), Jg. 7, Heft 11 vom November 1920, S. 505.

[84] »Marianne von Wereffkin« • Der Querschnitt durch 1922. Marginalien der Galerie Flechtheim, Düsseldorf, Berlin, Frankfurt am Main, Köln: Alfred Flechtheim (1922), S. 45.

[85] »Aribert Waescher« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 19, Bd. 1, Nr. 4 vom 25. Januar 1923, S. 107.

[86] «An die Einwohnerschaft Berlins« • Berliner Börsen-Courier, Jg. 55, Nr. 47 (Morgen-Ausgabe) vom 28. Januar 1923, 1. Beilage.

[87] »Abschied« • Berliner Tageblatt, Jg. 52, Nr. 151 (Morgen-Ausgabe) vom 30. März 1923.

[88] »Jussuff Abbu« • Berliner Börsen-Courier, Jg. 55, Nr. 327 (Morgen-Ausgabe) vom 15. Juli 1923, 1. Beilage.

[89] »Paul Gangolf« • Berliner Börsen-Courier, Jg. 55, Nr. 375 (Morgen-Ausgabe) vom 12. August 1923, 1. Beilage.

[90] »Paul Leppin« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 19, Bd. 2, Nr. 34 vom 23. August 1923, S. 197.

[91] »Abigail« • Berliner Tageblatt, Jg. 52, Nr. 491 (Morgen-Ausgabe) vom 19. Oktober 1923.

[92] »Abendlied« • Berliner Börsen-Courier, Jg. 56, Nr. 69 (Morgen-Ausgabe) vom 10. Februar 1924, 1. Beilage, S. 5.

[93] »Der Hannemann« • Berliner Tageblatt, Jg. 53, Nr. 271 (Morgen-Expreß-Ausgabe) vom 8. Juni 1924, 4. Beiblatt.

[94] »Abraham Stenzel« • Der Drache (Leipzig), Jg. 5, Heft 16 vom 1. Juli 1924, S. 23.

[95] »Sigismund von Radecki« • Berliner Tageblatt, Jg. 53, Nr. 326 (Morgen-Ausgabe) vom 11. Juli 1924.

[96] »Jankel Adler« • Berliner Tageblatt, Jg. 53, Nr. 326 (Morgen-Ausgabe) vom 11. Juli 1924.

[97] »Hans Jacob« • Berliner Tageblatt, Jg. 53, Nr. 326 (Morgen-Ausgabe) vom 11. Juli 1924.

[98] »Ernst Toller« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 21, Bd. 1, Nr. 1 vom 6. Januar 1925, S. 17.

[99] »Das Wunderlied« • Der Querschnitt (Berlin), Jg. 5, Heft 3 vom März 1925, S. 218.

[100] »Paule« • Die Dame (Berlin), 3. Aprilheft (Heft 16) 1925, S. 2.

[101] »Hedwig Wangel« • Berliner Tageblatt, Jg. 54, Nr. 225 (Abend-Ausgabe) vom 13. Mai 1925.

[102] [Geboren 1883 am 1. Mai] • Berliner Tageblatt, Jg. 55, Nr. 27 (Abend-Ausgabe) vom 16. Januar 1926.

[103] »Die Versuchung« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 22, Bd. 1, Nr. 6 vom 9. Februar 1926, S. 221.

[104] »Gedenktag« • Der Querschnitt (Berlin), Jg. 6, Heft 10 vom Oktober 1926, S. 775.

[105] [Ich wohne im Sachsenhofe] • Berliner Tageblatt, Jg. 55, Nr. 519 (Morgen-Ausgabe) vom 3. November 1926.

[106] »Arthur Holitscher« • Die Weltbühne (Charlottenburg), Jg. 24, Bd. 2, Nr. 45 vom 6. November 1928, S. 711.

[107] »Weihnacht« • Berliner Börsen-Courier, Jg. 61, Nr. 603 (Morgen-Ausgabe) vom 25. Dezember 1928, 1. Beilage.

[108] »Letzter Abend im Jahr« • Berliner Tageblatt, Jg. 58, Nr. 1 (Morgen-Ausgabe) vom 1. Januar 1929 1. Beiblatt.

[109] »Ein Lied an Gott« • Berliner Tageblatt, Jg. 58, Nr. 46 (Morgen-Ausgabe) vom 27. Januar 1929.

[110] »Genesis« • Berliner Tageblatt, Jg. 58, Nr. 591 (Morgen-Ausgabe) vom 15. Dezember 1929.

[111] »Aus der Ferne« • Berliner Tageblatt, Jg. 60, Nr. 430 (Morgen-Ausgabe) vom 12. September 1931.

[112] »Am fernen Abend« • Berliner Tageblatt, Jg. 61, Nr. 384 (Morgen-Ausgabe) vom 14. August 1932.

[113] »Die Erkenntnis« • Berliner Tageblatt, Jg. 61, Nr. 444 (Sonntags-Ausgabe) vom 18. September 1932.

[114] »Herbst« • Berliner Tageblatt, Jg. 61, Nr. 492 (Sonntags-Ausgabe) vom 16. Oktober 1932.

[115] »Abendzeit« • Die Sammlung (Amsterdam), Jg. 1, Heft 2 vom Oktober 1933, S. 104.

[116] »Die Verscheuchte« • Die Sammlung (Amsterdam), Jg. 1, Heft 7 vom März 1934, S. 384.

[117] »Hingabe« • Die Sammlung (Amsterdam), Jg. 1, Heft 11 vom Juli 1934, S. 573.

[118] »Ich liege wo am Wegrand übermattet« • Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz (Zürich), Jg. 35, Nr. 12 vom 22. März 1935, S. 11.

[119] »Es kommt der Abend ...« • Die Ernte. Ein Sammelheft jüdischer Dichtung, hg. von Adolf Chajes unter Mitarbeit von Sch[alom] Ben-Chorin, Jerusalem: Manfred Rothschild Verlag, 1936 (»Ausgegeben November 1936«), S. 6.

[120] »Die Dämmerung naht ...« • Die Ernte. Ein Sammelheft jüdischer Dichtung, hg. von Adolf Chajes unter Mitarbeit von Sch[alom] Ben-Chorin, Jerusalem: Manfred Rothschild Verlag, 1936 (»Ausgegeben November 1936«), S. 7.

[121] »Mein blaues Klavier« • Neue Zürcher Zeitung, Jg. 158, Nr. 222 (Zweite Sonntagausgabe) vom 7. Februar 1937, Blatt 5.

[122] [Zürich, 30. September 1937] • Samstag, 9. Oktober 1937 / Künstler-Zeitung 3. Jahrgang / Morgenausgabe // Künstler-Fest-Zeitung // Offizielles Organ der Künstler-Herbsttage auf dem alten Tonhalleplatz (Bellevue) [Zürich] // Vom 2.–17. Oktober 1937.

[123] »Herbst« • Der deutsche Schriftsteller (Paris), Sonderheft zum Jubiläum des SDS vom November 1938, S. 17.

[124] »Leopold Krakauer« • Jüdische Welt-Rundschau (Jerusalem), Jg. 2, Nr. 2 vom 12. Januar 1940, S. 6.

[125] »Mein Volk« • Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz (Zürich), Jg. 41, Nr. 42 vom 17. Oktober 1941, S. 11.

[126] »An meine Freunde« • Orient (Haifa), Jg. 4, Nr. 4/5 vom 29. Januar 1943, S. 22.

[127] »Mutter« • Deutsche Blätter (Santiago de Chile), Bd. 2, Heft 9/10 (1944), S. 33.